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Corona-Krise:Diese Regeln gelten in Bayern

Coronavirus - München - Maskenpflicht

Eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen wie hier in der Münchner Fußgängerzone soll es künftig an Corona-Hotspots in Bayern geben.

(Foto: dpa)

Mehr Maske, weniger Kontakte: In den vielen Corona-Hotspots greifen schärfere Vorschriften. Ein Überblick darüber, welche Einschränkungen es wo und wie lange gibt.

Von Max Ferstl und Kassian Stroh

Angesichts steigender Zahlen von Corona-Infektionen hat Bayern die Vorschriften für Corona-Hotspots deutlich verschärft. Betroffen sind Kommunen und Landkreise, deren Sieben-Tage-Inzidenzwert über 35, 50 oder 100 liegt. Dort soll künftig die Maskenpflicht viel häufiger gelten als bisher; auch die Gastronomie wird eingeschränkt und die Zahl der erlaubten Kontakte reduziert. Diese unterschiedlichen Stufen werden in der sogenannten Corona-Ampel dargestellt. Für Kommunen, die unterhalb der Marke von 35 liegen, gelten weiterhin die landesweiten Regeln, zum Beispiel der Mindestabstand von 1,5 Metern oder die Maskenpflicht in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr. Ein Überblick über die Regeln, die jetzt gelten, und die Bereiche, in denen es Verschärfungen oder Lockerungen gibt:

Corona-Ampel: Lokale Einschränkungen bei vielen Neuinfektionen

Gelb: Bei einer Überschreitung von 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen gilt in der Gastronomie eine Sperrstunde von 23 Uhr an. Außerdem darf ab der Uhrzeit kein Alkohol mehr verkauft und auf öffentlichen Plätzen getrunken werden. Private Feiern und alle Kontakte (im öffentlichen wie im privaten Raum) werden in diesen Kommunen auf zehn Teilnehmer oder die Mitglieder zweier Haushalte begrenzt - das gilt auch für Treffen und Feiern in Gaststätten. Die Maskenpflicht gilt ab der fünften Klasse auch im Unterricht, auf belebten öffentlichen Plätzen, in öffentlichen Gebäuden (etwa im Eingangsbereich, im Lift oder im Flur), in Freizeiteinrichtungen und Kulturstätten - sowie bei Kongressen und Kulturveranstaltungen auch wieder am Platz. In Betrieben gilt eine Maskenpflicht am jeweiligen Arbeitsplatz, wenn dort der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, sowie auf "Begegnungsflächen" (also etwa im Aufzug oder auf dem Flur).

Rot: Sobald die Sieben-Tage-Inzidenz den Wert von 50 übersteigt, muss der jeweilige Landkreis oder die kreisfreie Stadt die Sperrstunde und das Alkoholverkaufs- und -konsumverbot auf 22 Uhr vorziehen und private Feiern und Kontakte auf fünf Teilnehmer oder Mitglieder zweier Haushalte beschränken. Die Maskenpflicht gilt dort dann auch im Unterricht in den Grundschulen und in Horten.

Dunkelrot: Steigt die Sieben-Tage-Inzidenz auf einen Wert von mehr als 100, so wird die Sperrstunde in diesen Kreisen und kreisfreien Städten auf 21 Uhr vorgezogen. Zusätzlich gilt, dass bei Veranstaltungen aller Art nicht mehr als 50 Teilnehmer dabei sein dürfen, bei Sportveranstaltungen nicht mehr als 50 Zuschauer. Ausgenommen davon sind Gottesdienste und Demonstrationen.

Grün: Liegt die lokale Sieben-Tage-Inzidenz unter 35, so gelten vor Ort keine speziellen Einschränkungen, sondern die allgemeinen, landesweiten Regeln - wie im Folgenden beschrieben.

Welche Kommunen im gelben, roten oder dunkelroten Bereich liegen, veröffentlicht das bayerische Gesundheitsministerium täglich ab 15 Uhr aktualisiert auf seiner Internetseite. Die verschärften Regeln gelten dort auch noch fünf weitere Tage lang, nachdem der kritische Wert wieder unterschritten wurde.

Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht

In Bayern gilt nach wie vor generell eine Kontaktbeschränkung. Jeder ist grundsätzlich verpflichtet, möglichst wenige Menschen zu treffen, die nicht mit ihm zusammenleben, und dabei einen Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. War es bis Mitte Juni nur erlaubt, die engere Familie zu treffen und zu besuchen oder Angehörige eines weiteren Hausstands, so ist die Regel inzwischen: Für Treffen daheim gibt es seitdem keine Beschränkungen oder Höchstzahlen; man soll sich aber auch dort an den Mindestabstand halten. Im öffentlichen Raum dürfen sich Gruppen von bis zu zehn Menschen treffen, unabhängig davon, ob sie verwandt sind oder mit wem sie zusammenleben. In öffentlichen Parks und auf Plätzen darf seit dem 2. September wieder gegrillt werden - auch hier gilt weiter der Mindestabstand. Bei Verstößen gegen die Kontaktbeschränkungen kann ein Bußgeld erhoben werden.

In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens gilt seit dem 27. April eine Maskenpflicht - in Geschäften, öffentlichen Verkehrsmitteln, Arztpraxen, Altenheimen und vielen mehr. Man muss dort aber keine richtige Schutzmaske tragen, es reicht eine Bedeckung von Mund und Nase, die man sich auch selber nähen kann, ein Schal oder Tuch. Zugleich müsse der Mindestabstand von 1,5 Metern unbedingt weiter eingehalten werden, fordern Experten.

Eine Bedeckung tragen muss jeder ab dem sechsten Geburtstag. Wer das nicht tut, muss 250 Euro im einmaligen Fall und 500 Euro Strafe bei Wiederholung zahlen. Die Polizei und das Personal in Bussen und Bahnen sollen kontrollieren, dass die Maskenpflicht eingehalten wird. Im Nahverkehr heißt das konkret: Die Maskenpflicht gilt nicht nur in Bussen, Bahnen oder Taxis, sondern auch beim Warten an der Haltestelle oder am Bahnsteig.

Gastronomie und Tourismus

In Speiselokalen und Biergärten gelten diverse Hygieneregeln: An einem Tisch zusammensitzen darf, wer sich nach den Regeln der Kontaktbeschränkungen treffen darf - also Verwandte und Angehörige zweier Haushalte oder Gruppen von bis zu zehn Personen. Ansonsten gilt der Mindestabstand von 1,5 Metern. Gäste müssen ihren Namen und ihre Adresse angeben und dürfen den Mundschutz nur am Tisch ablegen, das Servicepersonal muss eine Atemmaske tragen.

Wer in einem Restaurant einen falschen Namen in eine Gästeliste einträgt, muss mit einem Bußgeld von bis zu 250 Euro rechnen. Wirte werden zudem dazu aufgefordert, die Plausibilität der Angaben ihrer Gäste zu kontrollieren. Und wenn sie die Daten nicht sorgfältig erfassen, droht ihnen ein Bußgeld von 1000 Euro.

Nach monatelanger Corona-Zwangspause dürfen seit dem 19. September Bars und Kneipen in Bayern wieder öffnen - unter Auflagen: Dabei sollen für Schankwirtschaften die gleichen Regeln gelten wie für Speisewirtschaften, zudem muss in geschlossenen Räumen die Bedienung am Tisch erfolgen. Seit dem 19. Oktober gilt teils auch eine Corona-Sperrstunde, allerdings erst bei einem Inzidenzwert von mehr als 35 von 23 Uhr an, bei einem Wert über 50 bereits ab 22 Uhr, bei einem Wert von 100 oder meh ab 21 Uhr (siehe oben). Bei Orten, die keine sogenannten Hotspots sind, greift die Regelung nicht. Generell geschlossen bleiben Discos und Clubs.

In Wirtschaften darf man grundsätzlich auch in größerer Runde einen Geburtstag, eine Hochzeit oder den Schulabschluss feiern. Auch Vereine oder Parteien dürfen sich treffen. Für solche Treffen und Feiern gilt als zulässige Teilnehmer-Höchstzahl: 100 Personen in Innenräumen und 200 im Freien. Dies gilt auch, wenn die Feier nicht in einem gastronomischen Betrieb über die Bühne geht. Findet sie in einer Wirtschaft in einem eigenen Raum für eine geschlossene Gesellschaft statt, so gilt als Sonderregel: Die Gäste dürfen ohne Mindestabstand tanzen und Spiele veranstalten, sie dürfen die Maske ablegen, selbst wenn sie zwischen den Tischen wechseln. Den Mindestabstand einzuhalten, wird zwar von der Staatsregierung empfohlen, hier aber nicht vorgeschrieben.

Hotels dürfen Touristen beherbergen, allerdings keine Gruppen; für Campingplätze gilt dasselbe. Das Beherbergungsverbot von Gästen, die aus Corona-Hotspots anreisen und keinen negativen Corona-Test vorzeigen können, hat der Freistaat Bayern zum 17. Oktober wieder abgeschafft. Eine Obergrenze für die Zahl der Gäste gibt es in den Hotels nicht, wohl aber strenge Hygieneauflagen. Gemeinsam in ein Zimmer darf zum Beispiel, wer sich auch sonst nach den Regeln der Kontaktbeschränkungen treffen darf. Bei Büfetts gibt es Einschränkungen. Saunen oder Schwimmbäder dürfen die Hotels öffnen - unter Beachtung von Hygieneregeln.

Tagungen, Kongresse oder ähnliche Veranstaltungen, "die beruflich oder dienstlich veranlasst sind", sind erlaubt. Für sie gelten dieselben Vorgaben (etwa eine Höchstzahl an Teilnehmern) wie für Kulturveranstaltungen. Messen sind in Bayern seit September wieder möglich.

Schulen und Kitas im Regelbetrieb

In den Kindergärten, Horten oder Krippen gibt es wieder einen weitgehend regulären Betrieb unter Berücksichtigung von Hygieneregeln. Kinder mit Schnupfen und laufender Nase sind nicht automatisch vom Kita-Besuch ausgeschlossen. Allerdings hat die Staatsregierung für den Fall steigender Infektionszahlen Einschränkungen vorgesehen. Einrichtungen für einige Zeit ganz zu schließen, soll in jedem Fall die letzte Option sein.

Auch an den Schulen findet wieder annährend normaler Unterricht statt, dabei gelten Hygienemaßnahmen. Sollten in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt binnen sieben Tagen mehr als 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner auftreten, so wird eine Maskenpflicht ab der fünften Klasse im Unterricht verhängt. Steigt dieser Wert, die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, auf mehr als 50, soll sie auch im Grundschulunterricht gelten - und dazu im Klassenzimmer ein Mindestabstand von 1,5 Metern. Das heißt in den meisten Fällen: Die Klasse muss geteilt werden, die Schüler gehen wechselweise in die Schule und bleiben zu Hause (Distanzunterricht). Die Entscheidung darüber wird in den einzelnen Kommunen getroffen.

An den Hochschulen und Universitäten will die Staatsregierung vom Wintersemester an auch wieder Präsenzveranstaltungen ermöglichen - und zwar generell als reguläre Form. An Seminaren oder Vorlesungen sollen aber maximal 200 Menschen teilnehmen dürfen.

Spezielle Regeln für Berufspendler

Für Berufspendler aus ausländischen Risikogebieten gilt seit dem 23. Oktober eine Testpflicht: Wer "regelmäßig mindestens einmal wöchentlich nach Bayern einreist, um sich dort aus beruflichen oder geschäftlichen Gründen, zu Ausbildungszwecken oder zum Schul- oder Hochschulbesuch aufzuhalten", muss den Behörden vor Ort unaufgefordert binnen sieben Tagen und anschließend regelmäßig einmal pro Woche einen negativen Corona-Test vorlegen. So steht es in der Verordnung der Staatsregierung. Diese Verpflichtung wird voraussichtlich vor allem Berufspendler aus Österreich und Tschechien treffen.

Eingeschränkter Betrieb in Freizeiteinrichtungen

Theater, Kinos, Konzertsäle und andere Orte von Kulturveranstaltungen sind seit Mitte Juni wieder geöffnet. Für Veranstaltungen dort gilt eine Obergrenze von 200 Besuchern in geschlossenen Räumen und 400 Besuchern im Freien - sofern sie fest zugewiesene Sitzplätze bekommen. Andernfalls liegen die Obergrenzen bei 100 beziehungsweise 200 Personen. Alle Besucher von Veranstaltungen müssen beim Betreten und Verlassen des Gebäudes eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, dürfen sie aber abnehmen, wenn sie Platz genommen haben.

Gemeinsam musizieren dürfen Laienmusiker mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern (bei Blasinstrumenten: zwei Metern). Für Chöre gilt ein Mindestabstand von zwei Metern beim Singen, regelmäßige Lüftungsintervalle und eine Begrenzung der Probendauer.

Grundsätzlich haben alle Freizeiteinrichtungen wieder offen, zum Beispiel Museen, Galerien, Bibliotheken, Ausstellungen, Fitnessstudius und Tanzstellen. Es gelten aber Einschränkungen, etwa eine begrenzte Zahl von Besuchern.

Was beim Sport aktuell möglich ist

Sogenannter kontaktloser Einzelsport wie Tennis, Leichtathletik, Golf und Segeln ist erlaubt, sowohl Training wie auch Wettkampf - und zwar nicht mehr nur im Freien, sondern auch in der Halle. Auch Reitunterricht ist möglich.

Die entsprechende Verordnung der Staatsregierung erlaubt auch Sport-Wettkämpfe in Hallen. Daran dürfen aktuell bis zu 100 Menschen teilnehmen, "bei gekennzeichneten Plätzen oder klar voneinander abgegrenzten Aufenthaltsbereichen" sogar 200.

Auch Ligaspiele im Amateur-Fußball und andere Breitensportwettkämpfe stattfinden. Zugleich wird den Vereinen erlaubt, im Rahmen der Corona-Hygiene-Regularien ähnlich wie bei Kulturveranstaltungen eine begrenzte Anzahl von Fans zuzulassen. Das sind 200 Zuschauer im Innen- und 400 Zuschauer im Außenbereich. Der Profifußball im Freistaat muss dagegen vorerst weiter auf Zuschauer verzichten.

Für das Training in Mannschaftssportarten gilt: Teams dürfen trainieren, ohne dass es eine generelle Obergrenze gäbe. Die richtet sich im Einzelfall nach der jeweiligen Trainingsstätte. Auch Training mit Kontakt ist wieder möglich, wenn in festen Gruppen trainiert wird. Bei Kampfsportarten darf eine solche Trainingsgruppe nicht größer als fünf Personen sein.

Keine Großveranstaltungen bis auf Weiteres

Großveranstaltungen und Feste bleiben auch in Bayern weiter grundsätzlich untersagt. Zahlreiche Volksfeste, Veranstaltungen und Festivals sind dementsprechend abgesagt worden. Bund und Länder haben sich grundsätzlich darauf geeinigt, dass das bis Ende des Jahres so bleiben soll.

Besuche in Kliniken und Pflegeheimen erlaubt

Besuche in Krankenhäusern, Altenheimen und Behinderteneinrichtungen sind möglich. Vorgeschrieben sind aber weiter Mindestabstände, Hygieneregeln und ein Betretungsverbot bei Krankheitssymptomen.

Demonstrationen erlaubt - unter Bedingungen

Folgende Regeln gelten für Versammlungen und Demonstrationen: Sie sind nun generell wieder erlaubt, so lange alle Teilnehmer untereinander und auch zu Dritten (wie zum Beispiel Passanten) den Mindestabstand einhalten. Zudem gilt bei größeren Versammlungen unter freiem Himmel eine Maskenpflicht.

Die örtlichen Behörden müssen das gegebenenfalls durch Auflagen sicherstellen - oder indem sie eine Demo auf 100 Personen an einem festen Ort beschränken.

Auflagen für Gottesdienste

Religiöse Zusammenkünfte sind unter Auflagen erlaubt. Dazu gehört laut Staatsregierung ein Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen den Besuchern, sofern sie nicht in einem Haushalt zusammenleben. Beim Betreten oder Verlassen einer Kirche, Synagoge oder Moschee muss eine Mund-Nase-Bedeckung getragen werden. Zudem sind spezielle Hygieneregeln nötig - zum Beispiel: keine Berührung bei der Ausgabe der Kommunion, kein Kuss auf die Thora in der Synagoge, in den Moscheen soll jeder seinen Gebetsteppich und Koran selbst mitbringen, in den Kirchen das Gesangsbesuch.

© SZ.de/mmo/huy/vewo/amm
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