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Coburg:Die eiserne Hand von Weltruhm

Nachbildung der Prothese des Götz von Berlichingen aus dem Berliching'schen Archiv, Jagsthausen.

(Foto: HdBG/Pfitzinger)

Die neue Landesausstellung widmet sich Martin Luther und der Zeit der Reformation.

Landesaustellungen brillieren häufig mit aufwendig herbeigeschafften Großobjekten. Oft sind es aber die kleinen Nebengeschichten, die den Gästen die Vergangenheit auf berührende oder auch drastische Weise näherbringen. In wenigen Wochen fängt in Coburg die nächste Landesausstellung an, die sich der Zeit der Reformation widmen wird. Die Besucher werden dabei ein Objekt zu sehen bekommen, das trotz seines literarischen Ruhms gruselig wirkt, nämlich die "eiserne Hand" des Ritters Götz von Berlichingen (1480-1562).

Wer glaubt, Gelenkersatz sei eine Errungenschaft der Jetztzeit, wird allein durch diese Hand eines Besseren belehrt. Schon vor fast 500 Jahren fertigten Handwerker Prothesen, bei denen sich die Finger in mehreren Gelenken bewegen lassen. Überdies schnellen sie mit Federdruck wieder in die Ausgangslage zurück. Zudem lässt sich das Handgelenk drehen. Dass Götz als Besitzer namentlich bekannt ist, liegt auch an Johann Wolfgang Goethe, der dem Ritter in seinem Schauspiel "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" ein deftiges Zitat in den Mund gelegt hat.

Götz war ein Kriegsunternehmer, der um 1480 herum in ein fränkisches Geschlecht hineingeboren wurde. Die großen Zeiten der Ritter waren aber vorbei. Als die sprichwörtlichen "armen Ritter" verdingten sie sich bei den Landesfürsten. Das tat auch der junge Götz, der anno 1504 für Herzog Albrecht IV. von Bayern-München im Landshuter Erbfolgekrieg kämpfte. Während eines Gefechts wurde Götzens rechte Hand zerschmettert und später amputiert. Noch auf dem Krankenlager kam Götz die Idee für die eiserne Hand, die sein Markenzeichen wurde. Die Prothese wurde mit Schienen am Unterarm befestigt und soll ihrem Träger auch feinmotorische Tätigkeiten ermöglicht haben, schreibt das Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG) , das die Landesausstellung organisiert.

Nach dem Angriff auf Nürnberger Kaufleute geriet Götz in Reichsacht, die Kaiser Karl V. erst 1540 löste. Götz hatte laut dem Haus der Bayerischen Geschichte ein Leben geführt, "das geprägt war vom Bedeutungsverlust der Ritter, vom Bauernkrieg, von der Auseinandersetzung altgläubiger und lutherischer Reichsstände". Der junge Goethe machte Götz zum Helden eines Schauspiels. Das berüchtigte Zitat hat Goethe aber nicht erfunden: Götz rühmte sich selber, er habe einem Amtmann zugerufen, "er solle mich doch hinten lecken". Goethe fasste den Spruch etwas derber, wohl damit er als Dichter dadurch bekannter werde.

Bayerische Landesausstellung "Ritter, Bauern, Lutheraner", Veste Coburg und Kirche St. Moriz, 9. Mai bis 5. November, täglich 9-18 Uhr.