CSU Der Kampf um die Bundesministerien

Spielen Reise nach Jerusalem mit Bundesministerien: Andreas Scheuer, Dorothee Bär und Gerd Müller (von links nach rechts).

(Foto: dpa(2); afp)
  • In der CSU herrscht nach wie vor Ratlosigkeit darüber, wer als Bundesminister in das vierte Kabinett Merkels einziehen wird.
  • Andreas Scheuer, Gerd Müller und Dorothee Bär sind im Gespräch für zwei noch offenen Ministerien.
  • Parteichef Horst Seehofer, der das Innenministerium für sich beansprucht, zögert mit einer Entscheidung, weil sie in jedem Fall Unmut erregen wird.
Von Wolfgang Wittl

Gesten sagen manchmal mehr als Worte, und Szenen wie diese sprechen für sich. Es war vor der letzten CSU-Vorstandssitzung, als Dorothee Bär ihrem unterfränkischen Landsmann Winfried Bausback in die Arme lief. Kurze Umarmung, ein paar nette Worte und ein Gesicht des bayerischen Justizministers, das zu sagen schien: Na, darf man gratulieren? Bärs Antwort bestand in einem kurzen Kopfschütteln und ausgiebigen Schulterzucken.

Fast drei Wochen ist das nun her, doch an der Ratlosigkeit in der CSU hat sich seitdem nichts geändert. Wer wird als Bundesminister in das vierte Kabinett von Angela Merkel einziehen, sollte die SPD einer großen Koalition zustimmen? Sicher ist nur, welche Ministerien die CSU bekommen soll - und dass Parteichef Horst Seehofer mit dem Innenministerium das größte von ihnen beanspruchen wird, erweitert um die Ressorts Bau und Heimat. Auch wenn er am Montag sagte, sein Wechsel sei hoch wahrscheinlich, aber "noch nicht endgültig". Schließlich sei der genaue Zuschnitt des Ressorts noch nicht im Detail besprochen. Aber wer erhält den Zuschlag für Digitales und Verkehr, wer für Entwicklung?

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Das Problem: Es gibt mehr Kandidaten als offene Stellen. Wer jemals beim Kindergeburtstag die "Reise nach Jerusalem" gespielt hat, ahnt, worum es geht. Eine Anzahl von Bewerbern läuft um ein paar Stühle herum und darf sich erst setzen, wenn die Musik zu spielen aufgehört hat. Dumm ist nur, dass immer ein Stuhl weniger vorhanden ist als Teilnehmer. Wer keinen Platz findet, hat verloren.

In der CSU kreisen seit Wochen drei Namen um die beiden noch offenen Ministerien. Einer gehört Bär, die beiden anderen Generalsekretär Andreas Scheuer und Entwicklungsminister Gerd Müller. Jeder von ihnen führt Argumente und Unterstützer ins Feld, weshalb ausgerechnet er (oder sie) auf einem der Stühle sitzen sollte, wenn am kommenden Montag die Musik zu spielen aufhört. Dann will Seehofer im Parteivorstand mitteilen, für wen er sich entschieden hat, sollte sich die SPD tags zuvor zu einer gemeinsamen Regierung durchgerungen haben.

Als nach den Koalitionsverhandlungen eine Liste mit Ministernamen kolportiert wurde, sah es so aus, als sollte Scheuer Verkehrsminister werden und Bär Entwicklungsministerin. Das war insofern überraschend, weil Müller in der abgelaufenen Legislatur die besten Kritiken aller CSU-Minister erhalten hatte: unaufgeregt, sachkundig, innovativ - solche Komplimente hätten Verkehrsminister Alexander Dobrindt und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt wohl auch gerne gelesen.

Indiskretionen zeigten allerdings, dass Müller innerhalb der CSU kritischer gesehen wird oder Gegner hat, die sehr entschlossen sind: Unkonzentriert sei der Minister in Koalitionsgesprächen aufgetreten, er habe nichts erklären können und sich nicht ausgekannt, raunten Parteifreunde hinter vorgehaltener Hand. Müller blieb ruhig, ließ durchblicken, dass er seine Arbeit gerne fortsetzen würde - vor allem ließ er andere für sich sprechen.

Schwäbische Parteifreunde mit dem immer noch einflussreichen CSU-Ehrenvorsitzenden Theo Waigel an der Spitze intervenierten bei Seehofer, sie werben bis heute für ihren Landsmann Müller. Tenor: Es könne nicht angehen, einen angesehenen Minister abzusägen. Gleichzeitig schwingt die notorische Sorge der Schwaben mit, im CSU-Machtgefüge zwischen Franken und Altbayern zerrieben zu werden.