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Coronavirus:Wenn die Abifeier ausfällt

ABI 2020 unter Coronabedingungen - Gym Vaterstetten.

Gala ohne krönenden Abschluss: die Abifeiern fielen dieses Jahr eher bescheiden aus.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Wie wichtig das inoffiizielle Beisammensein nach einer offiziellen Veranstaltung ist, merkt man möglicherweise erst, wenn es nicht mehr stattfinden kann.

Kolumne von Franz Kotteder

Offizielle Feierstunden haben immer einen besonderen Charme: Einerseits will, ja muss man unbedingt dabeisein. Andererseits kann es auch anstrengend werden, wenn man ehrlich ist. Letzterer Halbsatz ist übrigens doppeldeutig: Feierstunden verlaufen ja nur dann reibungslos, wenn man es mit der Ehrlichkeit nicht so genau nimmt. Für alles andere - ausgelassen feiern, rückhaltlos ablästern - gibt es das "gemütliche Beisammensein" im Anschluss.

Insofern hatten die bayerischen Abiturienten es heuer mit besonderen Härten zu tun. Erst die formale Feierstunde mit Zeugnisübergabe, meist im Freien mit Sicherheitsabstand, womöglich auch noch mit Regenschauer. Die wenigsten Schulen sind so gut ausgestattet wie die bayerische Staatsregierung, die über weitläufige Innenräume in Schlössern verfügt, in denen man stilvoll (und seuchensicher) tagen kann, wenn Besuch kommt.

Schwerer dürfte aber wiegen, dass das gemütliche Beisammensein oft entfiel, wenn man es als Abi-Jahrgang nicht auf die Reihe bekam, dieses selbst zu organisieren. Denn nach zwölf gemeinsamen Jahren (gut, manchmal sogar 13 oder 14) wäre es natürlich schon angebracht, die offizielle Darstellung im Anschluss zu relativieren, um Dampf abzulassen.

Ja, und was wird nun aus dem ganzen aufgestauten Dampf? Sind die Abiturreden nicht ganz so weihevoll ausgefallen wie sonst (es gibt Anzeichen dafür)? Manche der zur Hochschulreife Gelangten verbannten sogar, tief enttäuscht, das Söderplakat aus ihrem Jugendzimmer! Bei anderen mag der Widerspruchsgeist wachsen und sie schließen sich, endlich, den freitäglichen Schulstreiks an. Irgendwie muss es ja raus!

Bald schon aber werden sie sich nicht mehr halten an das, was Hubert Aiwanger ihnen rät, werden Kumpel an Kumpel hocken wie die Hühner auf der Stange. Werden dem Hubert Wischmopps um die Ohren hauen und halbe Brathendl, denn das Rechnen haben sie gelernt, obwohl Kultusminister Michael Piazolo bei den Freien Wählern ist. Sie werden vegane Bauarbeitertrupps gründen, die es nicht vom Gerüst semmelt, obwohl sie nie Tönnies-Fleisch essen. Alte Gewissheiten gelten halt nichts mehr. Und wenn wir es richtig sehen, dann bereitet einer in der Staatsregierung sogar schon seine Flucht nach Berlin vor.

© SZ vom 18.07.2020/lfr
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