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Bildung in Bayern:Zurück zum fast normalen Schulalltag

Coronavirus - Präsenzunterricht in Baden-Württemberg

Mit viel Luft zum Sitznachbarn soll nach den großen Ferien Schluss sein - wenn es das Infektionsgeschehen zulässt.

(Foto: Philipp von Ditfurth/dpa)

Kultusminister Michael Piazolo will nach den Sommerferien wieder einen Unterricht im Regelbetrieb - ohne Kleinstgruppen. Es gibt allerdings auch einen Plan für eine etwaige zweite Welle.

Von Anna Günther

Nach den Sommerferien sollen alle bayerischen Schüler wieder regulär in die Schule gehen, ohne Kleinstgruppen und Mindestabstand. Dieses Ziel gab Kultusminister Michael Piazolo (FW) am Dienstag nach der Kabinettssitzung in München bekannt. Voraussetzung für diese Rückkehr zur Normalität bleibt das Infektionsgeschehen. Ein Hygienekonzept für den Regelbetrieb gibt es noch nicht, Kultus- und Gesundheitsministerium sollen gemeinsam Vorschriften erarbeiten. Piazolo sprach von "so viel Normalität wie möglich bei so viel Gesundheitsschutz wie nötig". Dazu gehören für ihn feste Gruppen von Schülern und "reihenweise Testungen" der Lehrer, um nach den Sommerferien eine Verbreitung des Virus wie nach den Faschingsferien zu verhindern.

Von einer grundsätzlichen Maskenpflicht im Unterricht, die als Gerücht schon grassierte, hält Piazolo nichts. "Fünf oder sechs Stunden mit Maske im Unterricht zu sitzen, ist nicht im Sinne des Erfinders", sagte er. Wenn Schüler und Lehrer sich damit wohler fühlen, können sie aber Masken tragen. In der Schule und in Pausen gelte auch nach den Ferien ein "nachhaltiges Maskengebot". In der Schule müsse auch dann größter Wert auf Sicherheit gelegt werden, wenn in anderen Bereichen schon mehr möglich sei, sagte Piazolo. "Wir haben Schulpflicht, aber keine Kneipenpflicht oder Saunapflicht."

Weil sich die Zahl der Corona-Infizierten in Bayern laut Staatskanzleileiter Florian Herrmann (CSU) mit aktuell 670 Fällen "erfreulich" darstellt, lockert das Kabinett weiter: Von Montag an gelten in Altenheimen, Behinderteneinrichtungen und Krankenhäusern weniger strikte Besuchsregeln. Dies war bereits angekündigt worden, nun hat das Gesundheitsministerium den Rahmenplan fertig, der aber strikte Abstands- und Hygieneregeln vorsieht. Außerdem müssen Besucher sich registrieren. Die Details sollen Einrichtungen und Kliniken selbst gestalten. Eine Perspektive verkündete Herrmann für den Messe- und Kongressbetrieb, der von September an wieder möglich ist - sofern die Infektionszahlen dies zulassen. Trotz dieser positiven bayerischen Zahlen und angesichts der neuen Hotspots in Nordrhein-Westfalen warnte Herrmann vor der zweiten Viruswelle und sprach sich gegen die schnelle Rückkehr zur Normalität aus: "Nach wie vor gibt es keine Entwarnung, im Gegenteil." Die bayerische Strategie der "Vorsicht und Umsicht" habe sich bewährt.

Würde die Zahl der Infektionen im Herbst wieder zunehmen, will Piazolo in drei Stufen reagieren: Bleiben sie "im Rahmen", würden die Schulen in den derzeitigen Wechsel zwischen digitalem Lernen und Schulunterricht zurückkehren. In Corona-Hotspots würde kurzfristig auf digitalen "Distanz-Unterricht" umgestellt. Bei einer zweiten Welle käme die landesweite Schließung. Damit dieser Distanz-Unterricht besser funktioniert als zuletzt, kündigte Piazolo mehr Feedback, Leistungskontrollen und regelmäßigen Kontakt zwischen Lehrern und Schülern an. Dazu Leihgeräte, fachliche Beratung der Lehrer und mehr Geld. Viele Eltern beklagen seit Monaten die enormen Unterschiede beim digitalen Lernen. Um im Herbst etwaige Lücken festzustellen, sollen Schüler Wissenstests schreiben. Wer aufholen muss, bekommt bis zu 13 Wochen Förderunterricht in Mathe, Deutsch und Fremdsprachen. Schüler, die auf der Kippe stehen, sollen auf Probe vorrücken. Wer das darf und wann der Probelauf kontraproduktiv wäre, sollen aber die Schulen entscheiden. Dieses Thema beschäftigt derzeit viele Schulleiter an Realschulen und Gymnasien, deren Schüler sich aufgrund von Corona nicht verbessern konnten.

Ein Ferienprogramm des Bayerischen Jugendrings für Erst- bis Sechstklässler soll Eltern entlasten, die ihren Urlaub für die Corona-Betreuung aufbrauchten. Den Bedarf sollen die Schulen abfragen. All dies sei mit den Verbänden abgesprochen, sagte Piazolo. Im Klartext: Querschüsse unerwünscht. Anders als die Landtagsopposition, die offene Fragen kritisiert und Minister Piazolo vorwirft, die Verantwortung abzuschieben, wirken die Lehrerverbände eher zufrieden. Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, nennt das Konzept "wunderbar", aber die Realität werde "ziemlich hart zuschlagen". Wenn im Herbst wie befürchtet Hunderte Lehrer fehlen, müssten Stunden zur Förderung bei Wahlfächern und Projekten zusammengekratzt werden.

© SZ vom 24.06.2020/wean
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