bedeckt München 28°

Wohnen und Corona:Studentenbuden im Überfluss

TU München bleibt Exzellenzuniversität

In vielen Studentenwohnheimen in Bayern sind zahlreiche Appartements frei.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Normalerweise ist die studentische Wohnungssuche eine echte Odyssee. Doch in dieser Zeit ist die Normalität eine andere.

Odyssee - das war das böse Wort, das man im Zusammenhang mit der studentischen Wohnungssuche oft hören konnte. Konkret: Schlange stehen und doch leer ausgehen, obwohl es nur ein umkleidekabinengroßes Kabuff zum Wucherpreis wäre; nervige Castings in WGs, wo die potenziellen Mitbewohner allerlei Bosheiten aufbieten; das Notsofa bei Freunden oder das Matratzenlager im Keller des Studentenwerks. Letzteres wäre in Corona-Zeiten schwer darstellbar, aber man ist bei einem Reizthema angelangt, einem Phänomen der Zimmerknappheit: der Warteliste. Wer auf diesem verschriftlichten Mysterium steht, dem bleibt ja allenfalls ein Funke Hoffnung, dass es klappt mit der günstigen Bude. Es ist erst ein halbes Jahr her, da ermittelten Medien: "Hier warten Studierende am längsten auf ein Zimmer im Wohnheim." Kurz war's quasi nirgends.

Eben nicht lange her und doch in Corona-Verhältnissen fast Zeitgeschichte, ein Stück altes Leben. Wegen der Krise können viele Studenten aus dem Ausland gerade nicht einreisen oder sind vorzeitig in die Heimat zurück, andere haben ihre Pläne über den Haufen geworfen. Daher stehen in Wohnanlagen zum Beispiel in Ostbayern jetzt sogar Zimmer leer, meldet das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz. Unter anderem seien in den historischen Altstadtanlagen in Regensburg Plätze frei - schöner geht's ja kaum. Auch in Deggendorf, Landshut, Passau und Straubing seien nicht alle Buden belegt. Schüler und Azubis könnten sich zur Zwischenmiete einbuchen.

Ähnlich die Lage in Augsburg: In Wohnheimen in der Fuggerstadt sind zahlreiche Appartements frei - erstmals seit 50 Jahren, wie die Augsburger Allgemeine meldet. Der Trend dürfe laut Studentenwerk den Sommer über anhalten, "ein historisches Novum". Zumindest vom Abschmelzen der Wartelisten ist gerade vielerorts die Rede. Viele Studentenwerke sind in Sorge wegen wegbrechender Mieteinnahmen. Das Geld ist meist schon verplant, etwa auch für in Zukunft dringend benötigte Neubauten.

Denn irgendwann ist diese Krise vorbei, schon im Wintersemester könnte die lange Warteliste wieder überall Standard sein. Ein Tipp aus Augsburg: Jetzt schon, während des digitalen Semesters, bewerben und umziehen. Die Krise könnte in dem Fall ja eine einmalige Chance sein.

© SZ vom 02.06.2020/huy

Mensen in Corona-Zeiten
:"Uns fehlen einfach die Gäste"

Nur langsam können die Uni- und Schulmensen ihren Betrieb wieder aufnehmen. Betreiber und Zulieferer plagen große Umsatzeinbußen.

Von Sabine Buchwald

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite