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Coronavirus:Verdachtsfälle in  Flüchtlingsunterkünften

Die Corona-Krise stellt auch die Flüchtlingsunterkünfte in Bayern vor Herausforderungen. In einem Münchner Ankunftszentrum waren am Wochenende zwei Fälle von infizierten Bewohnern publik geworden, inzwischen sind es drei. Elf Kontaktpersonen sind nun in Quarantäne, wie die Regierung von Oberbayern am Donnerstag auf SZ-Anfrage mitteilte. In einer Unterkunft in Waldkraiburg im Landkreis Mühldorf gebe es zudem fünf Verdachtsfälle, die Bewohner mit Erkältungssymptomen würden gerade untersucht. Die drei Fälle sind laut Innenministerium auch bayernweit der Sachstand vom Donnerstagnachmittag. Bayern testet - verdachtsunabhängig - alle ankommenden Asylbewerber seit Ende Januar auf das Coronavirus.

Bei positiver Testung erfolge umgehend eine Isolierung und die Ermittlung von Kontaktpersonen sowie gegebenenfalls auch eine Quarantäne, um die Ausbreitung zu verhindern, teilte das Ministerium mit. Unter Flüchtlingshelfern macht sich derweil Sorge breit angesichts der Bedingungen in den Unterkünften. Generell schaffe die räumliche Enge "Risiken - da kann man sich gar nicht von anderen fernhalten mit Sicherheitsabstand", wie es Experten der Bevölkerung zur Prävention raten, sagt etwa Stephan Dünnwald vom Bayerischen Flüchtlingsrat. In Asyl-Zentren habe man derzeit eine Belegung von gut 50 Prozent; seiner Kenntnis nach werde verfügbarer Raum vielerorts nicht genutzt, sondern es gebe weiterhin die Unterbringung in kleinen Mehrbettzimmern. "Gesundheit geht nicht nach Aufenthaltsrecht", mahnt Dünnwald. Bei Stephan Reichel, dem Vorsitzenden des Vereins Matteo, hat sich jüngst ein Bewohner einer betroffenen Einrichtung in Sorge gemeldet. Er beklagt etwa fehlende Informationen über Virus und Maßnahmen, bei Quarantäne würden Sicherheitskräfte die Betreuung übernehmen. Dabei soll das Wort "arrested" gefallen sein - verhaftet. Die Absonderung in Gruppenzimmern sei prekär. Die Regierung von Oberbayern hatte nach den ersten Münchner Fällen dagegen mitgeteilt, dass die Quarantäne ordnungsgemäß anlaufe; die Bewohner würden über "Notwendigkeit und Dauer der Maßnahmen aufgeklärt" und "mit allem Notwendigen versorgt". Insbesondere bei Personen mit Symptomen werde ein erneuter Test auf Covid-19 veranlasst. Zugänge und Verlegung seien gestoppt.

© SZ vom 13.03.2020 / ojo
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