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Coronavirus:Große Kliniken können auf die steigenden Patientenzahlen besser reagieren

Bei Berger haben sie mehr als 20 Intensivbetten auf der Station, aber nur vier davon sind Isolierboxen. Das sind abgeschottete Zimmer, in denen es eine spezielle Lüftung gibt und eine Schleuse, in der man sich umziehen kann. Da müssten die Corona-Patienten eigentlich rein. Vier Boxen aber sind schnell voll. Außerdem sei die Station jetzt auch schon gut ausgelastet. "Es gibt trotz Corona nicht weniger Patienten, die eine Hirnblutung haben, einen Schlaganfall oder einen Tumor im Kopf", sagt Berger.

Die Intensivbetten, die sie haben, seien fast immer belegt. Und vier davon müssten sie eh meist sperren, denn "wir sind zu wenig Personal", sagt Berger und lässt eine Kunstpause. Ja, jetzt schon. Und dann zitiert sie einen Professor der Berliner Charité, wie es mit Corona werden soll. 70 bis 90 Prozent aller Pflegekräfte werden in den nächsten zwei Jahren mit Corona infiziert. Das habe er gesagt. "Also praktisch alle", sagt Berger. Wenn in größerer Zahl Pflegekräfte und Mediziner nicht mehr arbeiten könnten, weil sie selbst infiziert sind, dann wird die Lage auch aus Sicht des Miesbacher Klinik-Geschäftsführers Kelbel "spannend".

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Der bayerische Influenzapandemieplan schlägt den Kliniken vor, Mediziner aus dem Ruhestand zu holen, um Personalsorgen zu lindern. Weitere Plätze könnten notfalls "durch die Einbeziehung anderer Stationen" oder durch die Umfunktionierung "von OP-Sälen oder Normalstationen" geschaffen werden. Generell gilt: Große Kliniken haben hier mehr Spielraum, können also auf steigende Patientenzahlen besser reagieren als ihre kleineren Pendants.

Zugleich könnte es in der aktuellen Lage hilfreich sein, dass es immer noch vergleichsweise viele kleinere, unabhängige und räumlich getrennte Krankenhäuser gibt, obwohl die Zahl der Kliniken im Land auch von der Politik seit langem als deutlich zu groß erachtet wird. Dabei sank die Zahl aller Klinikbetten in Bayern schon in den vergangenen 30 Jahren von 87 000 auf derzeit 73 000. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Patienten je 100 000 Einwohner von rund 18 800 auf 23 000.

"Problematisch ist, dass die Verfügbarkeit von Intensivtherapiebetten und Beatmungskapazitäten regional stark variiert", heißt es im Pandemieplan für die Influenza. Gleiches gilt jetzt für Corona. Zwischenzeitlich hat die Staatsregierung erwogen, ein Krankenhaus in der Nähe des Münchner Flughafens zu einer reinen Corona-Klinik zu machen. Ministerin Huml bestätigte am Freitag diese Pläne, die aber wieder verworfen worden seien.

Den Vorschlag der Gesundheitsministerin, nicht speziell dafür ausgebildete Pflegekräfte aus anderen Abteilungen in die Intensivstationen zu schicken, hält etwa Lisa Berger für schwierig bis fahrlässig, zumal das ohnehin viel zu knappe vorhandene Intensivpersonal nicht auch noch nebenbei per Schnellkurs Kollegen einarbeiten könne. Außerdem brauche es für einen Ausbau der Intensivpflege beispielsweise Überwachungsmonitore und Beatmungsgeräte, für die man schon jetzt mehrere Wochen auf Ersatz warten müsse, wenn einmal eines kaputt gehe.

Während die Staatsregierung ihre Maßnahmen ankündigte, stieg in Bayern die Zahl der Betroffenen. Dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zufolge wurden bis Freitag bereits mindestens 558 Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Eingerechnet sind die ersten 14 Infizierten, die inzwischen als kuriert gelten, sowie drei Bayern, die außerhalb des Freistaats positiv getestet wurden.

© SZ vom 14.03.2020/lfr
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