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BRK-Sprecher zu Test-Pannen:"Wir wollten von Anfang an eine digitale Erfassung"

BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi zu Corona-Test-Pannen, Bayern

BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi.

(Foto: OH)

Die Pannen in Bayern wurden auch damit erklärt, dass Ehrenamtliche die Teststationen betrieben hätten. Das sei ein "starkes Stück und schlicht nicht fair", sagt Sohrab Taheri-Sohi, Sprecher des Bayerischen Roten Kreuzes.

Interview von Lisa Schnell

Seit etwa zwei Wochen helfen die Ehrenamtlichen des Bayerischen Roten Kreuzes an den Testzentren in Bayern aus. Sind sie mitverantwortlich für die Testpannen? Ihr Sprecher Sohrab Taheri- Sohi widerspricht vehement.

SZ: Die Testpanne in Bayern wurde auch damit erklärt, dass Ehrenamtliche die Teststationen betrieben hätten. Sind Ihre Leute schuld?

Sohrab Taheri-Sohi: Das ist schon ein starkes Stück und schlicht nicht fair. Den Eindruck zu erwecken, die Panne hätte nur ansatzweise an den Ehrenamtlichen gelegen, weil sie die Formulare zu schlampig ausgefüllt hätten, ist falsch. Die Formulare waren eine Vorgabe der zuständigen Landesbehörde (LGL), da eine softwarebasierte Lösung aufgrund der Kürze der Zeit nicht zur Verfügung gestellt werden konnte. Es ist nicht unsere Aufgabe, dem LGL eine digitale Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.

Nach diesen Andeutungen: Wie hoch ist da die Motivation noch?

Ich spüre eine Enttäuschung bei den Ehrenamtlichen. Es ist unsere Aufgabe zu helfen - und das haben wir in diesem Fall auf einmalige Art und Weise. Hier, wenn auch nur unterschwellig, Kritik zu hören, wird der enormen Belastung der Einsatzkräfte nicht gerecht. Die Arbeit in den Schutzanzügen ist extrem. Das ist, wie wenn man bei 38 Grad einen Skianzug ohne Luftzufuhr tragen müsste. Da sind solche Äußerungen sehr unglücklich.

Und jetzt stellt sich raus, dass ein Großteil der Arbeit vielleicht nicht den erhofften Zweck erfüllt hat, weil die Testergebnisse nicht oder zu spät ankommen.

Das ist sehr unbefriedigend.

Wer ist also schuld an der Panne?

Es gibt eine Landesgesundheitsbehörde, die von sich behauptet hat, sie sei nicht zuständig und bei Beschwerden an uns verwiesen hat. Das sehen wir anders. Fest steht, dass die Hilfsorganisationen Dienst nach den Vorgaben gemacht haben und ihnen keine Schuld zukommt. Wir haben von einem Tag auf den nächsten fünf Teststationen aus dem Boden gestampft. Und wir wollten von Anfang an eine digitale Erfassung.

Musste es also zu schnell gehen?

Man hätte einer guten Idee einfach mehr Reifezeit geben sollen, dass auch die behördlichen Strukturen der hohen Anforderung angepasst werden können. Dann hätte es vielleicht eine Software gegeben, mit der viele Fehler ausbleiben würden.

Sie haben schon letzte Woche von bis zu 150 Beschwerden am Tag berichtet, die Staatsregierung sagt aber, sie hätte von den Verzögerungen erst am Mittwoch erfahren. Wie kann das sein?

Wir haben tägliche Statusberichte an die zuständigen Ministerien gesandt, aus diesen gingen selbstverständlich auch solche Meldungen hervor. Wir haben frühzeitig und engmaschig über Entwicklungen an den Stationen berichtet. Dazu sehen wir uns als verlässlicher Auftragnehmer verpflichtet.

Es heißt: Man wurde von der hohen Nachfrage überrollt?

Wir waren auf einen noch viel größeren Ansturm vorbereitet. Unsere Teststationen waren insgesamt ausgelegt, am Tag bis zu 16 000 Tests durchzuführen. Somit waren wir gut vorbereitet und dem Ansturm auch personell gewachsen.

Sie haben von einem "Reputationsschaden" für das BRK gesprochen. Wie groß ist der?

Gute Frage. Es bleibt sicher ein negativer Beigeschmack. Deswegen versuchen wir jetzt aufzuklären. Aber wir bereuen nicht, geholfen zu haben. Wir haben auch viel Dankbarkeit erlebt.

© SZ vom 14.08.2020/gal
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