Süddeutsche Zeitung

CSU-Vorstand:Seehofer sucht Gauweiler-Nachfolger

  • Horst Seehofer muss nach dem Rücktritt von Peter Gauweiler die Riege seiner Stellvertreter neu ordnen.
  • Der CSU-Chef will die vier Stellvertreter vor den am 13. Juni beginnenden Bezirksparteitagen vorstellen.
  • Seehofer sagte, für alle kursierenden Detail-Spekulationen gebe es keine Grundlage.

CSU-Chef Horst Seehofer will seine Stellvertreter-Riege noch vor der Sommerpause neu ordnen. Das kündigte der Ministerpräsident am Montag nach einer CSU-Vorstandssitzung an. Er werde seine vier Stellvertreter und einen größeren Kreis von etwa einem Dutzend CSU-Spitzenpolitikern als Kernteam für die nächsten Wahlen noch vor den am 13. Juni beginnenden Bezirksparteitagen vorstellen, sagte Seehofer. Das letzte Wort habe aber der Landesparteitag im Herbst.

Der Zeitdruck entsteht für Seehofer dadurch, dass Peter Gauweiler sein Vizeamt zurückgegeben hat, weil er unter Seehofer keine Basis mehr für seinen europaskeptischen Kurs sah. In der Partei wird damit gerechnet, dass Seehofer auch seinen weiteren Vize Peter Ramsauer nicht behalten will, mit dem er in langjähriger Antipathie verbunden ist. Festhalten würde Seehofer dagegen offenbar gerne an Landtagspräsidentin Barbara Stamm als weiterer Stellvertreterin. Sie hat sich aber noch nicht erklärt. Vierter in der Runde ist Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt.

Seehofer steht unter Zeitdruck

Für alle kursierenden Detail-Spekulationen gebe es keine Grundlage, sagte Seehofer, nährte diese aber sogleich wieder durch Andeutungen. So werde es "nicht drei Oberbayern als Stellvertreter geben", sagte er. Das wäre mit dem schon kursierenden Tableau in Einklang zu bringen, wonach Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Europagruppenchefin Angelika Niebler in die Führung aufrücken und Ramsauer ausscheiden würde. Ramsauer selbst wollte beim Eintreten in die CSU-Zentrale am Montag nichts sagen und scherzte beim Gang zur Treppe nur, es gehe "aufwärts".

Seehofer machte auch noch deutlicher als zuvor, dass er einen Rückzug Gauweilers als nicht mehr vermeidbar betrachtet hatte. Dieser sei zwar "schade". Ein Einschwenken auf Gauweilers europakritischen Kurs hätte aber eine "totale Misstrauenserklärung gegenüber der Kanzlerin" bedeutet - "mit der Folge, dass wir zwangsläufig aus der Regierung hätten aussteigen müssen". Gauweiler selbst fehlte, Seehofer verlas aber einen kurzen Brief Gauweilers: "Unverändert und unabhängig von unserer Meinungsverschiedenheit bleibt meine Achtung vor Deiner großen Leistung für die bayerische Sache und für unsere einzigartige Partei." Beidem bleibe auch er verbunden, schließt Gauweiler: "Glückauf, Dein Peter."

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SZ vom 14.04.2015/vewo
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