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CSU-Spitzenkandidat Ferber:Seehofer: Wir haben immer den "richtigen Ton" getroffen

Dagegen hört sich CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, der es ebenfalls auf Schulz abgesehen hat, fast schon zurückhaltend an. "Die Fassade und die Person stammen zwar aus Deutschland", sagt Scheuer. Stimme und Position von Schulz würden aber den Schuldenstaaten der EU entspringen.

Als Seehofer schließlich redet, lobt er seine Partei dafür, dass sie im Wahlkampf immer den "Ton getroffen" habe. An Ferbers Attacken stört er sich nicht, "abgewogen" nennt er dessen Rede sogar. Schulz sei von Ferber "sauber beschrieben" worden, er habe ihn schließlich nicht als Menschenhändler bezeichnet.

Das Europawahlprogramm, von der CSU "Europaplan" genannt, das an diesem Samstag eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte, wird zur Formsache. "Wir wollen keinen Zentralstaat Europa", steht darin. Oder Sätze wie dieser: "Wir wollen einen Zuständigkeitsstopp für die EU". Und weil die CSU meint, Brüssel habe offenbar zu viel Zeit um zu viel zu regeln, möge bitteschön in der Zukunft ein neuer Kompetenzgerichtshof die Arbeit der EU überwachen. Die Zahl der EU-Kommissare soll halbiert werden.

Wer daran zweifelt, dass dies einmal so umgesetzt werden könnte, bekommt von Seehofer zu hören: "Das ist das Wesen unserer Politik. Es beginnt immer mit Skepsis." Am Ende werde sich die CSU durchsetzen. Reden wollen die Delegierten nicht mehr über das Programm. Es wird einstimmig beschlossen.

Seit 18 Monaten im Dauer-Wahlkampf

Zwei Wochen sind es noch bis zur Europawahl. Seehofers größte Sorge ist, dass die Anhänger am 25. Mai gar nicht erst abstimmen gehen. In der Bevölkerung spüre er große Zustimmung zu seiner Politik. "Es geht jetzt darum, ob wir das Maß an Zufriedenheit an die Urne bringen", sagt Seehofer. "Wir sind alle miteinander seit 18 Monaten im Wahlkampfeinsatz."

Nach Landtags-, Bundestags-, und Kommunalwahl ist die vierte und vorerst letzte Abstimmung zu bewältigen. In anderen Bundesländern stehen am Tag der Europawahl auch Kommunalwahlen an. Die Wähler dort dürften motivierter sein, während in Bayern alle müde sind.

Acht Europaabgeordnete - so viele wie bisher - will Seehofer wieder nach Brüssel schicken. Ein ehrgeiziges Ziel, denn die Bedingungen sind schwieriger geworden. Mit der AfD wildert Konkurrenz am konservativen Rand. Die Fünf-Prozent-Hürde ist auch gefallen.

Zumindest Spitzenkandidat Markus Ferber hat auf den letzten Metern gezeigt, dass er bereit ist, zu kämpfen - mit allen Mitteln.