CSU:In Wahrheit zählt auch hier nur eines: Was will Söder?

Auch jenseits der Münchner Kabinettsdisziplin sortieren sich frühere Gegner in Söders Machtgebilde ein. Alexander Dobrindt und Manfred Weber gehörten zu Söders entschiedensten Gegnern, nun könnten sie selbst das nächste große Duell der Zukunft bestreiten. Einen Vorgeschmack lieferte das Treffen in der Staatskanzlei. Weber meldete sein Interesse am Parteivorsitz an, sollte Seehofer abtreten - Dobrindt grätschte sofort dazwischen. Auch dieser Streit trug dazu bei, dass Söder freie Bahn hatte. Seehofer erkannte verärgert, dass eine friedliche Aufteilung der Spitzenpositionen nicht funktionierte. Gleichwohl bleiben Dobrindt und Weber aussichtsreiche Anwärter für den Parteivorsitz.

Als Söder mit seinem Kabinett zu Besuch in Brüssel war, schaute Weber gleich zweimal vorbei. "Intensive und gute Zusammenarbeit. Bayern halten zusammen", twitterte Söder. Zuvor hatte ihn Weber sogar in der Kreuzdebatte verteidigt. Söder und Weber waren seit JU-Tagen verfeindet, nun ist in der Partei zu hören, es habe ein klärendes Gespräch gegeben.

Weber, 45, sei "noch zu jung für den Märtyrertod", erklärt einer seiner Freunde eine mögliche Motivlage. Weber beschreibt die politische Gegenwart so: "Die CSU ist voll im Arbeitsmodus. Wir kämpfen für unser gemeinsames Ziel bei der Landtagswahl." Dafür müssten "alle Ebenen von München bis Europa für die Menschen liefern". Zumal eine erfolgreiche Landtagswahl Rückenwind für die Europawahl im Jahr drauf bedeutet. In Brüssel wird Weber als Kandidat für die Nachfolge von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gehandelt.

Dobrindt, 47, treibt seine Karriere in Berlin voran - mit einer Strategie, die auch Söder zum Erfolg verholfen hat. In der CSU wird Stärke gerne mit Härte verwechselt, und keiner tritt im Moment härter auf als Dobrindt. Den Rückhalt seines Förderers Seehofer hat er, anders als den der Partei. Der Posten des oberbayerischen Bezirkschefs würde Dobrindts Machtbasis schlagartig vergrößern, gehört aber Ilse Aigner.

In Wahrheit zählt auch hier nur eines: Was will Söder? Interesse am Parteivorsitz hat er noch nicht erkennen lassen, warum auch? Im Landtag regiert er mit absoluter Mehrheit, nichts schweißt die CSU mehr zusammen als eine nahende Wahl. Das heißt: Der Mann, dessen Aufstieg vor Monaten unbedingt verhindert werden sollte, grüßt schon jetzt vom Gipfel der Macht.

© SZ vom 11.05.2018/jana
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