CSU-Fraktionschef Schmid Vom Schüttel-Schorsch zum Schwergewicht

Über Jahre galt er als freundlicher Leichtmatrose, nun wird CSU-Fraktionschef Schmid sogar als möglicher Ministerpräsidentenkandidat gehandelt.

Keine vier Wochen nach seinem Amtsantritt wird der einstige Leichtfuß in der CSU-Fraktion bereits als künftiger Mitstreiter um das Ministerpräsidentenamt gehandelt. Der 54-Jährige ist in Rekordzeit zum Konkurrenten von Kultusminister Siegfried Schneider und Innenminister Joachim Herrmann aufgestiegen, die gemeinhin als aussichtsreichste Hauptanwärter gelten, wenn das Spitzenamt eines Tages wieder frei wird.

Georg Schmid: In der CSU-Fraktion wird der Fraktionsvorsitzende bereits als möglicher Ministerpräsidentenkandidat gehandelt.

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Kaum einer spricht noch vom "Schüttel-Schorsch". Schmid war immer unglücklich über den boshaften Spitznamen, den ihm der frühere CSU-Chef Theo Waigel wegen seiner Neigung zum Händeschütteln verpasste.

Inzwischen darf sich der Fraktionschef Hoffnungen machen, dass diese Schmähung in den historischen Archiven verschwindet. "Er hat einen hervorragenden Start gehabt", sagt der Oberfranke Alexander König, Chef des Petitionsausschusses.

Freundlicher Leichtmatrose

"Führungsstark und sehr kommunikativ", meint der Oberbayer Jakob Kreidl, Vorsitzender des Innenausschusses. Beide sprechen stellvertretend für viele in der CSU-Fraktion.

Für Schmid selbst ist das eine überraschende Wendung. Über Jahre galt er als freundlicher Leichtmatrose. Es ist kein Geheimnis, dass er von seiner Kür zum Fraktionschef zunächst keineswegs begeistert war. Und es ist auch kein Geheimnis, dass viele CSU-Abgeordnete skeptisch waren. "Politik heißt, Verantwortung an dem Platz wahrzunehmen, auf den man gestellt wird", sagt Schmid diplomatisch.

Doch inzwischen hat Schmid Gefallen an seiner Aufgabe gefunden. "Die Arbeit des Fraktionsvorsitzenden umfasst ein ganz breites Feld. Es gibt kein Thema, wofür der Fraktionsvorsitzende nicht zuständig ist", sagt er. "Man kann es nur gut machen, wenn man es gerne macht."

Stärke Kommunikation

Dass er den Start gut bewältigt hat, bescheinigen ihm viele in der CSU-Fraktion. Und viele halten es für möglich, dass Schmid dereinst Ministerpräsidentenkandidat werden könnte. "Das ist keine Einzelmeinung", sagt ein Abgeordneter. Allerdings weiß auch jeder in der CSU-Fraktion, dass derartige Diskussionen momentan nicht opportun sind.

Den Traumstart beschert hat Schmid die Auseinandersetzung um den Nichtraucherschutz, die er schnell beendete. Schmids große Stärke ist die Kommunikation. "Am besten ist es, wenn man aufrecht geht und vernünftig und redlich mit den anderen umgeht. Das zahlt sich am Ende immer aus." Schmid redet mit allen und jedem. "Ich sehe mich bestimmt nicht als Dompteur, sondern als ein Kollege, der eine besondere Führungsverantwortung hat", sagt er.

Bewährungsproben stehen erst bevor

"Meine Führungsaufgabe besteht darin, diese unterschiedlichen Interessen zu diskutieren und zu bündeln." Gespräche sollen aber kein Selbstzweck sein. "Wenn wir eine Entscheidung getroffen haben, muss die von allen mitgetragen und klar nach außen vertreten werden."

Doch ungeachtet des guten Starts stehen die Bewährungsproben erst bevor. Vor den Kommunal- und Landtagswahlen wird er wenig Gelegenheit haben, sich inhaltlich zu profilieren. Denn die Richtung gibt Beckstein vor. Und das derzeit so günstige Schicksal kann sich ebenso schnell ins Gegenteil wenden.

Ein warnendes Beispiel hat Schmid in Gestalt des oberbayerischen CSU-Chefs Siegfried Schneider vor Augen, der noch vor kurzem als Superschwergewicht galt. Doch der Kultusminister brachte nach Ansicht mancher Parteifreunde zu wenig Oberbayern im Kabinett unter und ist seitdem geschwächt.

Auf die Ministerpräsidenten-Debatte lässt Schmid sich erst gar nicht ein: "Ich bin Fraktionsvorsitzender und jetzt geht es darum, dass ich diesen Auftrag mit der Fraktion inhaltlich ausfülle und dass wir die Herausforderungen der Kommunalwahl und der Landtagswahl bestehen. Wir haben mit Günther Beckstein einen Ministerpräsidenten, der ein außerordentlich hohes Ansehen in der Bevölkerung genießt."

Grund zum Klagen hat Schmid derzeit jedenfalls nicht. "Manchmal lässt die Politik zu wenig Zeit für die eigene Familie und sich selbst, sagt er. "Ein schönes Tennisspiel, das wäre mal wieder was."