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Bayern rüstet sich:Kliniken schaffen zusätzliche Intensivbetten

Coronavirus: Feldbetten in Turnhalle in Deggendorf

Viele Kommunen bereiten sich vor, sollte es mehr Kranke geben. In der Turnhalle des Deggendorfer Gymnasiums stehen die Feldbetten schon bereit.

(Foto: oh)

Auch Reha-Kliniken bereiten sich auf den Ansturm von Corona-Patienten im Laufe dieser Woche vor

Vergangenen Mittwoch hat Christian Bernreiter ein Schreiben an alle Landräte verschickt. Er wolle die Kollegen "ermutigen, entschieden zu handeln", schrieb der Präsident des Landkreistages, selbst Landrat von Deggendorf. Und Bernreiter wäre nicht Bernreiter, hätte er nicht schon angefangen zu handeln. Er ließ 200 Feldbetten in die Turnhalle des Deggendorfer Robert-Koch-Gymnasiums karren. Man müsse bereit sein für ein "Überlaufen" der Kliniken in der Corona-Krise. Man kennt diese Wortwahl. Als im Sommer 2013 in Deggendorf die Donau überlief, ging der CSU-Mann als Krisenmanager voran. Auch im Sommer 2015, als die Flüchtlinge kamen, gehörte Bernreiter zu den ersten Landräten, die Zelte aufstellen ließen und Feldbetten. Nun also Corona.

An diesem Montag klingt Bernreiter wieder etwas ruhiger. Derzeit habe man "fast überall deutlich freie Kapazitäten" in den Kliniken. Aber man müsse "gewappnet" sein, sagt er. Deshalb sein Schreiben und die Feldbetten in der Deggendorfer Schulturnhalle. Sollten die Kapazitäten wirklich eng werden, müsse man zuerst auf die Betten in Reha-Kliniken zugreifen. Dort gebe es die nötigen Hygienebedingungen, Pflegepersonal sei auch da. Im Notfall müsse man Reha-Kliniken oder auch Hotels "beschlagnahmen". Im Notfall, die Betonung ist Bernreiter wichtig. Im Moment, sagt er, seien Bayerns Kliniken noch überwiegend gut aufgestellt.

Dies ist auch ein Ergebnis eines Treffens am Montag in der Staatskanzlei, bei dem Ministerpräsident Markus Söder gemeinsam mit der Gesundheitsministerin Regierungspräsidenten und kommunale Spitzenvertreter traf. Es gehe nun darum, sagte Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl im Anschluss, die nächste Stufe zu planen: Nach den Ausgangsbeschränkungen, die die Ausbreitung des Virus beschränken sollen, müsse die Gesundheitsversorgung auch bei steigenden Patientenzahlen sichergestellt werden. Deshalb werde es im Laufe der Woche eine neue Allgemeinverfügung geben, wonach weitere Plätze zur Versorgung Erkrankter in krankenhausnahen Einrichtungen wie Reha-Kliniken oder Schönheitskliniken geschaffen werden können. Das Vorgehen solle zwischen den einzelnen Landkreisen koordiniert werden, sagte Gribl, der am Montag in seiner Funktion als Präsident des Städtetags auch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn telefonierte. Die Zahl der Intensivbetten solle in jeder Region verdoppelt werden, es solle sichergestellt werden, dass Patienten bei entsprechender Genesung auch schnell wieder verlegt werden können, um Kapazitäten zu schaffen.

Michael Kelbel, Geschäftsführer des Krankenhauses Agatharied, bestätigte, dass es im Kreis Miesbach aktuell den Plan gebe, weitere Plätze für Corona-Patienten in einer der Reha-Einrichtungen im Kreis Miesbach zu schaffen. "Es sieht ganz vielversprechend aus, dass wir da zwischen 50 und 100 Betten schaffen können. Die entscheidenden Gespräche mit den Behörden haben am Montagnachmittag begonnen.

Von "Beschlagnahmungen" allerdings, wie es Landrat Bernreiter nannte, ist man vielerorts noch weit entfernt, auch in Nürnberg. Mittelfranken ist von allen Regierungsbezirken in relativen Zahlen bislang ohnehin am geringsten von der Krise betroffen. Intensivmedizinisch wurden in Nürnberg am Montag nur drei Patienten wegen einer Corona-Infektion behandelt. Man sei aber auf der Hut, sagt Kliniksprecher Bernd Siegler: So erhalten Pflegekräfte, die früher in der Intensivmedizin tätig waren, Auffrischungskurse. Stationen werden umgerüstet, nicht notwendige OPs verschoben. Derzeit hat das städtische Klinikum 140 allgemeine Intensivbetten, 16 zusätzliche Intensivbetten wurden bereits eingerichtet, notfalls kann man 100 weitere hinzufügen. 800 normale Betten wurden für die Versorgung von Covid-19-Patienten freigeräumt. Alles das macht die Stadt gebremst optimistisch, an schlimmen Zuständen vorbeizukommen: "Turnhallen werden keine vorbereitet", sagt Stadtsprecher Siegfried Zelnhefer.

Bayrischer Flüchtlings-Kongress

Christian Bernreiter (CSU), Präsident des Landkreistages, hat Bayerns Landräte aufgefordert, sich zu wappnen, falls in der Corona-Krise die Klinikbetten knapp werden sollten.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Trotzdem herrscht auch im fränkischen Ballungsraum Alarmbereitschaft. "Es wird ein Marathon, und eigentlich sollte man den nicht mit einem Sprint beginnen", sagt Manfred Wagner, Medizinischer Direktor am Klinikum Fürth und Leiter des Krisenstabs. Ähnlich wie im Allgäu hat man auch dort Container aufgestellt, in denen festgestellt wird, wer in die Zentrale Notaufnahme muss und wer andernorts behandelt werden kann. Das Klinikum plant gerade die Verdoppelung der Intensivbetten auf mehr als 60 Stück, Konzepte für diverse Eskalationsstufen werden entworfen. Man überlege sich Szenarien, sagt Wagner, "die hätte man sich vor Kurzem noch nicht vorstellen können".

Es gibt neben Deggendorf aber auch andere Orte, die nicht nur auf Reha-Kliniken oder ähnliche Einrichtungen zurückgreifen wollen: Weiden etwa plant ein Behelfskrankenhaus, zwei Turnhallen wurden mit 40 Betten ausgestattet. Die Mensa wurde als Aufenthaltsbereich und für die Essensausgabe vorbereitet. Und der Landkreis Erding will im ehemaligen Warteraum Asyl auf dem Gelände des Fliegerhorstes Erding sogar ein Notkrankenhaus mit 1000 Betten einrichten, um dort am Coronavirus erkrankte Personen zu versorgen. Die finale Entscheidung dazu, hieß es am Montag, stehe allerdings noch aus. Das Gesundheitsamt am Landratsamt Erding ist auch für den Flughafen zuständig und muss entsprechend mit zahlreichen Passagieren rechnen, die neu ankommen und infiziert sind.

© SZ vom 24.03.2020 / FFU, GLA, DM, PRZ
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