Internationaler Comic-Salon ErlangenHier trifft Walter Moers die Simpsons

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Der Animateur und Regisseur Bill Plympton hat mehrmals für die Simpsons gearbeitet. Hier: Homer als Buntstiftimpression.
Der Animateur und Regisseur Bill Plympton hat mehrmals für die Simpsons gearbeitet. Hier: Homer als Buntstiftimpression. 2024 TM / 20th Television und Bill Plympton

Der Comic-Salon in Erlangen präsentiert sich in diesem Jahr anspruchsvoll und bunt – und das trotz massiver Sparzwänge.

Von Jürgen Moises

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Vielleicht gibt es Zamonien ja wirklich. Diesen sagenhaften Kontinent, der laut „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ von Walter Moers irgendwo im heutigen Atlantik liegt und von den seltsamsten Lebe- und Fabelwesen bevölkert wird. Und vielleicht lebt Moers ja selbst dort und nicht etwa in Hamburg, wie es an manchen Stellen heißt.

Das könnte jedenfalls erklären, warum so gut wie niemand weiß, wie der 1957 in Mönchengladbach geborene Zeichner und Schriftsteller aussieht. Wie etwa auch Thomas Pynchon ist Moers zu einem Phantom geworden. Eines, das munter zeichnet, schreibt und Bücher publiziert, wie „Was gibt’s denn da zu lachen?“ belegt. Eine Ausstellung im Stadtmuseum Erlangen, die sich seit Anfang Mai und noch bis September der „komischen Kunst des Walter Moers“ widmet.

2000 erschien Walter Moers „Ensel und Krete – Ein Märchen aus Zamonien“.
2000 erschien Walter Moers „Ensel und Krete – Ein Märchen aus Zamonien“. Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, München

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem 22. Internationalen Comic-Salon Erlangen, der vom 4. bis zum 7. Juni stattfindet. Und sie stimmt genauso wie die am 14. März gestartete Schau „Christoph Niemann. Auf den Punkt“ im Kunstpalais auf das wichtigste Comic-Festival in Deutschland ein. Im Gegensatz zu Moers ist Niemann kein Phantom, und der unter anderem für seine Titelseiten für den New Yorker oder Atlantic Monthly bekannte Zeichner wird auch persönlich anwesend sein.

Und Walter Moers? Nun, sollte er „kommen, dann passiert das inkognito, wir werden ihn nicht erkennen“, so Festivalleiter Bodo Birk. „Wahrscheinlicher ist, dass er sich außerhalb des Comic-Salons seine eigene Ausstellung anschauen wird, aber auch das wird ohne Ankündigung passieren.“

2019 machte Christoph Niemann diese Erdbeere zum Kopf.
2019 machte Christoph Niemann diese Erdbeere zum Kopf. Christoph Niemann, 2025

Klingt so, als würde Moers fürs Erste ein Phantom bleiben. Aber dafür lassen sich neben Christoph Niemann viele andere Comic-Künstler in Erlangen sehen. Dazu gehört etwa die vor allem für ihre historischen Comics wie „Haarmann“ oder „Die letzte Einstellung“ bekannte Isabel Kreitz, der mit „Der Stift ist mein sechster Finger“ im Kunstmuseum ebenfalls eine Ausstellung gewidmet ist. Und dann haben auch noch Dominique Bertail, Lewis Trondheim, José Munoz, Posy Simmonds, Ville Ranta und Tom Gauld ihr Kommen zugesagt. Insgesamt sind es fast 600 Künstler, die den Comic Salon in diesem Jahr beehren. Es gibt im Kunstmuseum eine Ausstellung über „Silent Comics“, also Comics ohne Worte. Und in den Ladengalerien am Altstadtmarkt wird „Die Simpsons – Gelber wird’s nicht!“ gezeigt.

Ein Bild aus der Simpsons-Folge „Der Berg des Wahnsinns“ aus Staffel 8.
Ein Bild aus der Simpsons-Folge „Der Berg des Wahnsinns“ aus Staffel 8. 2024 TM / 20th Television

Die unter anderem Original-Drehbücher, Original-Storyboards, Original-Entwurfsskizze sowie originale Zeichnungen und Folien aus der Trickfilmproduktion umfassende Simpsons-Schau wurde vom Comic-Experten Alexander Braun konzipiert und erstmals 2024 in dessen Dortmunder „schauraum comic + cartoon“ gezeigt. Zu Ehren von „35 Jahre Simpsons“ und „70 Jahre Matt Groening“. Auch ein opulenter und wie immer bei Braun auch sehr kundiger Bildband ist dazu erschienen.

Mit „Demokratie verteidigen“ wird wiederum eine Übernahme vom Comic-Festival München gezeigt. Eine weitere Ausstellung widmet sich der „Welt der Quanten“. Und unter dem Titel „Mit dem Stift gegen Trump und die US-Abschiebepolitik“ wird das im Januar gestartete Internet-Projekt „#iceoutcomics“ präsentiert.

Das Zentrum oder Herz des Ganzen wird auch in diesem Jahr wieder die Comic-Messe sein, die sich auf mehrere Hallen beziehungsweise Zelte oder Räume auf dem Schlossplatz, im Schlossgarten, auf dem Theaterplatz und neuerdings in der Südlichen Stadtmauerstraße 35 verteilt. Dort befindet sich der im März neu eröffnete Kultur- und Bildungscampus, kurz „kubic“. Dort werden, so Bodo Birk, die „Kleinaussteller“ ihr Programm zeigen, für die es dafür kein Zelt mehr im Schlossgarten braucht. Dort wird auch das Programm „Kinder lieben Comics“ stattfinden sowie, verrät Birk, „im Großen Saal Lesungen, Vorträge und Diskussionen. So sparen wir erheblich Mietkosten im Kulturzentrum E-Werk, wo wir nur noch mit einzelnen Veranstaltungen präsent sein werden.“

Das mit den Mietkosten ist tatsächlich ein wichtiger Punkt. Denn auch wenn das Programm mit seinen Ausstellungen, Lesungen, Vorträgen, Filmen, Workshops und natürlich auch der großen Max-und-Moritz-Preisverleihung so bunt, vielfältig und üppig wie immer wirkt: Das Kulturamt Erlangen muss sparen. Das war schon beim Erlanger „Poet*innenfest“ im vergangenen Jahr ein größeres Thema. Weil sich die Stadt, wie Bodo Birk noch einmal zusammenfasst, „seit 2024 in einer wirklich schwierigen Haushaltslage“ befinde, „da durch Verlagerungen von Unternehmensbereichen die Gewerbesteuereinnahmen in Größenordnungen zurückgegangen sind, die selbst für eine bislang relativ wohlhabende Stadt nicht mehr aufzufangen waren.“

Das bedeutet: „Erlangen hat deshalb seit 2025 keinen genehmigten Haushalt mehr“, erzählt der Festivalleiter, „und bei den sogenannten freiwilligen Leistungen, also unter anderem im Kulturbereich, muss empfindlich gespart werden.“ Und das heißt wiederum, dass das vorhandene Budget in diesem Jahr eigentlich nicht für beides reicht, also das Poet*innenfest und den Salon. Weshalb Birk und sein Team dem Stadtrat vorschlugen, „notfalls das Erlanger Poet*innenfest einmalig auszusetzen“. Mit der Begründung, „dass der Comic-Salon für die Comicbranche insgesamt wichtiger“ sei „als das Poet*innenfest für den Literaturbetrieb“. Der Stadtrat sei „der Prioritätensetzung so weit gefolgt, wollte aber auch das Erlanger Poet*innenfest für 2026 nicht absagen.“

Martin Oesch ist Comiczeichner, Metzger und Musiker: Sein Comic „Fleischeslust“ ist für den Max-und-Moritz-Preis nominiert.
Martin Oesch ist Comiczeichner, Metzger und Musiker: Sein Comic „Fleischeslust“ ist für den Max-und-Moritz-Preis nominiert. Edition Moderne / Martin Oesch

Für den Comic-Salon heißt das nun trotzdem: 20 Prozent weniger Budget. Hinzu komme „eine halbjährige Wiederbesetzungssperre“. Und der Umstand, dass sie parallel versuchen wollen, neue „Sponsoren, Zuschüsse und Spenden“ für das Poet*innenfest zu generieren. Was ihnen geholfen hat? Zum einen eben, dass es mit dem kubic eine neue Veranstaltungsstätte gibt, für die sie „zumindest in diesem Jahr noch keine Miete zahlen“ müssen und dass es dafür ein Zelt weniger braucht. Auch dass die länger laufenden Ausstellungen zu Walter Moers und Christoph Niemann zum „Jahresprogramm der jeweiligen Museen“ gehören, sei ein Pluspunkt. Weil sie „somit personell weitgehend von uns unabhängig sind. Auch die Kosten werden sehr zu unserem Vorteil aufgeteilt.“

Ein größeres „Opfer“ gäbe es dennoch. Und zwar „den vor zwei Jahren erstmals eingerichteten Schwerpunkt mit dem Urban Sketching Village auf dem Hugenottenplatz“, zu dem es aber immerhin „einzelne Veranstaltungen und Workshops“ gibt. Und dann ist da noch etwas: „Wir sparen an der Werbung.“ Es gibt „keine Gerüste mit Bannern an den Ortseingängen und Kreuzungen, keine Busse mit Salon-Werbung in Nürnberg, Fürth und Erlangen, weniger Anzeigen in überregionalen Publikationen und so weiter“. So etwas sollte man „eigentlich nicht machen“. Das ist Bodo Birk bewusst.  Aber wichtiger sei ihnen, auch in diesem Jahr wieder eine „attraktive Veranstaltung für die Branche und die Stadt“ zu bieten. Und das wird der Comic-Salon ganz bestimmt.

22. Internationaler Comic-Salon Erlangen, 4. bis 7. Juni, www.comic-salon.de

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