Coronavirus in Bayern:Inzidenz von 480 - und trotzdem alles möglich

Coronavirus - Situation in Rosenheim

In Rosenheim hat der Oberbürgermeister immerhin Faschingsbälle absagen lassen.

(Foto: dpa)

Neun der zehn Landkreise mit den bundesweit höchsten Corona-Fallzahlen liegen in Bayern. Verschärfte Maßnahmen sind jedoch meist nicht geplant. Kein Anlass zur Sorge also?

Von Rainer Stadler

Rosenheim hat vorgesorgt: Im Januar 2022 werde es keinen Neujahrsempfang geben, hieß es schon vor einer Woche in einer Mitteilung der 64 000-Einwohner-Stadt im bayerischen Voralpenland. Eine Veranstaltung "mit über 1000 Gästen" sei angesichts "der in den letzten Wochen wieder steigenden Inzidenzen und der hohen Belastung speziell der Intensivstationen unseres RoMed-Klinikums" nicht zu verantworten, findet Oberbürgermeister Andreas März (CSU). Auch mehrere Faschingsbälle hat die Stadt im bayerischen Voralpenland abgesagt. Derzeitige Sieben-Tage-Inzidenz: 353,8.

Anderswo sind keine Maßnahmen geplant, trotz noch höherer Fallzahlen. Siegfried Walch, als CSU-Landrat für den Kreis Traunstein zuständig, wandte sich am Freitag an die Öffentlichkeit und lobte die "insgesamt gute Entwicklung", die es erlaube, "ohne Lockdown durch diese Zeit zu gehen". Zu dem Zeitpunkt lag der Inzidenzwert bei 418, übers Wochenende kletterte er dann auf 480. Eine Sprecherin des Landratsamts gibt an, es seien keine Einschränkungen geplant. Im öffentlichen Leben sei alles möglich, "was unter der 14. Bayerischen Infektionsschutzverordnung ermöglicht wird".

Diese Verordnung gilt seit Anfang September und sieht vor, was sich im Alltag längst eingebürgert hat: Maskenpflicht in geschlossenen Räumen, 3-G-Regeln in Kinos, Theatern, Museen und Schwimmbädern bei einer Inzidenz von mehr als 35. Darüber hinaus gilt die sogenannte Corona-Ampel. Sobald bayernweit mehr als 1200 Covid-19-Kranke in einer Klinik aufgenommen wurden, können die Maßnahmen verschärft werden. Im Raum stehen dann: Kontaktbeschränkungen, die Pflicht, FFP2-Masken zu tragen oder eine Begrenzung der Teilnehmerzahl bei öffentlichen und privaten Veranstaltungen.

Einige Landkreise wollen keine schärferen Regeln - auch wenn das Ministerium sie empfiehlt

Davon ist aber selbst Bayern, das derzeit neun der zehn Landkreise mit den bundesweit höchsten Corona-Fallzahlen umfasst, noch weit entfernt. Bisher liegen nur 405 Patientinnen und Patienten coronabedingt im Krankenhaus. Und auch auf den Intensivstationen ist die Lage mit 339 Covid-19-Erkrankten noch überschaubar. Verschärfte Maßnahmen werden erst fällig, wenn diese Zahl auf 600 steigt.

Kein Anlass zur Sorge also? Der Traunsteiner Landrat Walch bemerkte, dass staatliche Einschränkungen nicht nötig seien, "weil wir eine hohe Immunisierungsquote haben". Das trifft allerdings nicht für seinen eigenen Landkreis zu, der lediglich auf 57 Prozent Erstimpfungen kommt. Deshalb rief er die Einwohner in seiner Region auf, sich impfen zu lassen. Ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums rät Kreisen mit "regional hohen Ausbruchsgeschehen", unabhängig von der landesweiten Krankenhausampel zu weiteren Schutzmaßnahmen.

Im oberbayerischen Mühldorf am Inn wurde, wie schon bei früheren Wellen der Seuche, das Gesundheitsamt aufgestockt. Das Testzentrum am Volksfestplatz habe nun auch samstags geöffnet, den Schulen des Landkreises sei empfohlen worden, "dass Schülerinnen und Schüler auf freiwilliger Basis Mund-Nasen-Schutz tragen", erklärt das Landratsamt. Weitere Maßnahmen würden geprüft in Mühldorf, das mit einer Inzidenz von 523 ganz vorn liegt im bundesweiten Corona-Vergleich.

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