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Weiden:Tête-à-Tête auf Sparflamme

Demonstration "Ausspekuliert" in München, 2018

Händchenhalten - ein Widerspruch zum Abstandsgebot.

(Foto: Catherina Hess)

Partnervermittler erleben in Corona-Zeiten harte Bedingungen für ihr Geschäft. Was ihnen und ihren Kunden bleibt, ist das Prinzip Hoffnung.

Von Dietrich Mittler

Den richtigen Partner fürs Leben zu finden - leicht war das ja nie. Es sei denn, man sitzt unmittelbar an der Quelle. So wie etwa der Partnervermittler Reinhold Lang, seit nunmehr 1994 glücklich verheiratet. Unter den jungen Damen, die er vermitteln sollte, hatte ihm eine besonders gut gefallen. Er fuhr zu ihr, vier Wochen darauf zog sie zu ihm, und 14 Tage später stand fest, dass die beiden heiraten. Dabei blieb es aber nicht. Auch für die Schwiegermutter fand Lang nach dem Tod ihres Mannes einen neuen Partner. "Happy End", ruft er durchs Telefon, und für die meisten seiner Kundinnen und Kunden könne er das auch sagen. Doch nun, in der Corona-Krise, ist da Partnervermittlung überhaupt noch möglich?

Lang, Chef der Partnervermittlung Fortuna im oberpfälzischen Weiden, ist nach mehr als 30 Jahren im Geschäft krisenerprobt. Als Partnervermittler alten Schlages war er bereits vor der Pandemie einer Herausforderung ausgesetzt, der Konkurrenz im Internet. "Aber wenn alle über Online ihr Glück finden würden, wären wir klassischen Vermittler schon gar nicht mehr da", erklärt er. Am Ende sei es dann doch immer so, dass sich viele freuen, "dass es mich noch gibt", sagt Lang.

Aber nun in Corona-Zeiten? Alles ruhig? "Momentan ist es relativ ruhig", sagt der 63-Jährige. Doch, was aus seinen Worten herausklingt: Partnervermittler alter Schule sind irgendwie auch Seelsorger. Natürlich rufen seine Kundinnen und Kunden auch jetzt an: "Die jetzt als Singles allein zu Hause bleiben müssen, denen fällt die Decke auf den Kopf."

Unter Langs Kundschaft sind nicht wenige doch schon älteren Semesters. Und die hätten als Risiko-Gruppe augenblicklich ohnehin Angst, noch fremde Personen zu treffen - abgesehen davon, dass das momentan gar nicht erlaubt ist, wie Lang betont. So sehr die Ausgangsbeschränkungen auch sein eigenes Geschäft behindern, auf Ministerpräsident Markus Söder (CSU) lässt Lang nichts kommen. "Der macht gute Arbeit", sagt er, "es war notwendig, die Ansteckungsrate so gering wie möglich zu halten."

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Es gilt das Prinzip Hoffnung: Am Ende der Telefonate mit den Einsamen steht derzeit oft ein Satz, den sich der Partnervermittler selbst als Trost aufsagt: "Auch diese Krise geht vorbei." Natürlich hofft auch Reinhold Lang auf weitere Lockerungen, sodass er wieder Neukunden generieren kann, zu den Leuten hinfahren darf oder sie im Büro für das Erstgespräch empfangen kann. Darauf hat er sich bereits vorbereitet - "Desinfektionsmittel und Gesichtsmasken habe ich in ausreichender Menge", sagt er. Und: "Jetzt muss nur noch die Staatsregierung die Freigabe erteilen, damit wieder mehr Kontakt erlaubt ist." Ewig könne man die Leute "nun doch nicht wegsperren".

Leerlauf im Büro, dazu kommt es in der Partnervermittlung Fortuna dennoch nicht. Lang sitzt jetzt viel am Schreibtisch, entwirft aus den Persönlichkeitsprofilen, die er nach langen Gesprächen mit der Kundschaft erstellt hat, passende Kontaktanzeigen. Aber auf die werden die Zeitungen, die er sonst damit bedenkt, erst einmal warten müssen. "Überhaupt habe ich meine Werbung zurückgefahren", sagt er. "Spätestens Anfang Juni wird das wieder anders", hofft Lang. Trost geben ihm derzeit die Anrufe früherer Kundinnen und Kunden - darunter eine Frau, die vor 30 Jahren bei ihm war. "Für ihre Kinder wollte sie jetzt rekonstruieren, wann genau sie über mich ihren Mann kennengelernt hatte." Lang konnte helfen.

© SZ vom 29.04.2020/kafe

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