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CSU-Abgeordnete Dagmar Wöhrl:Saftige Zusatzeinnahmen

Nun besteht erneut Erklärungsbedarf - und das nicht nur in Sachen Sarasin-Bank: Auch bei der Nürnberger Versicherung (NV) ist Dagmar Wöhrl gut im Geschäft. Das im Vergleich zu den Branchenriesen überschaubare Assekuranzunternehmen leistet sich in Gestalt von Hans-Peter Schmidt einen Aufsichtsratsvorsitzenden, der für seine Posten in der Holding und in den Tochtergesellschaften mehr Geld kassiert als der Aufsichtsratschef des Weltkonzerns Siemens.

Schmidt gilt nicht nur ob seines Gehabes als Sonnenkönig von Nürnberg, sondern auch als geschickter Strippenzieher. Zum Beziehungsgeflecht um die Nürnberger Versicherung zählen auch die Wöhrls: Hans-Rudolf, der Investor und Flugunternehmer, und Dagmar, die viel beschäftigte Politikerin, Bundestagsabgeordnete seit 1994.

Nach SZ-Informationen brachte es Dagmar Wöhrl 2011 aus zwei Aufsichtsratsmandaten bei der Nürnberger Allgemeinen und der Nürnberger Leben auf gut 33.320 Euro Zusatzeinnahmen. Sie dementiert dies; es seien 16.750 Euro gewesen. Was Wöhrl nicht dementiert: 2012 stieg sie in den Aufsichtsrat der NV-Holding auf, wo sie zudem in den Personalausschuss berufen wurde. "Da kommt ordentlich Geld oben drauf", sagt ein Insider. Wie sieht es in diesem Fall mit den Gegenleistungen aus?

"Die Nürnberger Versicherung hat niemals Wünsche an mich herangetragen, für sie parlamentarisch tätig zu werden", erklärte Wöhrl auf Anfrage. Der Süddeutschen Zeitung liegt jedoch ein Brief vor, der Zweifel daran nährt. Das Schreiben vom 30. Oktober 2012 ging nicht an Wöhrls Abgeordnetenbüro, sondern an ihre privaten Wohn- und E-Mail-Adressen. Darin bat Armin Zitzmann, der damalige Vize und heutige Vorstandschef der Nürnberger Versicherung, Wöhrl um Unterstützung gegen eine geplante EU-Datenschutzrichtlinie.

Er würde es sehr begrüßen, so der NV-Manager unter anderem, "wenn sich die CSU mit der Position des GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, d. Red.) auseinandersetzen würde". Zur Hilfestellung nennt Zitzmann der CSU-Politikerin mögliche Ansprechpartner in der Union.

Entschuldigung für das "Chaos der Papiere"

Im eigenen Umfeld kämpfte die umtriebige Abgeordnete mit lästigen Problemen. Bei Abrechnungen Wöhrls bei der Bayerischen Beamtenkrankenkasse herrschte bezogen auf fünf Jahre offenkundig ein Durcheinander. Wöhrl entschuldigte sich bei der Kasse schriftlich für das "Chaos der Papiere" und den Verlust vieler Originaldokumente. Eine Mitarbeiterin sei schuld.

Das Malheur, so teilte sie auf SZ-Anfrage mit, sei während ihres Büro-Umzuges vom Wirtschaftsministerium in den Bundestag entstanden. Der Krankenkasse sei kein Schaden entstanden. Nur ihr selbst, weil ihr Arztrechnungen nicht mehr erstattet worden seien.

© SZ vom 15.05.2013/infu

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