Christusstatue für Bad Reichenhall Großer Glaube

Der Entwurf erinnert an Rio de Janeiro: Ein Hamburger Investor will in Bad Reichenhall eine riesige Christusstatue errichten und spricht vom "achten Weltwunder" - die Stadt ist gespalten.

Von Angelika Slavik

Harry Vossberg stammt aus Hamburg und zumindest in seinem Fall bedeutet das, dass man sich von ein bisschen Gegenwind nicht so schnell beeindrucken lässt. "Manchmal braucht es eben eine gewisse Zeit, bis sich eine Idee durchsetzt", sagt er. Die Pläne des weltmännischen Geschäftsmanns erhitzen seit Monaten die Gemüter in der 18 000 Einwohner-Stadt Bad Reichenhall. Denn Vossberg möchte am Gipfel des 1613 Meter hohen Predigtstuhls eine riesige Christusstatue errichten. 55 Meter soll das Bauwerk messen, fast 20 Meter mehr als die berühmte Jesusstatue auf dem Corcovado in Rio de Janeiro. "Ein achtes Weltwunder", wie Vossberg es nennt.

Das achte Weltwunder nennt Immobilienmakler Harry Vossberg die riesige Jesusstatue, die er hoch über Bad Reichenhall errichten will.

(Foto: Skizze: Angerer/oh)

Die Entwürfe zu dem Projekt stammen von dem oberbayerischen Künstler Angerer dem Älteren. Sie vermitteln einen ersten Eindruck von den Dimensionen des geplanten Kunstwerks: Im Inneren der Statue soll eine Kirche Platz finden, Glaskuppeln und Spiegelflächen sollen den Gebetsraum mit Tageslicht durchfluten. Herzstück des Gebäudes ist eine riesige Orgel, deren Klang aufgrund der außergewöhnlichen Raumverhältnisse "ohne Vorbild" bleiben werde, verspricht Angerer.

Mit diesem Projekt wolle man ein Zeichen setzen, das Christliche wieder in "den Mittelpunkt" zu stellen, sagt der Künstler, und auch Investor Vossberg sieht die Statue als "Ausdruck meines christlichen Glaubens". Dass evangelische und katholische Kirche sich bisher nur ablehnend geäußert haben, tut seinen Ambitionen keinen Abbruch. Der 60-Jährige, einst Fraktionsgeschäftsführer der Hamburger FDP, soll nach seinem Ausscheiden aus der Politik mit Immobiliengeschäften vermögend geworden sein. Sprechen will er darüber nicht, sagt aber, die zwei Millionen Euro, die beim Bau der Christusstatue als Anschubfinanzierung benötigt würden, seien "kein Problem". Am Finanziellen werde das Projekt "sicher nicht scheitern".

Weitaus unklarer ist hingegen die Haltung der Stadt zu dem Riesendenkmal. Denn während in den Lokalblättern und in der Bevölkerung Für und Wider heftig diskutiert werden, will man sich im Reichenhaller Rathaus noch gar nicht mit dem Projekt beschäftigt haben. "Bis jetzt liegen uns keinerlei offizielle Dokumente vor", sagt der Sprecher der Stadt, Gerhard Fuchs. Stadtrat und Bürgermeister hätten also keine Grundlage für eine offizielle Entscheidungsfindung. Privat gingen die Meinungen "weit auseinander, und zwar quer durch alle Fraktionen", sagt Fuchs.

Vossberg will als Vorsitzender der eigens gegründeten Christlichen Initiative Predigtstuhl (CIP) nun nächste Woche eine unverbindliche Bauanfrage an die Stadt schicken und dann "eine Menge Überzeugungsarbeit" leisten. Die könnte sich allerdings als vergebliche Mühe erweisen. Denn wer vor der Errichtung des Riesenjesus tatsächlich überzeugt werden muss, ist unklar: Das Gebiet am Predigtstuhl wird vom Amt für Landwirtschaft und Forsten verwaltet, die Stadt Bad Reichenhall ist also gar nicht Grundstückseigentümer.

"So etwas lockt Tausende Besucher"

Zudem stehen Teile des Gebiets unter Naturschutz. "Vielleicht findet sich ja ein Minister in der Staatsregierung, der sich für das Projekt einsetzt", sagt Vossberg und hofft, dass die Scharmützel um Zuständigkeiten, Anträge und Genehmigungen so schneller überwunden werden könnten.

Im Interesse der Region sei es in jedem Fall, wenn der Herr bald auf Reichenhall hinabblicken würde, glaubt Vossberg: "So etwas lockt Tausende Besucher an. Für die Stadt ist das eine enorme wirtschaftliche Chance." Sollten die Widerstände in Bad Reichenhall zu groß sein, könnte Vossberg die Statue auch woanders errichten.

Es lägen eine Reihe Anfragen anderer Kommunen vor, sagt er: "In Österreich und der Schweiz gibt es ernsthaftes Interesse. Aber auch andere Bundesländer in Deutschland sind nicht abgeneigt." Vorerst bleibe aber Bad Reichenhall erste Wahl. Doch schlussendlich sei der genaue Standort des Denkmals nicht entscheidend. Ihm gehe es darum, etwas zurückgeben. "Das", so sagt der Immobilienmakler, "ist bei uns in Hamburg so üblich, wenn man Glück gehabt hat im Leben."