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Schule in Bayern:Stolperfallen im Krisenmodus

Abifeier am Starnberger Gymnasium

Als man noch richtig feiern konnte: Eine Abiturfeier am Starnberger Gymnasium Starnberg vor zwei Jahren.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Während der Corona-Pandemie regiert der Ministerpräsident durch, das Parlament läuft so nebenbei. Doch nicht alle Verordnungen sind gleichermaßen logisch, das zeigt sich bei den Abifeiern.

Kolumne von Anna Günther

Mit der Geschwindigkeit ist das so eine Sache, was dem einen zu schnell geht, erleben andere als viel zu langsam. Das gilt in dieser Corona-Krise ganz besonders. Denn möglichst schnell müssen und mussten selbst die kleinsten Dinge des Alltags möglichst präzise geregelt werden.

Der Ministerpräsident regiert Corona-bedingt seit Mitte März in Bayern durch, mit der Begründung, es gelte Zustände wie in Italien zu verhindern. Das Parlament lief derweil so nebenher. Die Regeln werden in der Staatskanzlei gemacht, ohne die übliche Runde durch Fachausschüsse und das Plenum. Der Alltag der Menschen in Bayern wird von Verordnungen bestimmt.

Das ist ein Problem, wenn sich die Staatsregierung Regeln ausdenkt, die mehr Chaos stiften als Klarheit. Oder am Alltag der Betroffenen völlig vorbei gehen. Dann kostet die Infektionsschutzverordnung Nerven oder Geld. Gartencenter durften zum Beispiel am 20. April wieder öffnen, zunächst zählten auch Blumenläden dazu. Dann doch nicht, Floristen mussten eine Woche warten. Ergebnis? Verwirrung und Umsatzausfall.

Oder: Als nach Pfingsten alle Schüler zurück in die Klassen gingen, rechneten Beamte detailliert aus, welche Mengen Desinfektionsmittel welche Schule bekommen soll. Blöd nur, dass erst nach der Auslieferung auffiel, wie gefährlich das Zeug ist. Es durfte an Schulen nicht gelagert werden.

Das Chaos um die Abiturfeiern ist nur das jüngste Beispiel: Wochenlang rätselten die Chefs der 430 Gymnasien, ob die Zeugnisverleihung der Abiturienten an diesem Freitag unter Paragraf 5 oder 16 der Infektionsschutzverordnung fällt. Mindestzahl an Menschen oder Abstandsgebot? Wer im Kultusministerium nachfragte, bekam eine Einschätzung - und machte, was für die eigene Schule passt. Die offizielle Ansage folgte eine Woche vor den Feiern. Zu spät. Die Feste waren geplant, die Einladungen verschickt.

Dieses Auseinanderklaffen von Bürokratie und Alltag kann in der Krise schon mal passieren. Aber die Corona-Krise dauert schon vier Monate und der Verordnungsmodus wird weitergehen. Damit die Bevölkerung weiter mitmacht im Kampf gegen das Virus, muss die Staatsregierung neue Regeln intensiver auf Alltagstauglichkeit prüfen. So viel Zeit muss auch in der Krise sein.

© SZ vom 17.07.2020/lfr

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