CSU-Parteitag in München:Jetzt bloß die Bodenhaftung bewahren

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CSU-Parteitag

CSU-Parteitag Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer geht am 23.11.2013 in München (Bayern) beim Parteitag der CSU über die Bühne. Foto: Tobias Hase/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

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Spricht Seehofer für das Volk? Nein, der bayerische Ministerpräsident glaubt, das Volk spricht durch ihn. Mit dieser Taktik hat er es in der CSU zum unumstrittenen Alleinherrscher gebracht. Doch es besteht die Gefahr, dass Seehofer seine Partei überfordert.

Ein Kommentar von Sebastian Gierke

Der Parteitag der CSU war ein Triumph für Horst Seehofer. Weil er extrem langweilig war. Diskussionen? Gar Kontroversen? Gibt es im Reich des Horst Seehofers nicht.

Wie denn auch? Wer Seehofer widerspricht, der widerspricht ja nicht nur dem Chef der CSU. Nein, wer Seehofer widerspricht, der widerspricht dem gesamten Bayernvolk. So jedenfalls sieht das der Ministerpräsident. Seehofer versucht nicht nur den Eindruck zu erwecken, dass er für die Leute spricht. Nein, Seehofer will, dass man glaubt, die Leute sprächen durch ihn.

Mit dieser Taktik hat er gerade zwei große Wahlsiege für die Christsozialen errungen. Und jetzt hat er dafür die Belohnung bekommen: Als Parteichef wiedergewählt mit 95,3 Prozent, für Seehofer das beste Ergebnis, das er je erhalten hat. Er ist damit vorgedrungen in die Sphären von Parteiikonen wie Franz Josef Strauß oder Edmund Stoiber.

Seehofers Ego ist ausgeprägt

Vielleicht hat Seehofer ja Hannah Arendt gelesen. Die Philosophin schrieb: "Alle politischen Institutionen sind Manifestationen von Macht; sie erstarren und verfallen, sobald die lebendige Macht des Volkes nicht mehr hinter ihnen steht und sie stützt." Macht gründet, so gesehen, in gemeinschaftlicher Fürsorge für die Welt, nicht in dem Bedürfnis nach ständiger Egoerweiterung.

Doch an diesem Punkt wird es im Fall Seehofer kompliziert. Denn sein Ego ist durchaus ausgeprägt. In innerparteilichen Machtkämpfen haben das Kontrahenten oder solche, die Seehofer als möglicherweise problematisch für seinen zukünftigen Erfolg identifizierte, auf brutale Art und Weise zu spüren bekommen. Sein Führungsstil ist berüchtigt, schwankt zwischen Absolutismus und Kontrolle durch Spott.

Seehofer beschreibt die CSU trotzdem gerne als große Familie. In Zeiten wie diesen, kurz nach einer gewonnen Wahl, lässt sich dieser Schein nach außen auch wahren. Trotzdem gilt weiter der unumstößliche Grundsatz: In einer Partei ist sich jeder selbst der Nächste. Bei den Berliner Koalitionsverhandlungen haben das Innenminister Hans-Peter Friedrich und Verkehrsminister Peter Ramsauer zu spüren bekommen, Seehofer ließ sie einige Male auflaufen. Gemeinschaftliche Fürsorge? Egoerweiterung!

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