Bahnkrise im Werdenfels-Netz:Vom Normalbetrieb weit entfernt

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Bahnkrise im Werdenfels-Netz: Seit dem Zugunglück vom Burgrain sind viele Bahnstrecken in der Region gesperrt.

Seit dem Zugunglück vom Burgrain sind viele Bahnstrecken in der Region gesperrt.

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Seit dem Zugunglück von Burgrain ist der Landkreis Garmisch-Partenkirchen weitgehend vom Bahnverkehr abgehängt. Die versammelten Bürgermeister lassen auch nach dem zweiten Treffen mit hochrangigen DB-Vertretern ihrem Ärger freien Lauf.

Von Matthias Köpf, Garmisch-Partenkirchen

Die versammelten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des Landkreises Garmisch-Partenkirchen hatten mit ihrem Ärger nicht hinter dem Berg gehalten: Die Bahn möge die Sache doch bitte gleich gescheit anpacken, und zwar sofort - so hatte Bürgermeister-Sprecher Christian Scheuerer in aller Kürze zusammengefasst, was die Bürgermeister und Landrat Anton Speer bei einem Krisentreffen Mitte August von einigen hochrangigen Vertretern des DB-Konzerns gefordert hatten. Wöchentliche Videokonferenzen wurden verabredet, dazu ein nächstes Treffen sechs Wochen später. Am Dienstag hat dieses Treffen stattgefunden, die Runde saß im Landratsamt in Garmisch-Partenkirchen beisammen. Doch auch danach herrschen laut Scheuerer weiterhin "Unzufriedenheit und Ernüchterung". Denn aus Sicht der Kommunen ist im Werdenfels-Netz seit dem Sommer nichts besser geworden. Eher im Gegenteil.

Dabei hätten im zeitweise komplett abgehängten Werdenfels-Netz laut den Versprechungen der Bahn mit dem Schulbeginn nach den bayerischen Sommerferien wieder viel mehr Züge unterwegs sein sollen. Die seit dem tödlichen Zugunglück von Burgrain Anfang Juni komplett gesperrte Hauptstrecke Richtung Garmisch-Partenkirchen hätte ursprünglich von 13. September an zumindest für drei Wochen wieder bedient werden sollen, um dann zwischen 7. Oktober und 13. November aufs Neue gesperrt und saniert zu werden. Doch da galt dann auch für die Bahn, was die Bürgermeister verlangten: lieber gleich gescheit, und das sofort. Also bleibt die Trasse voraussichtlich bis Mitte November dicht.

"Kinder und Pendler warten vergeblich an Haltestellen."

Doch immerhin für die Nebenstrecken nach Kochel am See, Oberammergau und Mittenwald war für Mitte September wieder weitgehend Normalbetrieb geplant. Wer etwa am Mittwochnachmittag von Murnau weiter nach Süden fahren wollte, musste aber nicht nur Richtung Garmisch weiterhin den Bus nehmen. Richtung Oberammergau: Ersatzverkehr. Garmisch-Mittenwald? SEV. Vom angekündigten Normalbetrieb ist die Deutsche Bahn auch und gerade in der Werdenfels-Region immer noch weit entfernt.

So ist die für viele Pendler und Schüler bedeutende Strecke von Mittenwald nach Garmisch-Partenkirchen schon kurz nach dem Schulstart wieder gesperrt worden, mitsamt den inzwischen fast gewohnten Begleiterscheinungen wie mangelnder Information von Fahrgästen und Kommunen sowie einem eher unzuverlässigen Ersatzverkehr: "Kinder und Pendler warten vergeblich an Haltestellen, da die Busse bereits voll sind oder gar nicht kommen. Elterntaxis werden schnell organisiert, um die Kinder sicher und pünktlich zur Schule zu bringen. Eltern agieren als Servicepersonal und weisen die Busse ein, deren Fahrer nicht ortskundig sind." So beschreiben die 22 Bürgermeister die Lage nun in einer Mitteilung nach ihrem zweiten Treffen mit den Bahn-Leuten. Die Situation sei "zum Teil sehr chaotisch", es herrsche "vor allem eins: große Verwirrung".

Das Vertrauen in die Bahn nennt Bürgermeister-Sprecher Scheuerer angesichts all dessen "stark beschädigt". Man helfe, wo man könne, und suche auch keine Schuldigen, sondern Lösungen. Doch die Verantwortung liege "einzig und alleine bei der Deutschen Bahn". Die müsse ihren originären Aufgaben nachkommen, schiebt Scheuerer nach, der selbst Bürgermeister von Ohlstadt ist. "Würde man der Zusammenarbeit ein Schulzeugnis ausstellen müssen, die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister würden sagen: Die Bahn zeigt sich bemüht - Kommunikation mangelhaft."

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