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CSU-Parteitag:Seehofer muss aufbauen, was er selbst zerstört hat

Horst Seehofer; CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident

Eine versöhnliche Rede am Freitag und ein paar kurze Sätze am Samstag: Ministerpräsident Horst Seehofer stand als CSU-Chef gleich zweimal am Rednerpult.

(Foto: AFP)

Um den Graben zur CDU zu schließen, muss Bayerns Ministerpräsident zunächst die CSU einen. Es wird schwer für ihn, mit Merkel Seite an Seite für gemeinsame Politik zu werben - und dabei glaubwürdig zu bleiben.

Horst Seehofer kommt in seiner Rede auf dem CSU-Parteitag zwar bei den Namen der CSU-Generalsekretäre durcheinander, seine Partei aber scheint er zu kennen. Die Stimmung der CSU-Basis hat er richtig eingeschätzt. Noch immer tut sich ein Teil von ihr schwer, sich hinter einen Wahlkampf mit Kanzlerin Angela Merkel zu stellen. Daran ist Seehofer mit seinem Schimpfen und Wettern gegen die Kanzlerin selbst schuld.

Eine Eskalation aber auf offener Bühne, eisige Stimmung oder Pfiffe aus der CSU-Basis für die Kanzlerin, wären fatal für ihn gewesen. Sie hätten seinen für einige unverständlichen Versöhnungskurs mit der Kanzlerin torpediert. Die Kanzlerin zum ersten Mal in ihrer Amtszeit nicht zum CSU-Parteitag einzuladen, ist zwar ein Zeichen für den tiefen Graben zwischen CDU und CSU, aber auch ein Weg, um ihn wieder zu schließen. Dazu muss Seehofer aber erst seine eigene Partei einen.

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Das versuchte er durch eine ernsthafte, ruhige Rede, er versorgte Merkelunterstützer und Merkelkritiker in gleichen Teilen mit für sie wohltuenden Worten. Sein Ziel, jeden Krawall zu vermeiden, hat er erreicht, wenn auch mit der Nebenwirkung, einige Teile im Saal in Tiefschlaf versetzt zu haben. Seehofer warb zwar dafür, mit Siegeswillen in den Wahlkampf zu gehen. Wenn die Worte aber nicht durch ein starkes Gefühl bestärkt werden, verhallen sie ohne Wirkung.

Dabei wird der kommende Bundestagswahlkampf einer der schwierigsten für die CSU werden. Auch wenn Seehofer es sich anders wünscht, der Spalt in seiner Partei zieht sich durch die ganze Gesellschaft und wird so schnell nicht verschwinden. Es wird schwer werden für Seehofer, Seite an Seite mit Merkel für eine gemeinsame Politik zu werben und dabei glaubwürdig zu bleiben. Einige Wähler würden sich schwer tun, ihm so einen Auftritt abzunehmen.

Denkbar ist deshalb eine Arbeitsteilung, in der Seehofer in ganz Deutschland rechtskonservative Wähler anspricht und Merkel in Bayern versucht, die moderaten, christlich geprägten CSU-Wähler für sich zu gewinnen. Am Ende wissen die Menschen aber auch, dass sie mit Seehofer immer auch Merkel wählen und umgekehrt.

Seehofer selbst hat eifrig daran gearbeitet, dass er und Merkel als Gegenpole wahrgenommen werden, nicht als zwei Seiten einer Medaille. Er wird deshalb damit rechnen müssen, dass die CSU mit einer Annäherung an Merkel Wähler verliert, genau wie sie mit ihren harten Worten in der Flüchtlingspolitik christliche Wähler verprellt hat.

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