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CSU-Klausur in Kloster Banz:Kurzbesuch vom Superstar

Horst Seehofer begrüßt "den Größten aller Zeiten": Verteidigungsminister Guttenberg erweist der CSU-Klausur in Kloster Banz die Ehre. Die Abgeordneten erliegen ihm reihenweise. Sogar seine Gegner.

Katja Auer

Horst Seehofer redet gerade vom Bayernkurier, seiner Parteizeitung, deren Abschaffung aus Kostengründen er nicht ausschließt. Doch das will jetzt keiner mehr hören. Hinter ihm ist Karl-Theodor zu Guttenberg aus der Klostertür getreten. "Ich begrüße den Größten aller Zeiten", sagt Seehofer und schüttelt ihm kräftig die Hand. Müsse er ja machen, sagt er, "sonst glauben die wieder, da ist was zwischen uns". Irgendwann, da sind sich viele sicher in der CSU, wird Guttenberg Seehofer als Parteichef beerben. Alleine der Zeitpunkt sei die Frage. Und es gibt welche, die hoffen, dass es nicht mehr allzu lange dauert. Populärer kann einer kaum sein: Noch nie führte vor ihm ein CSU-Mann die Liste der beliebtesten Politiker an.

CSU-Fraktion - Herbstklausur

"Herrlich ist es hier": Der beliebteste Politiker Deutschlands, Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, erweist der CSU-Klausur in Kloster Banz die Ehre. Ministerpräsident Horst Seehofer und Landtagsfraktionschef Georg Schmid empfangen ihn freundlich.

(Foto: dpa)

Seehofer setzt sich Guttenbergs Strahlkraft nicht aus, er räumt die Treppe von Kloster Banz. Oberfranken ist Guttenbergs Heimat, wenn man das sagen kann von einem, der in Oberbayern aufgewachsen ist, in Berlin residiert und den sie in der CSU für seine Weltläufigkeit bewundern. Aber das Dorf, das den Namen seiner Familie trägt, liegt eben doch in Oberfranken. Beim Geplänkel mit Fraktionschef Georg Schmid lässt Guttenberg den Blick ein wenig schweifen über die schon herbstlich gefärbten Wälder hinter Banz. "Herrlich ist es hier", sagt er.

Die Abgeordneten sind sehr angetan vom Kurzauftritt des CSU-Superstars. Eigentlich war er zunächst nicht eingeplant im Klausurprogramm der Landtagsfraktion, dann kam er doch, eine Viertelstunde zu spät, und sprach über die Reform der Bundeswehr. Und wie es nicht anders zu erwarten war, erliegen sie ihm der Reihe nach. Sogar die, die dagegen sind, die Wehrpflicht auszusetzen, loben seine Rede.

Josef Zellmeier zum Beispiel, Abgeordneter aus Niederbayern. Der würde dagegen stimmen und glaubt trotzdem, dass die CSU Guttenberg folgen wird. "Bei jedem anderen wäre es schwieriger", sagt er. Große Gegenreden gibt es nicht, die Standortfrage allerdings bewegt die Abgeordneten. Aber auch da findet Guttenberg tröstende Worte. Die Bundeswehr soll weiter in der Fläche präsent sein. "Es gibt viele Gründe, die dafür sprechen", sagt er. Nur ein paar Großstandorte, das werde es mit ihm nicht geben.

Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich ist von der Zustimmung zu Guttenbergs Rede wenig überrascht. Er kennt das schon. Einen glänzenden Vortrag habe Guttenberg gehalten, sagt Friedrich, "natürlich", und "alle Bedenken aufgenommen, die jemals geäußert worden sind". Seehofer verspricht Unterstützung für die Kommunen. "Es ist wichtig, dass wir bei solchen Struktureinbrüchen die Menschen nicht alleine lassen", sagt er. Er werde mit der Kanzlerin reden, damit ein gemeinsames Bund-Länder-Programm aufgelegt werde, um eventuelle Standortschließungen auszugleichen.

"Jetzt wird regiert", sagt Seehofer, noch bevor ihm Guttenberg die Show stiehlt. Das soll eine seiner Botschaften aus Banz sein. Dass harte Zeiten bevorstehen, aber er sie bewältigen kann. "Das, was in den nächsten Monaten zu entscheiden ist, übersteigt alles, was ich bisher erlebt habe", sagt er mit Verweis auf seine 30-jährige Politikkarriere. Er hat sich angestrengt in Banz, und es ist nicht schlecht gelaufen. Hochzufrieden sei er, sagt Seehofer, dabei fahre man in der Regel mit gemischten Gefühlen zu einer Klausur. "Die haben ja manchmal eigene Entwicklungsprozesse."

Zur Erinnerung: Es war eine Klausur, allerdings in Kreuth, als die Landtagsfraktion Edmund Stoiber demontierte. Nach Revolution jedoch stand in Banz keinem der Sinn. Die Fraktion beschloss, dass es keine Neuverschuldung geben soll und dass die Minister gefälligst Sparvorschläge zu machen haben. Keine Grausamkeiten soll es geben, versprachen Seehofer und Finanzminister Georg Fahrenschon, und keine Kürzung mit dem Rasenmäher. Damit machten sie es den Abgeordneten etwas leichter, den Plänen zuzustimmen. Dass er trotzdem keine Begeisterungsstürme erwarten darf, weiß Fahrenschon und übt sich im Galgenhumor: "Wenn der Finanzminister einen Freund haben will, soll er sich einen Hund kaufen."

Nur Fraktionschef Georg Schmid gerät ein bisschen ins Schwärmen und attestiert den eigenen Beschlüssen "Strahlkraft". Das würde Guttenberg freilich nicht sagen. Der strahlt von selbst und übt sich in Demut, wie man es von ihm gewohnt ist. Ob er die CSU jetzt in der Tasche habe, wird er gefragt. Aber bitte. Es gehe um grundlegende Fragestellungen. "Da gehört es sich schlichterwegs", für Diskussionen zur Verfügung zu stehen.

© SZ vom 24.09.2010/hai

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