CSU-Parteitag in München:Er ist nicht auf den Applaus aus

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Seehofer ist der Dirigent dieser zufriedenen Selbstbeschau. Er will nicht aggressiv wirken. Er will nicht wirken, als müsse er kämpfen. Er will sich vielmehr als der präsentieren, "der Bayern stark gemacht hat". "Bayern zuerst!" Und: "Wir schauen heute auf ein blühendes Bayern." Auch jetzt: Seehofer kommt nicht in Gefahr, heute seine Stimme zu verlieren. Manchmal säuselt er fast. Deshalb bleibt es dabei: Die Partei liebt ihn auch nach diesem Parteitag nicht. Aber sie respektiert ihn und folgt ihm. Nach München 2012 wahrscheinlich noch mehr denn je.

CSU-Parteitag 2012

CSU-Parteichef Horst Seehofer gibt sich in München vergleichsweise entspannt.

(Foto: dpa)

Den größten Szenenapplaus bekommt Seehofer, als er über die christliche Tradition Bayerns spricht. "Mit mir wird es keine islamischen Feiertage geben!", ruft er und spielt damit auf einen Vorschlag an, den die FDP-Landesvorsitzende und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in einem Süddeutsche.de-Interview gemacht hatte. Aber auch die Liberale erwähnt er nicht namentlich, Seehofer schaltet wieder sofort in den Modus des Geschichtenerzählers.

"Wahlkampf können wir auch noch im August nächsten Jahres führen, das werden wir auch sehr gut tun. Aber jetzt müssen wir für das Land arbeiten", setzt Seehofer sofort wieder auf Bedächtigkeit. "Die Leute haben kein Verständnis für einen Wahlkampf, der ein ganzes Jahr geführt wird." Für ihn zähle die Macht der Argumente, für die anderen nur die Macht. Außerdem, das verrät Seehofer nach der Rede, habe er noch keine Strategie, keine Idee von seinen bayerischen Herausforderern gehört. "Wenn sie mir eine nennen, dann gehe ich sofort wieder rauf auf die Bühne!" Ob er sich die Rede von Ude, die dieser morgen in Nürnberg halten will, anschaut? "Auf gar keinen Fall." Seehofer vermittelt den Eindruck, dass er seinen bayerischen Herausforderer nicht ernst nimmt. Auf Bundesebene kennt er ein anderes SPD-Kaliber: "Der Steinbrück, darüber müssen wir reden."

Am Ende eines fast 90-minütigen Auftritts schwitzt der CSU-Parteichef kaum. Ein paar Tropfen zeichnen sich am Hemdrand ab. Seehofer ist nicht in den Nahkampf gegangen. Er verteidigt, gibt den Bewahrer. Und macht einen Rückgriff auf die Gleichung: Freistaat = CSU = Freistaat: "Wer Bayern liebt, der muss für die CSU sein."

Diese Haltung birgt auch Risiken. Solche Sätze klingen arrogant, überheblich. Sie klingen nicht so, als wäre die CSU so nah am "kleinen Mann", von dem Seehofer fast so oft spricht wie von Angela Merkel. Denn natürlich: Auch Seehofer weiß um die Gefahr. 2Wir müssen am Boden bleiben", sagt er deshalb immer wieder. Nur nicht abheben, jetzt, wo alles so rosig aussieht.

CSU-Veteran Alois Glück resümiert am Ende jedenfalls zufrieden: "Seehofer strahlt aus, dass wir zufrieden mit der Lage sein können, aber eben nicht selbstzufrieden." Und: "Eine Rede vom Edmund wäre ganz anders gewesen, aber Horst Seehofer hat es bewusst nicht auf den Schlussapplaus angelegt."

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