Gegen Antisemitismus:Isaiah Award für Christian Stückl

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Christian Stückl bei einer Leseprobe für die Passionsspiele. (Foto: Sebastian Beck)

Der Passionsspielleiter erhält eine renommierte Auszeichnung, die sein Engagement im Dialog zwischen Juden und Christen würdigt.

Christian Stückl, Leiter der Passionsspiele in Oberammergau, erhält den renommierten Isaiah Award for Exemplary Interreligious Leadership. Der Preis zeichnet Stückls "herausragende Leistungen im interreligiösen Bereich" aus, also sein Engagement gegen Antisemitismus und das für den jüdisch-christlichen Dialog. Der Award wird vom Jewish Committee (AJC) verliehen.

Christian Stückl, 60, leitet die derzeit in Oberammergau laufenden Passionsspiele seit 1990 und inszenierte sie zum vierten Mal. Seit Beginn seiner Intendanz arbeitet er zum einen die unrühmliche antisemitische Geschichte der Spiele auf und setzt sich mit den antisemitischen Klischees in dem alle zehn Jahre stattfindenden Spiel auseinander. Im engen Austausch mit Juden untersuchte er etwa Textpassagen, Kostüme, Bühnenbilder aus vergangenen Inszenierungen, prüfte jede neue Idee und bekräftigte stets seinen unbedingten Willen, jedweden Antisemitismus aus dem Passionsspiel zu entfernen.

Stückl zeigt: Es war der Römer Pilatus, der Jesus verurteilte

Um dem näher zu kommen, arbeitet er seit den 1980er-Jahren auch mit dem AJC zusammen. Nach dessen Auffassung mit Erfolg: "Stückls bleibendes Vermächtnis wird seine umsichtige Darstellung des jüdischen Charakters und des historischen Kontextes der Person Jesu sein", heißt es vom Committee. Das Stück zeige nicht mehr das "veraltete Bild von Juden, die den Gründer des Christentums ermorden".

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In der aktuellen Inszenierung der Passion erzählt Stückl etwa einen vielstimmigen, differenzierten Streit um die Verurteilung von Jesus, der am Ende eindeutig mit einer Verurteilung durch den Römer Pontius Pilatus beendet wird. In Kostüm, Requisiten, Sprache und Handlung der Spieler betont er außerdem das Jüdischsein von Jesus und seinen Anhängern, inzwischen gibt es im Passionsspiel auch ein hebräisches Lied und ein hebräisches Gebet.

Seit seiner Gründung im Jahr 1906 ist das American Jewish Committee als weltweite jüdische Interessenvertretung eine wichtige jüdische Stimme im Dialog zwischen den Religionen. Am 10. August überreicht Rabbi Noam Marans, AJC-Direktor für interreligiöse Beziehungen, Christian Stückl den Award in Oberammergau.

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