CSU-Basis über mögliches Guttenberg-Comeback:"Ein Mensch mit allen Stärken und Schwächen"

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Karl-Theodor zu Guttenberg will mit der CSU über ein mögliches Comeback sprechen. Die Parteibasis ist gespalten in der Frage, ob der Freiherr bald zurückkehren soll. Einige finden, er wäre durch die Plagiatsaffäre sogar noch sympathischer geworden.

Katja Auer und Olaf Przybilla

"Machen wir", hat Karl-Theodor zu Guttenberg an den Lichtenfelser CSU-Kreisvorsitzenden Christian Meißner geschrieben und damit die Bereitschaft signalisiert, über eine eventuelle Bundestagskandidatur zu sprechen. Dafür wird es bald Zeit, momentan ist sein ehemaliger Wahlkreis Kulmbach verwaist, und demnächst muss ein neuer Kandidat aufgestellt werden. Soll das tatsächlich wieder Karl-Theodor zu Guttenberg sein? Was sagt die Parteibasis?

Seehofer will Guttenberg zurueck in die Politik holen

"Machen wir": Per SMS hat Ex-Minister Guttenberg der CSU erstmals signalisiert, dass er über eine Rückkehr in die Politik sprechen will.

(Foto: dapd)

"Es gibt einen einstimmigen Kreisvorstands-Beschluss", sagt Christian Meißner, "wenn Guttenberg eine zweite Chance will, dann bekommt er sie." Danach allerdings müsse er sich der Bevölkerung stellen - und das sei ein etwas anderes Terrain als bei der CSU. "Das wird noch ein hartes Stück Arbeit." Bei vielen Akademikern hat Guttenberg an Glaubwürdigkeit verloren, und seine Spitzen gegen die eigene Partei kamen auch nicht gut an.

Stephan Beer, der Bezirksvorsitzende der Jungen Union in Mittelfranken nennt die Anfeindungen schlicht "furchtbar". Dass Guttenberg "unsere Partei, die ihm in schweren Zeiten die Treue gehalten hat, als verstaubt und altbacken bezeichnet" habe, hält Beer für schwer erträglich. Auch der Zeitpunkt für eine Rückkehr sei fragwürdig, so kurz nach seinem Rückzug aus der Politik, "da hätte er gar nicht erst weggehen brauchen". Andererseits ahnt auch Beer vom möglichen positiven Effekt für die CSU, Guttenberg ziehe offenkundig noch immer. "Es bedürfte aber noch Zeit, um sich wieder anzunähern", sagt Beer.

Noch ein, zwei Jahre hätte auch Karin Renner vergehen lassen, die stellvertretende Bezirksvorsitzende der Frauenunion Unterfranken. "Ich fand ihn einen hervorragenden Politiker", sagt sie, "aber ich hätte mir gewünscht, dass er noch eine Weile stillgehalten hätte." Unpassend sei das gewesen, wie er sich zurückgemeldet habe, und deswegen sei ein politisches Comeback nun auch etwas schwieriger geworden. Die Zeit heilt Wunden, heiße es ja, aber ein bisschen länger hätte es wohl noch gedauert, glaubt sie.

In Oberfranken hat es vielen schon lange genug gedauert. "Viele in der CSU sind der Meinung, dass der Kamerad Guttenberg wieder ein Amt übernehmen soll - ich auch", sagt Jürgen Baumgärtner, der Kreisvorsitzende der CSU Kronach. Sein persönlicher Eindruck von Guttenberg sei nach der Plagiatsaffäre sogar noch positiver geworden, "weil er ein Mensch ist mit allen Stärken und Schwächen". Vorher dagegen habe der Freiherr so unantastbar gewirkt. "Es macht ihn noch stärker und noch sympathischer, dass er gezeigt hat, dass er nicht vollkommen ist", sagt Baumgärtner. Und, das steht für ihn fest, die CSU braucht Guttenberg. "Weil er die Gabe hat, Sachen zu benennen, wie sie viele empfinden." So habe Guttenberg gesagt, dass in Afghanistan Krieg herrsche. Das habe sich vorher keiner getraut. Aber, sagt Baumgärtner, "wir brauchen ihn, wie wir viele brauchen". Nicht als Solokünstler, heißt das, sondern als Teamspieler.

"Man muss sich immer in die Lage von Guttenberg versetzen"

"Ich sehe ihn schon als eine Bereicherung", sagt auch der Forchheimer CSU-Kreisvorsitzende Udo Schönfelder. "Auch wenn nicht alles glücklich war, was er getan hat." Die Plagiatsaffäre meint Schönfelder und auch die jüngsten Äußerungen. Das habe viele irritiert. Aber schließlich mache jeder Fehler, sagt Schönfelder. Und "dass er einen Fehler begangen hat, macht ihn ein Stück weit menschlich", sagt er. Schönfelder würde Guttenberg gerne wieder in der CSU sehen und ist überzeugt davon, dass viele Mitglieder der gleichen Meinung sind. "Die Stimmung ist sehr, sehr, sehr eindeutig pro Guttenberg", sagt er.

Das hat auch der CSU-Fraktionsvorsitzende im Hofer Stadtrat, Wolfgang Fleischer, so wahrgenommen. Fleischer ist noch nicht ganz durch mit dem Buch, das er wie so viele CSU-Mitglieder zu Weihnachten geschenkt bekommen hat - dem Interview-Band von Giovanni di Lorenzo und Guttenberg. Aber Fleischers Zwischenergebnis ist jetzt schon eindeutig: "Man muss sich immer in die Lage von Guttenberg versetzen", so werde vieles verständlicher, was der gefallene Minister dort äußert, Fleischer findet das nicht verwerflich. Würde Karl-Theodor zu Guttenberg wieder antreten in Franken, würde er auch wieder gewählt, da ist sich Fleischer sicher: "Und wenn er gewählt ist, hat er auch wieder die Legitimität für ein Amt."

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