CSU-Sprecher Jürgen Fischer Die Stimme seines Herrn

Horst Seehofer präsentiert Jürgen Fischer als neuen CSU-Sprecher. Der Journalist hatte stets auffällig positiv über ihn berichtet und gilt als enger Vertrauter des Chefs. Für Seehofer dürfte diese strategische Neubesetzung nur Vorteile haben.

Von Peter Fahrenholz

Der CSU-Chef und sein erster Interpret: Horst Seehofer und Jürgen Fischer kennen sich seit Langem aus Ingolstadt.

(Foto: Ziegler)

Gerissen hat er sich vermutlich nicht um den Job. Denn freie Wochenenden wird er jetzt erstmal nicht mehr haben - jetzt, wo zwei wichtige Wahlen bevorstehen. Aber Jürgen Fischer hat genau gewusst: Wenn ihn Ministerpräsident Horst Seehofer fragt, ob er der Nachfolger des zurückgetretenen Hans Michael Strepp als CSU-Sprecher werden will, kann er nicht nein sagen.

Denn dazu steht Fischer dem CSU-Vorsitzenden viel zu nahe, auch menschlich. "Er kennt mich lange und ich ihn. Das sind beste Voraussetzungen", hat Seehofer zur Berufung seines neuen Sprechers gesagt. Nächste Woche will er Fischer in den Parteigremien präsentieren.

Mit Jürgen Fischer, 52, holt sich Seehofer, der in der CSU schon immer den Ruf eines Einzelkämpfers hatte, einen echten Vertrauten in seine Nähe. Denn Fischer war lange Jahre der Münchner Korrespondent von Seehofers Heimatzeitung, dem Ingolstädter Donaukurier.

Er schied nach der Bundestagswahl 2009 im Unfrieden vom Donaukurier - nicht, weil den Verantwortlichen seine Seehofer-Storys zu kritisch waren, sondern im Gegenteil: weil sie zu positiv waren. Eine überaus ungewöhnliche Haltung für eine Regionalzeitung. Denn normalerweise ist man dort stolz darauf, wenn es einer aus der eigenen Region ganz nach oben schafft.

Seehofer jedenfalls ließ Fischer nicht hängen, sondern holte ihn als Berater für Strategiefragen in die CSU-Zentrale. Dort arbeitete dieser eher im Hintergrund. Jetzt rückt Fischer in die erste Reihe auf. Ob sich der Kommunikationsstil der CSU dadurch ändern wird, ist eine interessante Frage. Den bisherigen Sprecher Strepp hatte der CSU-Chef noch von seinem Vorvorgänger Edmund Stoiber geerbt. Strepp leitete auch den Planungsstab in der CSU-Zentrale und galt in dieser Funktion intern als begabter strategischer Kopf.

In seiner eigentlichen Rolle war er bei Journalisten eher weniger beliebt. Er interpretierte seine Rolle oft so, als ob er als Schweiger, nicht als Sprecher verpflichtet worden wäre. Mit Fischers Verpflichtung stellt Seehofer jetzt wieder jenen Zustand her, der in der CSU eigentlich immer normal war: dass der Sprecher nicht nur politisch, sondern auch persönlich einen ganz engen Draht zum Vorsitzenden hat.

Das ist in der CSU deshalb besonders wichtig, weil die Partei keineswegs ein so monolithischer Block ist, wie sie es selber gerne von sich behauptet. Es gibt ein traditionelles Spannungsverhältnis zwischen der Münchner Landtagsfraktion und der Berliner Landesgruppe, das in der Vergangenheit immer wieder eruptiv aufgebrochen ist. Die Landtagsabgeordneten halten ihre Berliner Kollegen gerne für abgehoben und basisfern, während diese wiederum häufig die Nase über die Provinzialität der Münchner rümpfen. Ein Parteisprecher kann da leicht zwischen die Fronten geraten.

Fischer dürfte es in dieser Beziehung allerdings leichter haben als zu jenen Zeiten, als noch Edmund Stoiber und Theo Waigel ein spannungsgeladenes CSU-Spitzenduo bildeten. Seehofer hat die Partei mittlerweile so fest im Griff, wie er das zu Beginn wahrscheinlich selber nicht geglaubt hat. Und die CSU-Landesgruppe hat wohl noch nie eine politisch so unbedeutende Rolle gespielt.

Nach Guttenberg gibt es dort niemanden mehr, der den Ehrgeiz und die Stärke hat, mehr werden zu wollen. Ob es Fischer gelingen wird, zum ersten Interpreten seines Herrn zu werden und auf diese Weise dessen Gedanken in die Berichterstattung quasi einzuträufeln, ist trotz seiner Nähe zu Seehofer nicht sicher. Denn welche Gedanken den CSU-Chef umtreiben, ist selbst für enge Vertraute nur schwer einzuschätzen. Und außerdem spricht Einzelkämpfer Seehofer immer noch am liebsten für sich selbst.