CSU-Politiker Norbert Geis Abschied eines Besserwissers

Für Journalisten ist Norbert Geis oft die letzte Rettung: Wenn wirklich niemand mehr in der CSU ein gesellschaftspolitisches Sprüchlein aus dem späten Mittelalter raushauen will, wählen sie einfach die Nummer des Abgeordneten. Doch damit ist jetzt Schluss, seine Partei hat ihn abgesägt.

Von Olaf Przybilla

Als es im Februar darum ging, ob der Bundespräsident mit seiner Partnerin auch verheiratet sein muss, schlug wieder einmal die große Stunde des CSU-Bundestagsabgeordneten Norbert Geis. Ein Mann, ein bisschen so wie der CSU-Bundestagsabgeordnete Max Froschhammer: Man weiß nicht so recht, was genau dessen Funktion ist, ob der Mann eigentlich irgendwie wichtig ist, aber jeder kennt ihn, also wird er schon irgendwie wichtig sein. Wobei der Unterschied zwischen Geis und Froschhammer der ist, dass es Froschhammer nicht gibt, respektive nur als fiktives CSU-Faktotum im Bayerischen Fernsehen. Geis aber gibt es, und man hat den Eindruck: gab es schon immer.

Norbert Geis (Archivbild) hatte immer einen Spruch parat, der es garantiert in die Tagesthemen geschafft hat.

(Foto: DPA)

Der Aufgabenbereich von Geis ist in der CSU ein besonderer, und würde man für ihn ein Ressort zuschneiden müssen, es müsste wohl "Ministerium für alles, was selbst in der CSU keiner mehr hören, geschweige denn sagen will" heißen. Wenn wirklich niemand mehr in der CSU ein gesellschaftspolitisches Sprüchlein aus dem späten Mittelalter raushauen will, greifen Journalisten zur bewährten Nummer des Abgeordneten Norbert Geis.

Lieferant für "Seppl-Beiträge aus Bayern"

Der sagt immer was, das es zuverlässig in die Tagesthemen schafft, gerne auch unter der hanseatischen Rubrik "Seppl-Beiträge aus Bayern" - auch wenn Geis aus einem Dorf bei Aschaffenburg stammt. Und so legte der CSU-Bundestagsabgeordnete Max Frosch, nein, Norbert Geis dem Bundespräsidenten natürlich die Hochzeit nahe. Nicht etwa, dass ihn das etwas anginge. Aber man wird ja wohl etwas empfehlen dürfen.

Warum auch immer: Richtig krumm hat dem 73-jährigen Geis seine wertvollen Empfehlungen zuletzt kaum mehr einer genommen. Möglicherweise war das der Grund, warum er sich berufen fühlte, noch einmal anzutreten als Abgeordneter seines Wahlkreises in Aschaffenburg.

Die Zeiten aber ändern sich: Hätte die CSU sich früher niemals getraut, einem der, nun ja, profiliertesten Konservativen des Landes einen Wunsch abzuschlagen - trat diesmal nicht nur ein Mitbewerber an, sondern es waren gleich deren drei. Nach einer Kampfabstimmung geht für die CSU eine Frau ins Rennen, die 42-jährige Andrea Lindholz. Die Rolle des Froschhammers werden künftig andere übernehmen müssen in der CSU.