bedeckt München 21°
vgwortpixel

CSU nach Verwandtenaffäre:Leica-König mit neuer Mission

Alexander König war mal CSU-Fraktionsvize - dann kaufte er sich eine 6000-Euro-Kamera. Nun präsentiert sich der Leica-Mann in einem Interview als moralisches Gewissen des Landtags. Ein passenderes Ehrenamt hätte sich der Hofer Abgeordnete gar nicht suchen können.

Alexander König, CSU

Alexander König hat seiner Heimatzeitung ein Interview gegeben.

Beinahe wäre es still geworden um Alexander König, und das wäre zweifelsohne ein Verlust. König, man erinnert sich, ist der Abgeordnete aus Hof, der mal das zweithöchste Amt in der CSU-Fraktion innehatte. Was bedauerlicherweise nicht so sehr in Erinnerung geblieben ist wie seine betörenden Technikkenntnisse und seine karitative Art, die Wirtschaft anzukurbeln - und nicht nur die oberfränkische.

König, das ist der Volksvertreter, der weder Kosten noch Mühen scheuend aufgedeckt hat, dass billige Digitalkameras großer Mist sein können. Und der deshalb selbstlos zugegriffen hatte,als er witterte, dass eine 6000-Euro-Leica-Kamera als mandatsbedingte Kommunikationseinrichtung nicht nur ihn, sondern insbesondere das nach Abgeordnetenfotos lechzende Wahlvolk weiterbringen könnten.

Dank, tja, wurde ihm dafür nicht zuteil. Vielmehr machte das böse Wort von der Balla-Balla-Leica die Runde und sein Amt als CSU-Fraktionsvize ist König auch los. Aber auch als einfacher Abgeordneter kann man natürlich noch das eine oder andere Blitzlicht setzen. Und das ist König nun schon kurz nach der Degradierung trefflich gelungen. Und zwar mit einer Art Wutrede, die als Interview in seiner Heimatzeitung erschienen ist.

Höchstrangige CSU-ler, so hat es König beobachtet, hätten seine Heimat und einen unbedarften Kollegen in ein "auch menschlich fragwürdiges Desaster laufen" lassen. Und zwar, als man einen jungen Oberfranken gegen Erwin Huber ins Rennen getrieben habe um den Posten als CSU-Wirtschaftssprecher. Und diesen jungen Oberfranken dann als demoralisierten Verlierer aus diesem Wettstreit hervorgehen ließ.

König selbst hat ebenfalls keinen Posten abbekommen, obwohl er - wie er nebenbei einfließen lässt - sich "über Jahre für den Laden den Hintern aufgerissen" habe. Und an der Sonne in dem besagten Laden fänden sich nun diejenigen wieder, die sich "um ihre Karriere kümmern" und immer schön brav das machen, "was die Obrigkeit will". Während die anderen, also er, "kämpfen und dafür auch Nachteile in Kauf" nähmen.

Fabelhaft: Der Leica-Mann als moralisches Gewissen des Landtags - ein passenderes Ehrenamt hätte sich der Abgeordnete König gar nicht suchen können.

© SZ vom 28.10.2013
Zur SZ-Startseite