Coburg Amokfahrer vor Gericht

Von Olaf Przybilla, Coburg

An diesem Montag beginnt am Landgericht Coburg der Prozess gegen einen 38-jährigen Truckerfahrer, der im Januar eine Spur der Verwüstung quer durch Oberfranken gezogen haben soll. Bei der mehrstündigen Fahrt durch vier Landkreise soll der Mann mit seinem 22 Tonnen schweren Lastwagen Polizeisperren durchbrochen, Autos von der Fahrbahn gedrängt und dabei Menschenleben gefährdet haben. Die Verfolgungsjagd endete filmreif: Mit einem Hubschrauber gelang es Polizisten, den Truckerfahrer gezielt zu blenden und zum Anhalten zu zwingen. Nachdem der 38-Jährige seinen Lkw zum Stehen gebracht hatte, schlugen Beamte die Scheiben auf der Beifahrerseite des Führerhauses ein und nahmen ihn fest. War zunächst wegen versuchten Mordes gegen den Mann ermittelt worden, so wirft ihm die Staatsanwaltschaft nun nurmehr vor, sich vorsätzlich in einen Vollrausch versetzt und in diesem Zustand rechtswidrige Taten begangen zu haben. Infolge dieses Rausches sei der Mann schuldunfähig.

Der Angeklagte war in der betreffenden Nacht erst einen Tag als Speditionsfahrer beschäftigt. Er bekam den Auftrag, Maschinenbauteile von Kärnten nach Hamburg zu bringen. Auf der Fahrt soll es am Abend des 23. Januar 2018 zu einem Streit am Telefon mit seiner getrennt von ihm lebenden Ehefrau gekommen sein. Zu der Zeit soll sich der Fahrer mit Amphetaminen berauscht haben. Seine "Amokfahrt", wie die Staatsanwaltschaft die Tour nennt, dauerte dann vier Stunden lang, beginnend am Autobahnkreuz Fürth/Erlangen, wo er im Fahren den Außenspiegel eines Lkws beschädigt haben und in Schlangenlinien weitergefahren sein soll. Um 22 Uhr schien die Fahrt in einer Sackgasse in Coburg beendet, mehrere Polizeiwagen versuchten den 22-Tonner zu stoppen. Dieser rangierte seinen Lkw aber weiter und soll dabei mehrere Polizisten in Lebensgefahr gebracht haben. Ein Polizeifahrzeug rammte er frontal. Allein an dieser Station hinterließ der Lkw ein Bild der Verwüstung: Insgesamt wurden dort sechs Fahrzeuge bei einem Gesamtschaden von 150 000 Euro schwer ramponiert. Den Schaden an der Thujenhecke eines Anwesens beziffern die Ermittler auf zusätzliche 5359 Euro. Bis der Fahrer gestoppt werden konnte, folgten danach noch fünf weitere schadensträchtige Stationen.