Claudia Roth: Mein Augsburg:"Muffelburg"? Von wegen!

Fragebogen Teil 2

Augsburg, Kahnfahrt

Der Lieblingsort von Claudia Roth in Augsburg ist die Kahnfahrt.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Angenommen, der US-Präsident käme zu Besuch nach Augsburg: Was würden Sie ihm zeigen?

Zuerst natürlich den Goldenen Saal im Augsburger Rathaus, einem der schönsten Profanbauten der Renaissance. Die Fuggerei dürfte natürlich nicht fehlen. Und da das Augsburger Bekenntnis, die Confessio Augustana, die Entwicklung von Kultur und Religion in Europa und auch den USA mit geprägt hat, würde ich den Präsidenten zu den Augsburger Orten der Reformationsgeschichte führen.

Was sollte man als Besucher unbedingt vermeiden?

Kommt darauf an. Wer sich´s mit den Stadtoberen nicht verderben will, sollte nicht nach den politisch Verantwortlichen für die schlechten Sichtverhältnisse im Eishockeystadion fragen!

Was für ein Gebäude oder welche Einrichtung fehlt Augsburg noch?

Gestalten macht Spaß, besonders in der Politik! Ich hätte deshalb nicht nur eine gute Antwort auf Ihre Frage. Leider wurde im letzten Jahr hauptsächlich diskutiert, was man alles schließen soll in Augsburg, zum Beispiel das Historische Stadtbad oder die Staats- und Stadtbibliothek. Aus der Opposition heraus kämpfen wir deshalb erst einmal dafür, das fantastische kulturelle und historische Erbe der Stadt zu erhalten und es nicht zu verspielen. Und dann schauen wir mal, was sauber durchfinanziert alles geht. Nachhaltige Stadtentwicklung und natürlich Bildung und Betreuung, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, stehen ganz oben an. Die besten Chancen für alle Kinder und Jugendlichen in der Stadt!

Wer ist Ihr Lieblings- Augsburger und warum?

Ganz klar Eugen Bertolt Friedrich Brecht. Der für mich größte deutschsprachige Lyriker und Dramatiker im 20. Jahrhundert ist hier geboren. Und vor allem: Hier ging er zur Schule, hat seine Sprache erprobt, hat geliebt und Freunde fürs Leben gefunden. Und er hat als Theaterkritiker die ersten scharfen Verrisse verfasst. Und was mich freut: Nach langer Zeit der Distanz zu Brecht sprechen die Augsburgerinnen und Augsburger heute mit Stolz von ihrer Brecht-Stadt, einen großen Beitrag dazu hat auch Albert Ostermeier mit den Brecht-abc-Festivals geleistet.

Was zeichnet den typischen Augsburger aus?

Es soll Menschen geben, die Augsburg als "Muffelburg" bezeichnen. Doch das sind meistens diejenigen, die immer nur an der Stadt vorbei fahren. Denn kommt man mit den Menschen hier ins Gespräch, entdeckt man viele ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, mit ganz eigenen Geschichten, Herkünften und Ideen. Die typische Augsburgerin und den typischen Augsburger gibt es nicht. Die kreative Mischung macht´s!

Welches Geheimnis über Augsburg muss noch gelüftet werden?

Augsburg ist die Stadt mit den meisten Feiertagen in ganz Deutschland. Denn zusätzlich zu allen anderen kirchlichen und weltlichen Feiertagen gibt es hier das Augsburger Hohe Friedensfest am 8. August. Es wird seit 1650 gefeiert und erinnert an den Westfälischen Frieden. Heute steht das Fest für den offenen und nicht ausgrenzenden Dialog zwischen den Kulturen und Religionen.

Wenn Sie Augsburg in einem Wort beschreiben müssten - wie würden Sie das tun?

Kulturvielfalt!

Was soll man in Augsburg über Sie sagen?

Sie engagiert sich ehrlich und aufrichtig für die Stadt.

Vervollständigen Sie bitte diesen Satz:

Augsburg ist insgesamt ziemlich lebenswert und historisch spannend. Aber wer dort wohnt, braucht keinen Augsburg-Stammbaum bis zur "Confessio Augustana" zurück, weil er schnell Freunde findet in einer weltoffenen Stadt.

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