CSU Wie aus den alten Feinden Seehofer und Huber neue Freunde wurden

Für den aktuellen CSU-Chef Horst Seehofer (l.) war sein Vorgänger lange der größte Widersacher. Wenn Seehofer etwas sagte, redete Huber dagegen.

(Foto: dpa)

Ihr politisches Leben lang waren sich die beiden innig abgeneigt. Doch neuerdings reden sie gut übereinander. Das mag am Alter liegen - oder an der CSU.

Von Wolfgang Wittl

Seine Rede ist fast vorbei, aber eines muss Horst Seehofer unbedingt noch loswerden. Jeden Funktionsträger der niederbayerischen CSU hat er erwähnt, vom Minister bis zum Bürgermeister. Die Zeit drängt, der nächste CSU-Bezirksparteitag in der Oberpfalz wartet bereits. Doch das muss jetzt sein. "Dann haben wir noch unseren Freund Erwin Huber", hebt der Parteichef an. Es folgt eine Eloge, die selbst Seehofers Günstlinge vor Verlegenheit erröten ließe.

"Inbegriff eines anständigen, engagierten Parteisoldaten", "ganz großer Beitrag für unsere politische Familie, die CSU", und so weiter. "Ein Herzensbedürfnis" sei es ihm daher, säuselt Seehofer, "lieber Erwin, dir wirklich als Kollege, als Freund, als Parteifreund danke zu sagen, für die hervorragende . . ." - das letzte Wort geht im tosenden Applaus unter.

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Hoppla! War das wirklich Erwin Huber, den Seehofer da am Samstag meinte? Oder hatte er sich vielleicht beim Vornamen vertan und an einen anderen Huber gedacht, den Marcel aus der Staatskanzlei?

Letzteres ist auszuschließen: Nicht weil Seehofer seinen Staatskanzleichef Marcel Huber nicht außerordentlich schätzte, sondern weil er stets genau weiß, wen er wo aus welchem Grund lobt. Die Frage also bleibt: Was hat sich verschoben im Verhältnis zwischen Seehofer und Erwin Huber, dem er 2007 in der Wahl um den CSU-Vorsitz unterlegen war und der einmal sagte, er werde noch auf dem Sterbebett die Hand gegen Seehofer heben?

Vor einem Jahr hatte Seehofer es sogar abgelehnt, Huber eine öffentliche Gratulation zu dessen 70. Geburtstag zu spendieren. Und jetzt diese Hymne, die auch als Ausdruck einer steigenden Wertschätzung zweier Rivalen verstanden werden kann.

Ist doch einfach zu erklären, findet Seehofer: Huber habe in der CSU zuletzt "Beiträge geliefert, die sonst niemand hätte liefern können". Zum Beispiel für das neue Digitalisierungspaket der Staatsregierung. Beim Landesentwicklungsprogramm wiederum sei es ihm gelungen, die heftige Kritik der Verbände aufzugreifen und so den Widerstand abzumildern. "Eine ganz starke Leistung" erbringe Huber als Chef des Wirtschaftsausschusses. Ein Lob, das umso bemerkenswerter klingt, wenn man die Hintergründe kennt. Nicht nur Seehofer, auch Ilse Aigner und Markus Söder sollen sich 2013 bemüht haben, Huber den Ausschussvorsitz zu verwehren. Vergeblich.