Corona-Impfung:Hubert Aiwanger, der 0-G-Minister

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Plenarsitzung im bayerischen Landtag

Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister und Landesvorsitzender der Freien Wähler, hat mit dem Bayern-Fußballer Joshua Kimmich eins gemeinsam: Beide sind nicht geimpft.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

3G Plus oder 2G: Die neuen Einschränkungen treffen auch Bayerns stellvertretenden Ministerpräsidenten, der sich nach wie vor nicht hat impfen lassen.

Von Maximilian Gerl

Von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) ist an diesem Dienstag, an dem die Staatsregierung weitreichende Verschärfungen der Corona-Maßnahmen verkündet, überraschend wenig zu hören. Die einzige öffentliche Einlassung zum Thema kommt um 14.11 Uhr per Mail, darin: Zustimmung. Die heutigen Änderungen des Ministerrats bezüglich der Corona-Vorschriften für Jugendliche und körpernahe Dienstleistungen seien zu begrüßen, wird Aiwanger in der Mitteilung seines Ministeriums zitiert. "Es ist erfreulich, dass wir heute einige Regelungen für Jugendliche und bei den Dienstleistungen praxistauglich angepasst haben, nachdem in den vergangenen Tagen Änderungswünsche aus der Bevölkerung zu diesen Themenfeldern bei uns eingegangen sind." So dürften minderjährige Schüler auch künftig in den Schulen zum Vereinssport in Turnhallen oder zum Musikverein, "selbst wenn dort grundsätzlich 2G verordnet ist".

Aiwanger kuriert sich daheim aus

Selbst wenn grundsätzlich 2G verordnet ist: Das trifft nicht nur Jugendliche besonders. Seit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Aiwangers Impfstatus ungefragt öffentlich machte, ist dieser ein Politikum. Doch über die persönlichen Auswirkungen der neuen 2-G- und 3-G-Plus-Regeln verliert Aiwanger am Dienstag kein Wort. Ans Telefon geht er nicht, bei der Pressekonferenz des Kabinetts fehlt er, bei einem Termin am Nachmittag vertritt ihn sein Staatssekretär. Mit den neuen Vorgaben habe das nichts zu tun, sagt ein Ministeriumssprecher: Aiwanger sei erkrankt, negativ auf Corona getestet worden und kuriere sich jetzt aus.

Und trotzdem ist passiert, was sich angesichts von Infektionsgeschehen und Corona-Diskussionen seit Längerem abzeichnete: Aiwangers Impfstatus macht ihm physische Auftritte vorerst schwer. Dabei kommt man als Wirtschaftsminister normalerweise viel herum, besucht Konzerne und Start-ups, nimmt an Gesprächsrunden und Abendessen teil. Doch nun müssen auch Beschäftigte des Wirtschaftsministeriums ihre 3-G-Nachweise vorzeigen, wenn sie in dem Bau an der Münchner Prinzregentenstraße physisch arbeiten wollen. Für Veranstaltungen gilt 3G Plus oder gleich 2G. Im Ministerium will man das alles nicht zu hoch gehängt wissen. "Wo 3G Plus gilt, ist der Herr Minister gerne dabei", heißt es. "Mehr gibt es dazu nicht zu sagen."

Stattdessen sprach am Dienstag vor allem Söder. Dieser nutzte die Pressekonferenz nach dem Kabinett, um erneut fürs Impfen zu werben. Auf die Frage, was er dem Fußballer Joshua Kimmich vom FC Bayern München - ebenfalls ungeimpft - raten würde, sagte Söder, Kimmich sei sicher kein Querdenker. Sollte er sich aber nun impfen lassen, könne das eine "enorme Impuls- und Vorbildwirkung" haben. Über das eigene Kabinett verlor Söder dagegen allein einen Satz: "Wir haben nur einen einzigen, der nicht geimpft ist, und für den gilt 3G Plus."

Wobei sich der Ministerpräsident - das ist aber reine Spekulation - für sein Kabinett wahrscheinlich auch eine 2-G-Regelung sehr gut vorstellen könnte.

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