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Coburg:Wie Max Brose wirklich zu seiner Straße kam

Max Brose

Büste von Max Brose, dem Firmengründer des Autozulieferers Brose, auf dem Werksgelände in Coburg.

(Foto: dpa)

Schon vor der Kritik von Jan Böhmermann wurde in Coburg um die Max-Brose-Straße gestritten. Dabei könnte die Benennung ganz anders abgelaufen sein.

Glosse von Olaf Przybilla

Vielleicht sollte man sich der schätzungsweise 343. Runde im Streit um eine nicht gänzlich unumstrittene Straße in Coburg maximal nüchtern nähern. Da gibt es den Satiriker Jan Böhmermann, der seine ZDF-Sendung genutzt hat, seiner Verwunderung darüber Ausdruck zu verleihen, dass Coburg eine Straße nach Max Brose benannt hat. Das Thema, Böhmermann wird sich das gefallen lassen müssen, ist nicht das frischeste. Gute fünf Jahre sind vergangen, seit eine Straße nach dem Großvater des Unternehmers Michael Stoschek benannt worden ist und viele verstört zurückgelassen hat. Aber schon richtig: Da darf man sich immer wieder mal wundern drüber.

Richtig lustig ist der Fall erst geworden, seit sich zwei herausragende Köpfe von CSU und SPD an Medien gewandt und im Ausdruck der Empörung vor "Legendenbildung" gewarnt haben. Böhmermann habe den Eindruck erweckt, als habe die Unternehmerfamilie Stoschek Einfluss auf die damalige Stadtratsentscheidung genommen. Dem hält die schwarzrote Allianz entgegen, es habe da aber ganz bestimmt keine Einflussnahme der Firma Brose oder der Familie Stoschek gegeben. Und: Jede andere Interpretation habe "nichts mehr mit objektiver Berichterstattung zu tun", sei vielmehr "böswillige Verdrehung der Tatsachen".

Das wird man nun bitte einfach mal glauben müssen. Wie exakt man 2015 darauf gekommen ist, die Straße ausgerechnet nach Brose umzubenennen, bleibt zwar unklar. Aber womöglich wird man sich das ja ganz banal vorstellen müssen.

So vielleicht:

SPD-Mann: Mensch, du hier, noch so spät abends in den Gassen der Stadt?

CSU-Mann: Konnte nicht schlafen.

SPD-Mann: Was'n los?

CSU-Mann: Ach, es ist nur, ich weiß nicht. Was Überraschendes müsste man mal machen, etwas, das sonst keiner macht!

SPD-Mann: Wahnsinn, geht mir genauso. Aber ich hab da eine Mega-Idee. Warum nicht, 70 Jahre nach dem Krieg, eine Straße nach einem Ex-NSDAP-Mitglied und Wehrwirtschaftsführer benennen, der Zwangsarbeiter beschäftigt hat?

CSU-Mann: Wow! Und ich wüsste da sogar einen. Aber den Enkel, einen Mann mit richtig viel Kohle, den halten wir da fei raus. Sonst ist ja der ganze Witz weg.

SPD-Mann: Schon klasse, wir beiden.

© SZ vom 26.11.2020/van
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