Süddeutsche Zeitung

CSU-Umfragewerte:Söder macht Pause bei der Erneuerung

Das Gestern war in der CSU lange nicht mehr wohlgelitten, der dynamische Parteichef steht schließlich für das Morgen. Aber Umfragewerte zeigen knallhart die Gegenwart. Womöglich klingt der Leitantrag zum Parteitag deswegen irgendwie gestrig.

Kommentar von Andreas Glas

Am Dienstag, als das Umfrage-Desaster seinen Anfang nahm, saß Markus Söder im Antiquarium der Münchner Residenz. An einer langen Tafel, unter prächtigen Deckengemälden, vor edlem Porzellan. Der Ministerpräsident hatte zum Empfang geladen, zum Auftakt der Mobilitätsmesse IAA.

Nach dem Suppengang stand er auf, griff sich ein Mikro und sprach zu den Auto-Managern. "Es gibt welche, die hängen an den Ideen von gestern", sagte Söder, "wir präsentieren die Ideen von morgen." Ein bisschen klang das wie im Frühjahr, als er gerade den internen Kampf um die Kanzlerkandidatur der Union gegen Armin Laschet verloren hatte. Hier CSU-Chef Söder, der Erneuerer. Dort CDU-Chef Laschet, der im Gestern verharrt. Das war damals Söders Botschaft, etwa als er sagte: "Wir brauchen einen politischen New Deal statt Old School."

Inzwischen ist Herbst, und im Entwurf für ihren Leitantrag, den die CSU am Samstag beim Parteitag in Nürnberg beschließen will, findet sich das Wort "Erneuerung" nur noch ein einziges, mickriges Mal. Ein anderes Wort taucht umso öfter auf, sogar in der Überschrift: Stabilität.

Unter dem Titel "Stabilität statt Linksrutsch" listet die CSU ausführlich auf, was die Union in Deutschland und die CSU in Bayern erreicht haben - in der Vergangenheit, im Gestern. Die Botschaft, die beim Lesen hängen bleibt: Alles soll so bleiben, wie es ist. Bemerkenswert für eine Partei, deren Chef die CSU doch moderner machen will, zukunftsgewandt, attraktiver für junge Menschen.

Die dramatisch sinkenden Umfragewerte haben die Parteistrategen nun offenbar bewogen, diesen Langfristplan für die knapp drei Wochen bis zur Bundestagswahl auszusetzen. Wer den Antragsentwurf zum Parteitag liest, muss jedenfalls den Eindruck gewinnen, dass es der CSU nur noch darum geht, ihre Stammklientel einzusammeln, um wenigstens das Schlimmste zu verhindern: den Absturz der CSU unter die Fünf-Prozent-Marke bundesweit.

Am Ende seiner Rede in der Residenz hob Markus Söder sein Glas: "Auf die Zukunft!" Auch dieser Toast war an die Vertreter der Autoindustrie gerichtet, nicht an seine Partei. Symbolisch hätte das Bild des prostenden Söder aber gut gepasst zur Lage der CSU. In seinem Glas war kein Wein, sondern Cola Light.

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SZ vom 09.09.2021/infu
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