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CSU-Parteitag:Für Seehofer fällt der Watschnbaum um

CSU Holds Party Congress

CSU-Chef Horst Seehofer verlässt die Bühne auf dem Parteitag in München.

(Foto: Getty Images)

Bei der Wahl zum Parteivorsitzenden fährt Horst Seehofer das schlechteste Ergebnis seiner Amtszeit ein. Woran liegt das? Der CSU-Chef macht ominöse Andeutungen.

Vielleicht hat Horst Seehofer in den vergangenen Tagen zu wenig Medienberichte gelesen, sonst hätte er den Witz wohl weggelassen. Zu Beginn seiner 90-minütigen Rede auf dem CSU-Parteitag zitiert er aus Presseberichten, die sein Scheitern prophezeit haben - vor vielen Jahren. Er werde niemals zum Ministerpräsidenten gewählt werden, ist das Fazit eines Artikels. Ein anderer erklärt, warum er - dann schon als Ministerpräsident - gewiss bald untergehen werde. Süffisant fragt Seehofer den Saal, ob es etwa ein schlechtes Zeichen sei, wenn er diesmal nichts dergleichen über sich gelesen habe.

Untergegangen ist der bayerische Ministerpräsident freilich auch diesmal nicht, aber die Ohrfeige der Delegierten dürfte er noch eine Weile spüren. 87,2 Prozent der Stimmen erhält er bei seiner Wiederwahl zum CSU-Chef. An sich kein schlechtes Ergebnis, aber das schlechteste für Seehofer, seit er das Amt 2008 angetreten hat. Vor zwei Jahren waren es noch 95,3 Prozent. Woran das liegt? Sicher nicht an seiner Rede, die sogar Finanzminister Markus Söder als "menschlich und versöhnlich" bezeichnet und der es zugleich nicht an den gewohnt kämpferischen Parolen mangelte. Der Dämpfer hat mehrere Gründe.

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Die CSU müsse in die CDU hineinwirken, findet Seehofer

Im Streit um die Flüchtlingspolitik steht der CSU-Chef zwar grundsätzlich gut da. Er vertritt die bayerischen Ansprüche auf Bundesebene in bester CSU-Manier: laut bis polternd und stur. Am Freitagabend hatte er Kanzlerin Angela Merkel auf offener Bühne düpiert und ihr oberlehrerhaft erklärt, warum die CSU weiter auf eine Obergrenze für Flüchtlinge bestehen werde, auch wenn die CDU nicht einlenke. Dann müsse die CSU eben in die Schwesterpartei "hineinwirken", gibt sich Seehofer an diesem Samstag kämpferisch.

Die Berliner Koalitionspartner nehmen den Auftritt nicht so gelassen hin, der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok nennt ihn "unhöflich, ungehörig und nicht erträglich" und SPD-Vize Ralf Stegner schimpft, die CSU "führt sich auf wie eine Horde Halbstarker." Vielen CSU-Frauen und auch so manchen Männern dürfte das Gepolter an dieser Stelle auch zu viel gewesen sein - souverän war Seehofers Auftritt am Freitagabend während Merkels Besuch jedenfalls nicht.

Auch bei der Debatte um die dritte Startbahn am Münchner Flughafen sorgt Seehofers Haltung parteiintern für Zoff. Bei seinem Besuch in der Gemeinde Attaching machte der Ministerpräsident den Bürgern Hoffnung, obwohl die Politik der CSU in den vergangenen Jahren eine ganz andere war. Vor wenigen Tagen erst hat Seehofer über einen möglichen Sonderparteitag zu dem Thema gesprochen, womöglich, um die Partei gegen die Landtagsfraktion in Stellung zu bringen. Zu groß ist Seehofers Sorge, er könne eine Entscheidung gegen das Volk treffen. Dabei gibt sich die CSU gern als Partei der kleinen Leute, auch der Ministerpräsident betonte das am Samstag länglich - getreu dem Parteislogan "Näher am Menschen".

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Das andere große Streitthema ist sein Umgang mit Markus Söder. Dass der Ministerpräsident seinen Finanzminister wegen dessen unpassenden Äußerungen nach den Pariser Terroranschlägen nicht nur zurückgepfiffen, sondern auch noch in einem Interview mit dem Donaukurier öffentlich rüffelte, nahmen ihm viele Parteimitglieder übel - auch wenn sie Seehofers manchmal rüden Umgang mittlerweile gewöhnt sein dürften. Da helfen ihm auch seine versöhnlichen Worte auf dem Parteitag nicht mehr viel. "Ich mache Fehler, Markus Söder macht Fehler. Ich geb' sie zu - machmal. Markus Söder gibt sie zu - neuerdings", sagt Seehofer und löst damit ein paar Lacher vor allem aber lang anhaltenden Applaus aus. Ihre Stimme geben ihm viele Delegierte bei der Wahl zum Parteivorsitzenden trotzdem nicht.

Zumindest nach außen trägt Seehofer das mit Gelassenheit - seinem Alter und seiner Erfahrung sei Dank, wie er in letzter Zeit häufig betont. Ein paar ominöse Anmerkungen kann er sich nach der Schlappe aber nicht verkneifen. "Es ist manchmal so, dass auf Parteitagen etwas organisiert wird", schwadroniert der 66-Jährige vor Journalisten ohne weitere Erklärungen. Wen er damit meint, lässt er offen. Söder jedenfalls will vor der Abstimmung noch für Geschlossenheit in der Partei geworben haben, der Möchtegernnachfolger möchte zumindest diesmal nicht den Grant des Chefs auf sich ziehen.

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