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Demonstrationen:Corona könnte zur nächsten großen Spaltung in der Gesellschaft führen

Demonstration in München gegen Einschränkungen und Verbote wegen der Corona-Krise, 2020

Eine Demonstrantin zeigt ihren Protest bei der Kundgebung gegen Corona-Maßnahmen in München.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Die Demonstrationen vom Wochenende machen fassungslos. Die Teilnehmer waren leichtsinnig, die Polizei überfordert. Das muss sich dringend ändern.

Jeden Tag binden sich Hunderttausende ihre Maske um, verkneifen sich die Umarmung eines geliebten Menschen und halten züchtig Abstand. Und dann stehen da 3000 Menschen in München, 2000 in Nürnberg, Schulter an Schulter, als wäre Corona nur ein schlechter Traum. Es ist ein Leichtsinn, der auf so vielen Ebenen Schaden anrichtet, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll.

Für alle, die sich an die Hygieneregeln halten, waren die Bilder vom Wochenende blanker Hohn. Es war richtig, dass die Polizei nicht mit Massenverhaftungen reagiert hat. Doch offenbar war sie auch überfordert. Und für die Zukunft muss unbedingt der Ernst der Lage wieder deutlich gemacht werden. Denn nach diesem Wochenende könnte bei vielen die Botschaft hängen bleiben, dass enges Beisammenstehen so schlimm ja offenbar nicht sein kann - wenn die Polizei nicht eingreift. Genau das aber ist es. Mit der Freiheit wächst die Verantwortung eines jeden Einzelnen und es wäre mehr als traurig, wenn Zustände wie in Italien notwendig sind, damit das alle verstehen.

Zudem scheint es vielen offenbar völlig egal zu sein, neben wem sie da demonstrieren und welche Parteien sie damit aufwerten. Wer sich neben der AfD und Rechtsextremisten einreiht, muss sich am Ende nicht wundern, wenn deren Zustimmungswerte wieder steigen. Die Demonstrationen aber sind auch ein Warnsignal an die Politik. Bei aller Kritik an den Verstößen ist die Versammlungsfreiheit eines der höchsten Rechtsgüter, die es gibt. Wer von seinem Volk verlangt, Protest nur noch in sehr abgespeckter Form vortragen zu dürfen, der muss auch zeigen, dass dieser gehört wird. Und versuchen, den Schaden und damit auch den Unmut möglichst gering zu halten.

Der breitet sich nämlich nicht nur bei Verschwörungstheoretikern aus. Nach der Flüchtlingsfrage könnte der Umgang mit Corona zu der nächsten großen Spaltung in der Gesellschaft führen. Das Problem dabei: Das Virus lässt sich nur gemeinsam bekämpfen.

© SZ vom 12.05.2020/imei
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