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CSU-Kandidatenliste für Bundestagswahl:Zwischen Harmonie und Zweikampf

CSU stellt Bundestagsliste auf

Kurz vor der Kampfabstimmung: Die Vorsitzende der Jungen Union, Katrin Albsteiger, unterhält sich mit Journalisten.

(Foto: dpa)

Premiere bei der CSU: Mit Gerda Hasselfeldt zieht die Partei erstmals mit einer Frau an der Spitze in den Wahlkampf. Und eine Kampfabstimmung zwischen zwei weiteren Kandidatinnen endet mit einem Erfolg für den Parteinachwuchs.

Der Chef sieht keine Spur von Wechselstimmung, "weder in Deutschland noch in Bayern weit und breit eine Spur." Auf einer Delegiertenversammlung in München gibt sich der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer optimistisch und teilt ordentlich aus. Leihstimmen für die FDP? Nein danke. Die CSU werde um jede Stimme und die größtmögliche Zustimmung kämpfen. Jeder Koalitionspartner müsse nach sich selbst schauen. Um seine eigene Partei macht sich Seehofer aber offenbar nicht allzu viele Sorgen, sondern gibt sich ganz unbescheiden: "Wir haben eine großartige Chance auf der Basis von großartigen Leistungen." In den Ohren der Parteimitglieder klingt das sicherlich schön, doch womöglich will ihr bestens gelaunter Chef mit seinen Sprüchen nicht nur Mut machen, sondern auch Wogen glätten.

Denn bei dem Delegiertentreffen wurden die Kandidatenliste für die Bundestagswahl am 22. September erstellt. Und da gab es vorab schon Ärger zwischen zwei CSU-Frauen: Seit Herbst lieferten sich die Chefin der Jungen Union (JU), Katrin Albsteiger, und die Wunschkandidatin der Frauen-Union, Barbara Lanzinger, einen Zweikampf um den besten Listenplatz. Denn anders als Direktkandidaten, die einen eigenen Wahlkreis haben und deshalb direkt gewählt werden können, entscheidet die Platzierung bei den Listenkandidaten über den möglichen Einzug in den Bundestag. Je besser die Partei abschneidet, umso mehr Listenkandidaten schaffen es. Deshalb die Unerbittlichkeit der beiden Damen.

Parteichef Seehofer betonte zwar noch, dass nach gegenwärtigem Stand der Dinge - die Umfragewerte für die CSU sind gut - beide Frauen beste Chancen hätten, in den Bundestag einzuziehen. Allein auf die guten Prognosen wollte sich aber weder Albsteiger noch Lanzinger verlassen - zumal die beiden für sehr unterschiedliche Lager stehen. Mit 29 Jahren gilt Albsteiger als Vertreterin des Nachwuchses - und die Partei soll ja laut Seehofer jünger und weiblicher werden. Die 58-jährige Lanzinger gilt dagegen als erfahren und gut vernetzt, aber eben nicht gerade als junge Wilde.

In der Kampfabstimmung musste sich Lanzinger schließlich geschlagen geben. Mit 119 Stimmen landete sie auf Platz 31, die JU-Chefin rutschte mit 144 Stimmen auf den begehrten 30. Platz - eben den ersten auf der erwähnten "Netto-Liste" für die Listenkandidaten. Ein Bekenntnis zu einer jüngeren CSU? Vielleicht.

Novum für die CSU: Mit einer Frau in den Wahlkampf

Was die Frauenquote betrifft, die unter anderem auf Betreiben Albsteigers von der CSU ja abgelehnt wurde, da hat die Partei bewiesen, dass sie es auch ohne kann: Denn zum ersten Mal in ihrer Geschichte schickt sie Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt eine Frau als Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf. Die 62-Jährige erhielt 98,7 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen.

CSU stellt Bundestagsliste auf

Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt wurde fast einstimmig zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl gekürt.

(Foto: dpa)

Hasselfeldt griff in ihrer Rede vor allem die SPD und deren Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück scharf an. Die Sozialdemokraten planten eine "Abkassierorgie", kritisierte sie und sprach von einer "Kriegserklärung an Mittelstand und Familienunternehmer": "Die SPD hat es verwirkt, eine Partei für die Arbeitnehmer und die kleinen Leute zu sein." Steinbrück warf sie unbedachte Äußerungen zur internationalen und nationalen Politik vor. "Dem kann man ein Volk mit 80 Millionen Menschen in solch einer Zeit nicht anvertrauen."

Abgesehen vom Zweikampf verlief die übrige Wahl sehr routiniert. Als gesetzt galten die Plätze zwei bis fünf, auf die sich Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, Verkehrsminister Peter Ramsauer, Generalsekretär Alexander Dobrindt und die Agrarexpertin Marlene Mortler beworben hatten. Auch an der Wahl der Direktkandidaten, die auf den Plätzen sechs bis 29 für einen eigenen Wahlkreis zur Bundestagswahl antreten werden, bestand kein Zweifel. Zu ihnen zählen etwa die stellvertretende Generalsekretärin Dorothee Bär oder der ehemalige JU-Vorsitzende Stefan Müller.