PidingKneipp statt Kalorien

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Mit einer amerikanischen Burgerkette wird nicht mehr in Piding geworben.
Mit einer amerikanischen Burgerkette wird nicht mehr in Piding geworben. (Foto: dpa)

Das oberbayerische Piding hat in aller Eile die Liste seiner Sehenswürdigkeiten überarbeitet. Die örtliche Filiale einer weltweiten Burger-Kette steht nun nicht mehr drauf.

Kolumne von Matthias Köpf

Jetzt in der Adventszeit haben auch die Krippen wieder Saison, und wer die überlieferten Geschehnisse aus der Weihnachtsgeschichte mit kleinen Holzfiguren nachgestellt sehen will, kann sich zum Beispiel die Krippe im Alten Pfarrhof im oberbayerischen Piding anschauen. Die steht dort sogar das ganze Jahr, samt Kreuzigung zu Karfreitag. Die Gemeinde Piding, deren Tourist-Info direkt unter der Krippe im Erdgeschoss des Alten Pfarrhofs angesiedelt ist, listet die Krippe ganz zu Recht als eine ihrer Sehenswürdigkeiten auf, neben dem öffentlich unzugänglichen Schloss Staufeneck, ein paar Ausflugsalmen, dem Milchladen der Berchtesgadener-Land-Molkerei und dem örtlichen Tennisclub, welcher laut der Liste sogar über "eine schwedisch geführte Tennisschule" verfügt.

Als Attraktion neu hinzugekommen ist jetzt das Kneipp-Becken beim Schloss - endlich, denn bis sich nun im frisch sanierten Becken Wasser treten lässt, wurden erst jahrelang Tritte in Hintern und gegen Schienbeine ausgetauscht. Mit der Aufnahme in die Liste der Sehenswürdigkeiten ging es jetzt aber ganz fix. Weil der örtliche Schnellimbiss da dringend runter musste.

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Denn dass die direkt an der Autobahnausfahrt gelegene Niederlassung einer praktisch weltweit vertretenen amerikanischen Burger-Kette eine ihrer wenigen Sehenswürdigkeiten sein soll, schien der Gemeinde, die sich als "das gastliche Dorf im Rupertiwinkel" bewirbt, dann doch ein bisschen peinlich zu sein. Aufgedeckt hatte die Sache das zuständige Reichenhaller Tagblatt, das seinen Lesern auch die Beschreibung der "gemütlichen und gleichzeitig lifestyligen Restaurantatmosphäre" überliefert hat. Der lokale Lizenznehmer der Burger-Kette würde dem zwar wohl nicht widersprechen.

Er konnte sich und dem Tagblatt aber auch nicht recht erklären, wie sein Schnellrestaurant überhaupt auf die Liste gekommen war. Erklärt hat es dann gar niemand. Dafür war das angebliche Ausflugslokal im gastlichen Dorf fast schneller von der Liste getilgt, als ein Ausflügler alle Nährstoffe aus einem, nur zum Beispiel, doppelten Whopper extrahieren könnte. Dabei zieht das Lokal mit Sicherheit mehr Menschen an als die Krippe und das Kneipp-Becken zusammen. Falls Piding jetzt doch wieder einen echten Publikumsmagneten für seine Liste braucht: An der Autobahntankstelle ist auch immer viel Verkehr.

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