CSU Was Guttenberg über Söder sagt, ist "Käse"

Karl-Theodor zu Guttenberg zog in Interviews über den designierten Parteichef Markus Söder her, was in der CSU nicht so gut ankam.

(Foto: imago/IPON)

Mit dem Vorschlaghammer bricht Guttenberg in die Weihnachtsruhe der CSU ein, attackiert Ministerpräsident Söder - und erntet dafür einen Rüffel von Parteichef Seehofer. Ein Hoch auf die Harmonie!

Von Wolfgang Wittl

Markus Söder und Karl-Theodor zu Guttenberg haben in ihrer politischen Laufbahn selten Schulter an Schulter gerudert, vor sechs Jahren saßen sie allerdings unvermittelt gemeinsam in einem Boot. Es war die Weihnachtsfeier im Café Reitschule, eine Veranstaltung, die selbst in der für ihre Unterhaltsamkeit berüchtigten CSU Maßstäbe gesetzt hat. Parteichef Horst Seehofer hatte eine mittelschwere Fracht mentalen Ballasts geladen und keine Lust, sie wieder mit nach Hause zu schleppen. So attestierte er Söder "charakterliche Schwächen", "pathologischen Ehrgeiz" und "zu viele Schmutzeleien". Guttenberg kam als "Glühwürmchen" nur unwesentlich besser weg. Am Mittwochabend war wieder Weihnachtsfeier, Seehofer hat sich erneut über die beiden geäußert. Über Bord gegangen ist diesmal nur einer: Guttenberg.

Käse sei das, sagte Seehofer in Richtung Guttenberg, "alles Käse". Namentlich nannte er den früheren CSU-Generalsekretär und Bundesminister nicht, auch so wusste jeder, wer gemeint war. Er halte wenig von Vergleichen mit früheren Parteichefs, rüffelte Seehofer. Jede Zeit habe "ihre Persönlichkeiten, ihre Aufgaben, ihren Stil". Die CSU stehe geordnet da, "daran ändern auch irgendwelche Interviews nichts". Interviews, wie der politische Exilant Guttenberg sie zielsicher in Österreich und Deutschland abgesetzt hat.

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Erst am Montag hatte der CSU-Vorstand den bayerischen Ministerpräsidenten einstimmig zum einzigen Kandidaten für den Parteivorsitz nominiert, am 19. Januar soll Söder seinen Vorgänger Seehofer auch in diesem Amt ablösen. Was Guttenberg nicht daran hinderte, mit dem Vorschlaghammer in die Weihnachtsruhe der CSU einzubrechen. An das Format eines Franz Josef Strauß oder Theo Waigel reiche Söder bislang nicht heran, diktierte Guttenberg der FAZ. Die CSU müsse sich vergewissern, wie tragfähig diese Lösung auf Dauer sei und inwieweit sich der neue Vorsitzende für diese große Aufgabe eigne. Und dass es nicht reiche, beim Thema Migration "mit einer plumpen Rhetorik zu arbeiten". Söder müsse noch zulegen, wolle er die CSU nicht zu einer Regionalpartei machen, mahnte Guttenberg.

Völlig allein steht Guttenberg mit seiner These nicht. Söder dürfe sich nicht zu sehr auf Bayern konzentrieren, fordert etwa Siemens-Chef Joe Kaeser. Wenn die CSU einen bundespolitischen Anspruch habe, müsse es "Deutschland first" heißen und nicht "Bavaria first", sagte Kaeser der Augsburger Allgemeinen. Söder lebe für sein Bundesland. Das mache es schwierig, die überregionale Ebene zu berücksichtigen - siehe Flüchtlingsdebatte.

In der CSU hingegen will niemand Guttenberg beispringen. Wer sich offen äußerte, tat dies mit einem klaren Bekenntnis zu Söder. Er rate jedem, der über andere urteile, "erst einmal seine eigene Biografie zu durchleuchten, ob die dann geeignet ist, auf andere mit dem Finger zu zeigen oder gar solche Worte zu wählen", sagte Finanzminister Albert Füracker im Bayerischen Fernsehen in Anspielung auf Guttenbergs abgeschriebene Doktorarbeit. Der frühere Parteichef Erwin Huber kanzelte Guttenbergs Beitrag als "indiskutabel" und "unqualifiziert" ab. Die CSU habe nach schwieriger Zeit ihren inneren Frieden gefunden. Den dürfe keiner stören, der daran nicht mitgewirkt habe.

Huber und Seehofer waren nicht immer einer Meinung, in diesem Fall schon. Wie ernst es Seehofer ist, die frisch verordnete Harmonie zu wahren, demonstrierte er am Mittwochabend. Söder sei in dieser Situation "der Beste" für die CSU. Er hätte ihn wohl kaum für seine Nachfolge vorgeschlagen, wenn er nicht "aus vollem Herzen" überzeugt sei. Nun, so friedlich kann Weihnachten sein.

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