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CSU-Klausur:"Die bayerische Welt ist in Ordnung"

CSU-Fraktion - Herbstklausur

Auf der CSU-Klausur kommt auch die Frage nach Seehofers Nachfolge wieder auf.

(Foto: Ebener/dpa)

Zum Abschluss der CSU-Klausur in Kloster Banz preist Horst Seehofer die Gymnasialreform an, kokettiert mit der Unabhängigkeit Bayerns - und schlägt Kandidaten für seine Nachfolge vor.

In Horst Seehofers Sprachwelt gibt es zum Abschluss der Klausur von Kloster Banz eine besondere Form der Steigerung: Gut. Super. Und "supersuper". Der Ministerpräsident führt dieses Begriffstrio ein, als er nach vier Tagen der Klosterdebatten Bilanz zieht, er will damit eigentlich dem Eindruck entgegenwirken, dass er das Wirken der eigenen Partei immer im höchsten Superlativ lobt. Doch der Verzicht auf maximales Eigenlob, er fällt nicht so leicht, wenn man Horst Seehofer ist. "Das war eine gute Klausur, die bayerische Welt ist in Ordnung", sagt Seehofer in kraftvollem Tonfall. Alles super, wenn nicht supersuper.

Am Ende ist noch einmal viel von der Gymnasialreform die Rede, die die Fraktion in Banz mit einem Beschluss zur Teilausweitung der Schule auf neun Jahre beendet hat. Aber Seehofer hat in einer Grundsatzrede an die Fraktion noch mehr im Sinn, wie er im Anschluss verkündet. Er breitet aus, was er schon beim Klausurauftakt als "Themenherbst" angekündigt hat. Die CSU werde sich in den nächsten Monaten stark mit der unsicherer gewordenen weltpolitischen Lage befassen sowie mit "mehr Eigenstaatlichkeit" für Bayern. "Die Bevölkerung will überall ihre Dinge selbst regeln und nicht geregelt haben."

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Seehofer meint damit sowohl Brüssel als auch Berlin, er bezieht darin auch die von ihm ungeliebten neuen Stromtrassen durch Bayern für die Energiewende ein. Seehofer kokettiert sogar mit der Abspaltung vom Mutterland, wie es die Schotten probiert hatten. "Im Moment würde ich nicht von der Unabhängigkeit reden." Und später? "Machma mal den ersten Schritt", sagt er. Und schließlich will er sich stark mit Finanzkonzepten befassen. Für den Abbau der kalten Progression werde es eine Initiative zum 1. Januar 2017 geben. Außerdem bleibe die Neuordnung des Länderfinanzausgleichs auf der Tagesordnung. "Wir werden sehr viel Arbeit haben im Herbst und im Winter", sagt Seehofer. Am Ende soll dann alles super werden oder mindestens gut.

"Warten Sie doch mal ab, bis sich die Nachfolgefrage stellt"

Seehofer will die gute Superstimmung auch nicht dadurch stören lassen, dass, wie immer bei Klausuren, auch über seine eigene Nachfolge geredet wird. Das wird unter anderem dadurch angeheizt, dass der Europapolitiker Manfred Weber in Banz einen Auftritt hatte, den Seehofer schlicht super fand. "Er hat eine der besten Reden gehalten, die ich seit langem gehört habe." Prompt bekommt Weber intern einen schönen Platz in der ewigen Liste der möglichen Nachfolger. Seehofer und Fraktionschef Thomas Kreuzer halten den Medien vor, sich mit solchen Fragen vor der Zeit zu beschäftigen. "Jetzt warten Sie doch mal ab, bis sich die Nachfolgefrage stellt", sagt Seehofer. "Mindestens drei Jahre" werde dies noch dauern.

Mindestens? Seehofer, der zum Jahreswechsel angekündigt hatte, zwei Jahre lang gar nichts mehr zu dieser Frage zu sagen, treibt sein altes Spiel: alle Spekulationen so lange wortreich ins Reich der Phantasie zu verweisen, bis sie aufs Schönste neu befeuert sind. So nennt er auf Nachfrage eine lange Liste infrage kommender Namen, von denen einige noch nie auftauchten: die Europapolitikerinnen Angelika Niebler und Monika Hohlmeier, Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt, ihren Geschäftsführer Max Straubinger, alle drei CSU-Bundesminister. Dazu Kreuzer, nicht aber die Daueraspiranten Markus Söder und Ilse Aigner.

"Ich denke überhaupt nicht an das, was Sie denken"

Mit einer distanzierenden Äußerung gegenüber beiden ("Es wird keiner von denen") hatte zuvor schon Kreuzer für Aufsehen gesorgt. In der Fraktion fanden das manche "cool", am Donnerstag relativierte Kreuzer es trotzdem. "Vielleicht" werde es so kommen, habe er gesagt und nur deutlich machen wollen, dass "die CSU sich glücklich schätzen kann, dass sie mehrere Kandidaten hat".

Bei Seehofers Rede in der Fraktion fällt jedenfalls einigen auf, dass er Aigner besonders hervorgehoben und Söder dagegen kein einziges Mal beim Namen genannt habe - und dafür einige Nadelstiche gegen Söder setzt. Wer zu hohe Erwartungen in Finanzfragen wie dem Länderfinanzausgleich oder bei Steuern wecke, gefährde die Solidität, warnt Seehofer auf Söder gemünzt laut Teilnehmern. Den Journalisten sagt Seehofer, ihre Spekulationen hätten bestenfalls Unterhaltungswert: "Ich denke überhaupt nicht an das, was Sie denken, oder das, was Sie denken, dass wir denken."