Kultur:Frankens Theater leiden unter einer Pechsträhne

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Kultur: Das Coburger Landestheater wird demnächst saniert - ein Ausweichquartier könnte nun ein Jahr später fertig werden als geplant.

Das Coburger Landestheater wird demnächst saniert - ein Ausweichquartier könnte nun ein Jahr später fertig werden als geplant.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Coburgs Ausweichstätte wird später fertig als geplant, auch in Würzburg gibt es Verzögerungen. Und der Nürnberger Opernball fällt wegen baulichen Mängeln aus. Was ist bloß los an Frankens großen Bühnen?

Glosse von Olaf Przybilla

Die historische Zersplitterung Frankens wird oft als Schwäche beschrieben, auf dem Coburger Schlossplatz indes erkennt noch der Skeptischste, dass es da auch andere Seiten gibt: Ein so imposantes Haus wie das Landestheater findet man in Europa nicht in vielen Städten mit weniger als 50 000 Einwohnern. Das Erbe der Duodezfürsten und machtvoller Stadtstaaten? Kulturell ist es ein Riesenpfund.

Und also kennt derjenige Franken nicht, der dessen Theaterhäuser nicht kennt. Nürnberg? Ein Mehrspartenhaus dieser Größe gibt's im ganzen Freistaat nicht. In Würzburg und Schweinfurt ist man ähnlich stolz auf seine Häuser und in Hof gilt das Theater gar als dominierender Bau einer Region.

Der Stolz der Städte macht aber auch Arbeit - und momentan scheinen sich die Theatergötter zu allerlei Schabernack zu verabreden und ihren Spaß sehr konkret in Franken auszuleben. Um gleich nach Coburg zurückzukehren: Es ist eine schöne Idee, während der Sanierung des ehrwürdigen Haus in ein schickes "Globe"-Theater umzuziehen. Blöd nur, wenn die für die Bühnentechnik zuständige Firma insolvent geht, die Interimsbühne wohl erst ein Jahr später als geplant fertig wird, die Betriebserlaubnis des Landestheaters aber demnächst erlischt. Ein Weg aus der Malaise? Nicht in Sicht.

In Würzburg hat sich gerade das Architekturbüro verabschiedet

In Würzburg wird auch umgebaut und bis vor Kurzem träumte man davon, alsbald wiedereröffnen zu können, in üppiger Pracht. Nun aber hat sich ein Architekturbüro verabschiedet. Und jetzt könnte es bis 2026 dauern, bis wieder gespielt wird im Stammhaus. In Schweinfurts Bespieltheater sind die Probleme so groß nicht, dafür erholt man sich da gerade vom Schreck, ausgelöst durch einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft: Eine langjährige Führungskraft hatte ein offenbar entspanntes Verhältnis zu Bewirtungsbelegen.

In Nürnberg wiederum - das ist dieses größte bayerische Mehrspartenhaus - musste gerade der Opernball storniert werden. Grund: Mängel an der Bausubstanz. Und in Hof hat ein externer Mitarbeiter aus Versehen das Theaterhaus geflutet, per Sprinkleranlage, wohl ein Millionenschaden.

In Bayreuth müssen sie viel ertragen (Wagner), solche Probleme haben sie dort aber ausnahmsweise nicht. Warum? Es gibt kein größeres Mehrspartenhaus in Oberfrankens Hauptstadt. Dieser Tage dürfte man erstmals froh darüber sein.

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