Petition im Landtag:Keine Ehre für Jodl

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Die Gemeinde Chiemsee ist Bayerns kleinste politische Kommune.

Die Insel Frauenchiemsee ist ein Idyll, doch frei von Konflikten ist sie keineswegs.

(Foto: Moritz Wolf/imago/imagebroker)

Abgeordnete haken den Streit über das Kreuz für den Kriegsverbrecher auf der Fraueninsel als erledigt ab.

Von Matthias Köpf, Chiemsee

Der Innenausschuss des bayerischen Landtags hat den Dauerstreit über das Grabkreuz für den Nazigeneral und Kriegsverbrecher Alfred Jodl auf der Fraueninsel im Chiemsee für erledigt erklärt. So jedenfalls beschied der Ausschuss am Mittwoch eine Petition, mit der ein Ehepaar aus Norddeutschland die Entfernung des Kreuzes erreichen wollte. Da Jodls Name und Dienstgrad inzwischen mit einer Steinplatte verdeckt seien, sei das Kreuz nicht mehr als Scheingrab oder gar als Ehrenmal anzusehen, lautet die gemeinsame Einschätzung von Matthias Enghuber (CSU) und Martin Runge (Grüne), die ihren Parlamentskollegen über den Fall berichteten. Der Ausschuss schloss sich dem einstimmig an.

Die Abgeordneten befassten sich nicht zum ersten Mal mit dem Streit, der die kleine Insel-Gemeinde Chiemsee seit Jahren umtreibt. Während der Wissenschaftsausschuss seit einer ersten Petition 2014 stets auf die Verantwortung der Kommune verwiesen hatte, hat der Innenausschuss im Februar 2020 erstmals auf eine Lösung gedrungen. Eine solche Lösung sahen die Mitglieder nun mit der bündig und fest montierten Platte verwirklicht, auf der "Familie Jodl" steht und die seit einigen Monaten Alfred Jodls Namen verdeckt. Jodl liegt selbst dort gar nicht begraben. Er wurde nach seiner Verurteilung als Hauptkriegsverbrecher hingerichtet und seine Asche in die Isar gestreut. Im Grab auf der Insel liegen Jodls Bruder, seine Schwägerin und seine beiden Ehefrauen, deren Namen auf kleineren Steinen stehen. Das dominierende Kreuz in der Mitte der Grabstätte war jedoch nur mit Alfred Jodls Namen und Daten sowie einem eingemeißelten Eisernen Kreuz versehen.

Aktionskünstler Kastner vor Gericht

Der Aktionskünstler Wolfram Kastner hat das Jodl-Kreuz wiederholt auf eigene Faust umgestaltet. Hier zeigt er vor einem Gerichtsprozess 2017 eine Aufnahme nach einer seiner Aktionen. Dort, wo Kastner blutrote Farbe vergossen hat, verdeckt jetzt eine Steinplatte Jodls Namen und Dienstgrad.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Ein entfernter Verwandter von Jodls zweiter Ehefrau hatte sich lange allen Versuchen widersetzt, an dem Grab etwas zu ändern. Auch die Hoffnungen, die unter anderem der Landtag und das Innenministerium an das Auslaufen des Grabnutzungsrechts 2018 geknüpft hatten, erfüllten sich nicht. Zwar hatte die zuvor lange lavierende Gemeinde eine Verlängerung abgelehnt. Doch der Nachfahre erstritt sie sich vor Gericht, weil die Gemeinde einen Mangel an Grabplätzen nicht belegen konnte und das Gericht keine Hinweise sah, dass das Kreuz den Nationalsozialismus verherrliche oder dass es dort zu rechtsextremistischen Treffen komme. Dies betonte Matthias Enghuber nun auch im Innenausschuss. Ihm zufolge war das Jodl-Grab "noch nie eine Pilgerstätte, geschweige denn ein Ehrenmal oder eine Gedenkstätte oder Ähnliches".

Das sah Martin Runge zwar anders, in der Einschätzung der Steinplatte als befriedigender und befriedender Lösung waren sich aber alle Abgeordneten einig - zumal die Gemeinde inzwischen an der lange geforderten erläuternden Tafel arbeitet und dazu auf Anraten aus München den Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Jörg Skribeleit, hinzugezogen hat. Skribeleit, so hieß es im Ausschuss, hege aber mittlerweile Zweifel an einer solchen Tafel und empfehle eher eine Mediation mit allen Beteiligten.

Petition im Landtag: Der Architekt und Insulaner Georg Wieland kämpft seit Jahren gegen das Jodl-Kreuz.

Der Architekt und Insulaner Georg Wieland kämpft seit Jahren gegen das Jodl-Kreuz.

(Foto: Matthias Köpf)

Einer dieser Beteiligten ist der Inselbewohner Georg Wieland, der das Thema durch seine Petition 2014 weit über die Insel hinaus bekannt gemacht hat. Das wiederum hat zu mehreren Aktionen des Künstlers Wolfram Kastner am Grab geführt, die von der Justiz als Sachbeschädigungen verfolgt werden. Wieland hält die Steinplatte erklärtermaßen weder für eine gute noch überhaupt für eine Lösung. Auch die geplante Tafel lehnt er ab, weil sie nicht direkt am Grab angebracht werden und auch den Friedhof als ganzen und die Künstlergräber dort zum Thema haben soll.

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