Sich selbst als „musikalisches Genie“ zu bezeichnen und sich in den Philharmonien im Morgenmantel an den Flügel zu setzen, war natürlich in erster Linie eine Provokation, so größenwahnsinnig ist er ja nicht wirklich. Aber in Deutschland lebt tatsächlich kaum ein größeres musikalisches Genie als der Kanadier Jason Beck alias Chilly Gonzales. Der Kerl kann alles. Mit knalligen Electro-Rap-Performances mischte er zunächst die Underground-Clubs auf, bald veredelte sein Sound das Jahrhundertalbum von Daft Punk, die Pop-Welt lag ihm zu Füßen. Dann, 2004, setzte er sich ans Klavier und eroberte mit der Reihe „Solo Piano“ die Klassikwelt, ganz unsatirisch. Seine Konzerte (etwa der Weltrekord von 27 Stunden am Stück) blieben größtes Entertainment und unberechenbar wie einst die Auftritte seines, so darf man zuspitzen, Vorgängers Mozart.
Chilly Gonzales über Mozart, Wagner und Neoklassik„Dann werden die Götter der Musik böse“
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Wagner ist für ihn ein „Monster“, die Neoklassik „Yoga-Musik“ – Chilly Gonzales provoziert, wo es nötig ist. Das selbsterklärte Musikgenie über einen Besuch als Teenager in Bayreuth, meckernde Puristen und seine Ideen fürs Augsburger Mozartfest.
Interview von Michael Zirnstein

Konzert in der Isarphilharmonie in München:Jetzt komponiert er auch noch fürs Klavier: Star-Geiger David Garrett
David Garrett hat ein Klavierkonzert geschrieben. Der Star-Geiger erklärt, warum er sich die Komposition zutraute, wo seine romantische Ader liegt und wie es sich anfühlt, das One World Piano Concerto den Münchner Symphonikern und Olga Scheps zu überlassen.
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