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CSU und die Bayern LB:Die frühe Blessur des Helden Seehofer

Voll erwischt vom Debakel der BayernLB: Der neue CSU-Held Seehofer muss unerwartet stark kämpfen, um den Bankvorstand zu kippen. Die Fehler lagen auch am zurückliegenden Gebaren von Parteifreunden - meinen selbst Stimmen aus der CSU.

So hat sich das Horst Seehofer nicht vorgestellt. Als Aufräumer und Erneuerer der CSU wollte er auftreten und den Mythos der ramponierten Staatspartei a. D. wiederherstellen.

(Foto: Foto: AP)

Und nun das: Kurz vor seiner Kür zum CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten vermiest das Debakel der staatlichen BayernLB den Start des Ingolstädters.

Der Vorstand des Instituts, das sich mit windigen Papieren verzockt hat und 6,4 Milliarden Euro Nothilfe braucht, will nicht, wie von Seehofer gewünscht, einfach so abtreten. Dabei hält der Freistaat Bayern 50 Prozent der Anteile.

Der CSU-Politiker war auf einmal nicht mehr Messias, sondern mitten drin in der Krise seiner Partei und des Bayernlandes. Der Noch-Bundesminister musste seine erste Bewährungsprobe bestehen, noch bevor er die dazu passenden Ämter hat - und schon in der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurde klar, dass Seehofer erste Blessuren bekommt.

In der Sitzung des Verwaltungsrats wurde Bankchef Michael Kemmer, der die Vertrauensfrage gestellt hat, nicht einfach so gekippt. Er hatte sogar die Unterstützung der Belegschaft gewonnen, die am Donnerstagabend lautstark vor den vielen Kameras für den Verbleib des zum Abschuss freigegeben Vorstandschefs demonstrierten - zur besten Sendezeit.

Ärger über die Banker-Demonstration

Das war ein bisschen Räterepublik im 21. Jahrhundert. Das Volk skandierte gegen die Politik und seinen eigenen Tribun, der im Taumel unbeholfen schien. "Der Kemmer kann uns doch nicht erzählen, dass er von der Demo nichts wusste", erregt sich ein CSU-Landtagsabgeordneter: "Man hätte das doch wenigstens als interne Veranstaltung machen können."

Die Sparkassen - obwohl durch und durch von CSU-Leuten durchsetzt - hatten sich gegen die vom designierten Partei- und Landeschef geforderte Ablösung Kemmers und des übrigen Vorstands gestellt. "Diejenigen, die sich durchsetzen wollten, haben sich nicht durchgesetzt", sagte am Ende der Sitzung ein sichtlich gezeichneter Hans Schaidinger - CSU und Regensburger OB - als Vertreter der Sparkassen. Die öffentlichen Institute halten ebenfalls 50 Prozent der Anteile.

Mit anderen Worten: Horst Seehofer - die große Hoffnung nach Günther Beckstein und Erwin Huber - musste eine erste saftige Niederlage einstecken. Was blieb ihm anderes übrig, als auf die nächste Verwaltungsratssitzung bei der BayernLB am Freitagmittag zu warten?

In der CSU-Landtagsfraktion schäumt man über die Beschädigung des neuen Frontmanns: Das Verhalten sei eine "einmalige Provokation" wettert ein Abgeordneter im Gespräch mit sueddeutsche.de. Die Sparkassen würden jetzt "das Maul aufreißen", aber bei der Rettung der LB hätten sie sich nicht allzu freigiebig gezeigt.

Aus CSU-Kreisen heißt es, in der Fraktion gebe es große Zustimmung zum Plan, den gesamten sechsköpfigen BayernLB-Vorstandes zum Rücktritt zu bringen. Das sei eine Forderung der Abgeordneten gewesen, sagte ein Teilnehmer zu sueddeutsche.de. Es sei ja "nicht nur Huber alleine" schuld am Finanzdesaster der Landesbank; auch die "anderen Herrschaften" müssten Verantwortung übernehmen. Denn das Desaster "ist ja auch noch nicht zu Ende".

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