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Statistiken:Coronavirus: Die Experten sind vorsichtig optimistisch

Um gut fünf Prozent ist die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 in Bayern binnen 24 Stunden zuletzt gestiegen. Diese Aufnahme aus einem Elektronenmikroskop zeigt den Erreger.

(Foto: AP)
  • Der Chef des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ist angesichts der aktuellen Coronavirus-Zahlen vorsichtig optimistisch.
  • Aber selbst wenn weiter alle Maßnahmen gegen die Pandemie greifen, dürfte es noch einige Zeit dauern, bis die Zahl der täglich neu gemeldeten Corona-Toten ähnlich wie die der Neuinfektionen stagniert oder sogar leicht rückläufig ist.

Es ist eine knappe Woche her, da hat sich der Chef des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Andreas Zapf, verhalten optimistisch gezeigt, dass die drastischen Maßnahmen der Staatsregierung gegen die Corona-Pandemie greifen. Als Beleg nannte er zwei Werte: die Zahl der Tage, innerhalb derer sich die Infektionen mit dem gefährlichen Virus verdoppelt, und die Zahl der Neuinfektionen, die das LGL jeden Tag meldet. Der sogenannte Verdopplungszeitraum hatte sich zu diesem Zeitpunkt von 2,8 Tagen zu Beginn der Pandemie auf ungefähr sechs Tage bereits mehr als verdoppelt. Und die Zahl der Neuinfektionen war einigermaßen stabil.

Beide Trends, die natürlich eng miteinander zusammenhängen, haben sich seither fortgesetzt. Der Verdopplungszeitraum beträgt laut LGL inzwischen neun Tage. Die Zahl der bestätigten Neuinfektionen bewegt sich womöglich sogar leicht nach unten. LGL-Chef Zapf darf sich also in seinem vorsichtigen Optimismus bestätigt sehen. Gleichwohl gibt es keinerlei Anlass für Entwarnung. Denn insgesamt steigen die Zahlen der bestätigten Corona-Infektionen und vor allem der Patienten, die nach einer Corona-Infektion gestorben sind, weiter an. Ein Ende der Pandemie ist deshalb nicht absehbar.

Diesen Mittwoch meldete das LGL bayernweit 28 053 Corona-Infektionen. Das Plus gegenüber dem Vortag belief sich auf 1486 Infektionen oder 5,6 Prozent. Die Zahl der Patienten, die von einer Corona-Infektion genesen sind, hat sich laut LGL ebenfalls weiter erhöht. Stand Mittwoch waren es 7900 Menschen, das sind 1240 oder 18,6 Prozent mehr als am Dienstag. Allerdings handelt es sich nicht um eine Zählung, sondern um eine Hochrechnung. Deshalb messen ihr die LGL-Experten eine nicht so hohe Bedeutung bei wie dem Verdopplungszeitraum und der Zahl der Neuinfektionen. Die Zahl der Corona-Toten beträgt nun 589. Das ist eine Steigerung um 94 Tote oder 19 Prozent.

Die hohe Quote bestätigt Zapfs Befürchtung, dass die Zahl der Corona-Toten vergleichsweise schnell ansteigen wird. Zwar bewegt sich ihre Gesamtzahl und die Steigerung - vor allem im Vergleich zu Italien oder Spanien - weiter auf relativ niedrigem Niveau. Laut LGL sterben nach wie vor weniger als zwei Prozent der Corona-Patienten im Zusammenhang mit der Infektion.

Aber selbst wenn weiter alle Maßnahmen gegen die Pandemie greifen, dürfte es noch einige Zeit dauern, bis die Zahl der täglich neu gemeldeten Corona-Toten ähnlich wie die der Neuinfektionen stagniert oder sogar leicht rückläufig ist.

Die Gründe dafür sind nicht geklärt. Aber zum einen dürfte die Zahl der Todesfälle die Zahl der Neuinfektionen von vor zwei bis drei Wochen widerspiegeln. So lange dauert es von dem Zeitpunkt an, an dem sich ein Patient mit dem Virus ansteckt, bis zu seiner Erkrankung oder seinem etwaigen Tod.

Außerdem haben die Schutzmaßnahmen der Staatsregierung vor zwei und erst recht vor drei Wochen noch nicht so gegriffen, wie sie das inzwischen tun. Und, auch das hat Zapf vor einer Woche konstatiert, die Pandemie hat in Bayern einige Zeit lang vor allem die bis zu 60-Jährigen betroffen. Die Senioren hat sie erst vergangene Woche erfasst. Laut Staatsregierung sind inzwischen zehn Prozent der Alten- und Pflegeheime betroffen. Bei älteren und alten Menschen ist das Risiko für einen schweren oder tödlichen Verlauf einer Corona-Infektion viel höher als bei jüngeren. Das dürfte sich noch einige Zeit auf die Sterbezahlen auswirken.

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Die Kliniken haben derzeit ausreichend Kapazitäten für Corona-Patienten. Laut Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) müssen aktuell 740 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen beatmet werden. Die Krankenhäuser halten derzeit insgesamt 3050 Intensivbetten mit Beatmungsgeräten vor. Hinzukommen weitere 1350 Intensivbetten. Laut Huml werden die Kapazitäten unvermindert ausgebaut. Vor drei Wochen gab es im Freistaat 2600 Intensivbetten mit Beatmungsgeräten und tausend weitere Intensivbetten. Aktuell werden in Bayern 3200 Corona-Patienten in Klinken behandelt.

Außerdem zeigt die Statistik, dass die Pandemie im Norden Bayerns weiter milder verläuft als im Süden. Zwar gibt es mit Würzburg und dem Landkreis Tirschenreuth zwei Hotspots in Franken und der Oberpfalz, in denen das Virus besonders schlimm zugeschlagen hat. Aber in anderen Regionen Frankens und der Oberpfalz sind die Infektionsquoten geringer als im Süden. Die Stadt Coburg und ihre 41 000 Einwohner sind mit nur 30 Infizierten bisher sogar weitgehend verschont geblieben. Experten führen das auch darauf zurück, dass sich die Pandemie in Bayern von Italien und Tirol her ausgebreitet hat.

Aber auch entlang der Alpen gibt es unterschiedlich betroffene Regionen. Aus dem Oberallgäu meldet das LGL 143 Corona-Infektionen. Im benachbarten Ostallgäu sind es mehr als doppelt, im Landkreis Rosenheim sogar neun Mal so viele. Das Phänomen beschäftigt auch das LGL. Einen Grund wissen die Experten nicht. Eine Vermutung lautet, dass sich das Virus entlang der Hauptreiserouten zwischen Bayern und Österreich besonders stark ausgebreitet hat.

© SZ vom 09.04.2020/kaal
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