CSU Seehofer und die gekürzten Lederhosen

Die CSU kommt nicht aus dem Umfragetief - obwohl Parteichef Horst Seehofer in wenigen Monaten geschafft hat, woran seine Vorgänger gescheitert sind.

Von Birgit Kruse

Die CSU hat ein Problem. Ein Imageproblem. Nicht nur, dass seit dem Verlust der absoluten Mehrheit der Mythos der Partei massiv angekratzt ist. Jetzt bescheinigt ihr eine Untersuchung auch noch, unmodern, arrogant und verfilzt zu sein. Von dem frischen Wind, der nach dem Wahldesaster vom Herbst durch die Partei wehen sollte, ist bislang nur ein laues Lüftchen zu spüren. Vor allem junge Frauen, Konfessionslose und Großstädter fühlen sich von der CSU nicht mehr angesprochen.

Horst Seehofer: Der CSU-Chef und Ministerpräsident soll der Partei wieder zu altem Glanz verhelfen.

(Foto: Foto: ddp)

Dabei sehnten sich die Christsozialen gerade nach einer "Wendezeit". Mit dem altbewährten Motto "In Bayern ruhig regieren, in Berlin profilieren" sollte der Ingolstädter Heilsbringer die Partei möglichst rasch wieder über die magische Marke von 50 Prozent hieven.

Er kennt die Berliner Bühne seit fast 25 Jahren, als Bundestagsmitglied und Minister; weiß, wie man Strippen zieht, Positionen platziert, Mehrheiten organisiert.

Doch von der alten Größe ist die Partei derzeit noch weit entfernt - zumindest in den Umfragen. In zwei aktuellen Wählerbefragungen von Sat 1 und Infratest Dimap für den Bayerischen Rundfunk kommt die CSU derzeit auf 45 Prozent der Stimmen. Ist der ersehnte Seehofer-Effekt tatsächlich ausgeblieben? Rutscht die Partei wirklich in die regionale Bedeutungslosigkeit ab, die sie so sehr fürchtet? Wohl kaum.

Parteichef Seehofer ist in wenigen Monaten gelungen, woran vor allem sein Vorgänger Erwin Huber gescheitert ist. Er hat der CSU im Bund wieder eine Stimme gegeben, eine laute, eine polternde, eine, die gehört und ernst genommen wird. Das kommt an bei den Parteifreunden.

Seehofer sei "eine andere Gewichtsklasse" als der ehemalige Ministerpräsident Günther Beckstein und Ex-Parteichef Erwin Huber, urteilt ein Kabinettsmitglied und lobt den politischeren und strategischeren Stil des Ingolstädters.

Als ein Mann, der sich über die Parteigrenzen hinweg Gehör verschafft, beschreibt ihn ein anderer aus der Partei. Als kleine Schwester der CDU habe man auf Bundesebene nur eine Chance, ernst genommen zu werden, "wenn man verbal markant ist", betont er. "Das kann Seehofer." Sein Rezept: Anstatt die SPD zu attackieren, grenzt er sich lieber mit kontroversen Forderungen von der CDU ab - mit Erfolg.

Offen kritisiert er gar die Kanzlerin, wirft ihr Unentschlossenheit vor. Drohte Angela Merkel, eine wichtige Koalitionsrunde platzen zu lassen, wenn sie dem CSU-Drängen nach Steuersenkungen nicht nachkommt. Gegen den Willen der CDU-Vorsitzenden treibt er den Streit um die Erbschaftssteuer auf die Spitze, macht Koalitionsaussagen für die Zeit nach der Bundestagswahl, als Merkel sich noch bedeckt hält.

Im Freistaat kann derzeit vom "ruhigen Regieren" noch keine Rede sein. Vor allem irritiert seine Art, Autoritäten in der Partei offen und öffentlich in Frage zu stellen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite über Seehofers größten politischen Fehler als CSU-Chef und wie er auf ein Europawahlergebnis von unter 50 Prozent reagieren würde.

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