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Wellness während Corona:Sauna ohne Saubären

EstonianSaunas company owner Rang enjoys sauna in Kunka

Das Schwitzen alleine klingt verockend.

(Foto: REUTERS)

Corona-Regeln mögen ja an der einen oder anderen Stelle auf Gegenwehr stoßen. Doch beim gemeinsamen Schwitzen werden sie geradezu eine Wohltat sein.

Kolumne von Johann Osel

Geht es um Wohlfühlkultur des Körpers, waren sie in Niederbayern immer schon vorne dabei. In Bad Füssing, Bad Griesbach und anderen Kurorten der Region setzen sie seit Jahrzehnten auf den Gesundheitstourismus, mit Erfolg. Gerne ideenreich und progressiv, etwa bei der gemischten Sauna, für Katholiken und Protestanten, dann auch für Frau und Mann. Jetzt in der Corona-Krise, wo die Angst vor Fußpilz im Nassbereich zweitrangig ist, preschen die Niederbayern wieder vor. Baden in geschlossenen Thermen und Saunieren haben in Bayern noch keine Öffnungsperspektive, die Sorge um Wohlstand und Jobs in Kurgemeinden ist enorm. Im Verbund haben sie nun ein Hygienekonzept erstellt und werben damit in der Politik. Näheres Augenmerk lohnt vor allem auf die Saunen.

Ein heikler Bereich, wegen womöglich infektiöser Tröpfchen in der Luft. Aber es zeichnet sich ab: Wenn es so weit ist mit der Öffnung, wird es großartig - mit Regeln, die man sich schon immer wünscht. Eine Sauna ohne Saubären. Mehr Platz, mehr Anstand lauten die Kernpunkte. All die Verfehlungen von Mitsaunierenden, denen alles schweißegal ist und die einen bei 90 Grad auf 180 bringen, werden verpönt sein. Ungeduscht saunieren, Handtuch vergessen, Sperenzchen machen anstatt sich ruhig zu erholen, Abreiben mit den Händen, das einem Rasensprinkler gleicht, übertriebenes Atmen, als stünde die Niederkunft von Drillingen an - wird alles nicht geduldet sein und von zusätzlichem Personal wohl streng unterbunden.

Und erst der Platz: begrenzter Zugang, vielleicht gar mit markierten Sitzflächen. Ein Ende des Fleischbergs, in den sich immer weitere Gäste hineinpressen, als ginge es um eine Wie-viele-Leute-Aktion bei "Wetten, dass". Kein Ärger mehr über glitschige Hände und Knie im Rücken (hoffentlich waren es stets Hände und Knie). Handtuchwedeln beim Aufguss fällt ebenfalls aus. Es ist eh eine schreckliche Veranstaltung, wenn es heißer wird als die Hölle und da einer mit Feuertropfen Unschuldige piesackt. Keiner hat etwas von der Show, außer dem Saunameister, der die Bauchmuskeln zeigen kann. Dass nach der Tortur oft applaudiert wird, ist unerklärlich (es sind wohl jene Leute, die auch im Flieger zur Landung klatschen). Doch Klatschen ist ebenso wenig coronatauglich. Es wird die beste Sauna aller Zeiten.

© SZ vom 29.05.2020/lfr
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