CSU-Generalsekretär Seehofer lehnt Entlassung Scheuers ab

Charles Huber war gerade im Senegal, als ihn dieser Satz von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer am Handy erreichte. "Das Schlimmste ist ein Fußball spielender, ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist", hatte der im Regensburger Presseclub gesagt. "Weil den wirst du nie wieder abschieben." Nein, habe er gedacht, erzählte Huber am Dienstag, das habe der Scheuer Andi sicher nicht so gemeint. Die beiden sind Parteifreunde, Huber war in der CSU und sitzt nun für die CDU im Bundestag. Er wurde als Schauspieler bekannt, als Bayer mit dunkler Haut, Hubers Vater ist Senegalese. Sein Thema ist die Entwicklungspolitik, und die machten Aussagen wie die von Scheuer nicht einfacher, sagte Huber. Da habe er sich das falsche Beispiel ausgesucht. Auch wenn es richtig sei, Senegal als sicheres Herkunftsland einzustufen. Inhaltlich ist er nicht so weit weg von Scheuer. Der könne aber "etwas mehr Feingefühl in der interkulturellen Kommunikation" an den Tag legen. Denn Scheuers Satz "ist für schwarze Deutsche schwer zu verdauen", sagte Huber.

Auch aus der CSU kommt Kritik. Man müsse aufpassen, kirchliche Wähler nicht zu "verprellen", wenn man konservative Wähler gewinnen wolle, sagte der Ehrenvorsitzende Theo Waigel. Vor einem "gefährlichen Entfremdungsprozess" zwischen der CSU und sozial engagierten Bürgern warnte der ehemalige Landtagspräsident Alois Glück. Die Landtagsfraktion und die Landesgruppe in Berlin stellen sich hinter Scheuer. Es handle sich um eine "unglückliche Formulierung", trotzdem sei es nicht Scheuers Absicht gewesen, Pfarrgemeinden oder Sportvereine zu diskreditieren, sagte der Sozialpolitiker Joachim Unterländer. Und auch der Parteivorsitzende lehnt eine Entlassung Scheuers ab, wie sie Grüne und SPD zuvor gefordert hatten: "Ich sehe keinen Anlass, darüber nachzudenken. Er stellt ja nicht die Grundlagen unserer Politik infrage", sagte Ministerpräsident Horst Seehofer in Kloster Banz. Scheuer selbst verteidigte sich, er sei missverstanden worden. Er werde sich mit dem Regensburger Generalvikar aussprechen, der ihn scharf kritisiert hatte. SPD und Grünen reicht das nicht. Scheuers Aussagen seien "rassistisch" und "Gift für das gesellschaftliche Klima". Der CSU sei ihr "C" im Name "endgültig verloren gegangen", kritisieren die Freien Wähler.